Netzwerkmanagement Die deutsche Industrie muss ihre Abhängigkeiten reduzieren

Von Florian Schönknecht* |

Anbieter zum Thema

Die deutsche Industrie hat sich in der Vergangenheit stark von außereuropäischen Produktionen abhängig gemacht. Das bedeutet nicht nur lange Wartezeiten, sondern auch Hemmungen in der Energiewende.

Herstellerunabhängiges Netzwerkmanagement kann beim Aufbau zukunftsfähiger Produktionskapazitäten helfen.
Herstellerunabhängiges Netzwerkmanagement kann beim Aufbau zukunftsfähiger Produktionskapazitäten helfen.
(Bild: gemeinfrei / Pexels)

Spätestens durch den Ukrainekrieg ist deutschen Politkern und Entscheidern aus der Wirtschaft eines schmerzlich bewusst geworden: Das über viele Jahre gelebte Mantra des „Wandel durch Handel“ ist gescheitert. Deutschland hat sich durch die Inanspruchnahme günstiger Gaslieferungen aus Russland selbst in die Enge getrieben und erpressbar gemacht. Das Gebot der Stunde ist, neue und verlässliche Alternativen für das russische Gas aufzutun. Die Suche nach neuen Lieferanten auf dem Weltmarkt ist kompliziert und stellt die deutsche Politik vor schmerzliche Dilemmata.

Chips und Elektronik sind Schlüsselprodukte für die Industrie 4.0

Doch eine weitere schwerwiegende Abhängigkeit bleibt aufgrund des Konfliktes in der europäischen Nachbarschaft zum großen Teil unbeachtet: Die deutsche Industrie ist auf Rohstoffe und industrielle Vorprodukte aus China angewiesen. Wer sich heute einen Neuwagen bestellt, wird aufgrund fehlender Elektronikkomponenten mit langen Wartezeiten konfrontiert. Ähnlich sieht es bei Unterhaltungselektronik sowie Smartphones und PCs aus. Das Problem ist, dass der Großteil benötigter Chips in Asien produziert wird.

Die EU-Kommission hat diese existenzielle Problematik erkannt und steuert mit dem 43 Milliarden Euro schwerenEuropean Chips Act gegen, um den bisher mageren EU-Anteil von zehn Prozent der weltweiten Chipproduktion aufzustocken.

Denn nicht nur die Energiewende steht und fällt mit der asiatisch dominierten Lieferkette, auch der Ausbau eigener Produktionskapazitäten ist auf elektronische Komponenten angewiesen.

Industrie 4.0 – Große Datenmengen benötigen eine flexible und belastbare IT-Infrastruktur sowie ein herstellerunabhängiges Netzwerkmanagement

Die benötigten Produktionskapazitäten, gerade in der Hochtechnologie, sind jedoch unmöglich von heute auf morgen aus dem Boden gestampft. Über viele Jahre wurde ein Großteil der heimischen Produktion nach Asien ausgelagert, da die dortigen Produktionsbedingungen günstiger waren. Nun fehlen Deutschland sowohl die industriellen Anlagen, als auch das Knowhow, um rasche Ergebnisse vorweisen zu können.
Erste Schritte sind bereits getan: Intel hat im März eine riesige Investition in den Industriestandort Deutschland angekündigt und will 17 Milliarden Euro in den Bau zweier neuer Chipfabriken in Magdeburg investieren.
Doch der Auf- und Ausbau moderner High-Tech-Produktionsstätten ist technologisch anspruchsvoll und auf eine belastbare Breitband-IT-Infrastruktur angewiesen. Die Industrie 4.0 erzeugt riesige Datenmengen: Angefangen bei der Kommunikation von Produktionsdaten über die Datenverarbeitung und -analyse bis hin zur Predictive Maintenance ist die gesamte Produktion auf ein stabiles Netzwerkmanagement angewiesen.

Herstellerunabhängiges Netzwerkmanagement – Prophylaxe gegen neue Abhängigkeiten

Die dafür benötigten Netzwerkkomponenten wie Router, Switches und Server sind wiederum selbst auf elektronische Vorprodukte angewiesen.

Damit das zentrale Nervensystem der Informationstechnologie reibungslos funktionieren kann, ist ein Zusammenspiel aller Bestandteile essenziell. Häufig sind die Netzwerkgeräte der verschiedenen Anbieter, wie Cisco oder Huawei aber nur schlecht oder gar nicht mit den Netzwerkmanagement-Lösungen ihrer Konkurrenz kompatibel.

Um sich nicht in die Abhängigkeit eines exklusiven Anbieter-Ökosystems zu begeben, ist Herstellerunabhängigkeit unverzichtbar.

Die Probleme, die durch fehlende Kompatibilität entstehen können, dürften jedem Smartphone-Nutzer bekannt sein, der schon mal sein Ladekabel oder Power Bank nicht greifbar hatte. Was bei privat genutzter Elektronik ärgerlich ist, kann in der industriellen Produktion existenzbedrohend werden.

Die Industrie 4.0 ist auf den reibungslosen und schnellen Austausch von Daten angewiesen. Längerfristige Störungen der Informationssysteme können den Betrieb von Produktionsanlagen empfindlich beeinträchtigen, oder zum Erliegen bringen. Wenn die Fertigungsstraße keine Informationen an die vorgelagerte Logistik übermitteln kann, stockt der gesamte Produktionsprozess. Wenn Fertigungsroboter keine Rückmeldung über ihren Verschleiß vermelden können, ist eine vorausschauende Wartung unmöglich und eine irreparable Beschädigung der teuren Maschinen nicht auszuschließen.

Das Zusammenspiel aller Teilbereiche in der industriellen Produktion – ERP, Logistik, Verarbeitung etc. – ist ein filigranes Konstrukt und vielen Störfaktoren ausgesetzt. Besonders empfindlich reagiert sie, wenn die Lieferkette stockt oder zusammenbricht. Diese schmerzhafte Lehre haben wir in jüngster Vergangenheit mehrfach vor Augen geführt bekommen. Zunächst hat die Pandemie, mitsamt der dadurch bedingten Lockdowns, die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Vor allem die Lieferengpässe bei elektronischen Bauteilen hat extreme Wartezeiten sowie horrende Preise auf dem Weltmarkt verursacht.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Nun droht ein russischer Gasentzug die deutsche Wirtschaft in eine Schieflage zu bringen, da es über viele Jahre versäumt wurde, einen Plan B für Krisenfälle zu formulieren.

Jetzt gilt es, die neuen Produktionskapazitäten maximal resilient gegen alle denkbaren Irritationen oder politische Druckmittel aufzustellen. Die Anforderungen an das Netzwerkmanagement sind riesig, denn IoT-Daten sind für die moderne Produktion von unschätzbarem Wert.
Umso wichtiger ist es, den Grundstein der geplanten innereuropäischen Produktionserweiterung auf ein solides und flexibles IT-Fundament zu stellen und sich gegen absehbare Abhängigkeiten proaktiv abzusichern.

* Florian Schönknecht ist stellvertretender Geschäftsführer der Eramon GmbH.

(ID:48661423)