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Cebit 2017 Die Cebit an einem Tag – ein Erfahrungsbericht

| Autor: Robert Horn

1 Tag Zeit, 14 Messehallen, 13.664 gelaufene Schritte: Wir haben uns auf die Suche nach den Höhepunkten der diesjährigen IT-Fachmesse begeben. Das ist das Ergebnis.

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(Bild: Markus Dalke)

Die Cebit. IT-Fachmesse Hannover, die wohl wichtigste der Welt. In nur einem Tag, das ist die Vorgabe. Morgens hin, abends zurück. Mehr Zeit bleibt nicht, um dieses Ungetüm an Innovationen, Veranstaltungen und technischen Entwicklungen zu erfassen. Für mich als Fachredakteur heißt das: Komprimieren. Alles mitnehmen, was geht. Nicht in Pressekonferenzen hängenbleiben, die es jeden Tag zu Dutzenden gibt. Lieber raus auf den Hallenboden, die Messe erlaufen und hautnah erleben. Sich führen lassen. Die knappe Zeit (und wenige Termine bei guten Bekannten) ist mein einziges Limit.

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Der Start: Bombastisch inszeniert

Ich wappne mich, trinke noch einen dampfenden Becher Kaffee, denn es geht sehr früh los. Der Zug gen Hannover fährt morgens um 7 Uhr. Die zweistündige Fahrt nutze ich zum Energiesammeln und Vorbereiten. Welche Halle bietet was, wo muss ich unbedingt hin, was interessiert mich beruflich, was vielleicht sogar privat? Schnell wird klar: Alles abzugrasen und aufzunehmen wird so gut wie unmöglich. Ich schnaufe noch einmal durch, als der Zug am Messegelände hält, und steige aus.

Ich beginne meine Ausflug in der Halle 2. Und hier gibt es gleich ein persönliches Highlight: Hier sitzt IBM. Der Stand des des Computerriesen ist gigantisch. Hier dreht sich alles um Stichworte wie Cyber Security (mit Watson) New Business Models (Watson hilft auch hier), Big Data Analyse (... Watson) oder Cognitive Infrastructure (was immer das sein mag). Sogar einige VR-Brillen und der knuffige Roboter Pepper sind zu sehen.

Pepper am Stand von IBM
Pepper am Stand von IBM
(Bild: Robert Horn)

IBM hat also eine ganze Palette von Watson-Anwendungen im Gepäck. Die künstliche Intelligenz wird dabei zum Beispiel im Securitybereich eingesetzt und protokolliert etwa die gesamten Datenbewegungen innerhalb eines Netzwerkes. Tritt dabei ein unvorhergesehenes Ereignis auf, zum Beispiel eine größere Datenbewegung mitten in der Nacht, wird dies protokolliert und eine entsprechende Meldung an zuständige Personen weitergeleitet. Watson lernt dabei, die Datenbewegungen eines Unternehmens kennen und kann so interpretieren, was normal ist, und wo etwas Ungewöhnliches passiert.

Watson im Einsatz über den Wolken

Und dann entdecke ich ein weiteres, beeindruckendes Beispiel für die Einsatzmöglichkeiten von Watson: Mitten auf dem Messestand ist ein eingezäunter Drohnen-Parcours aufgebaut (aus Lego, ein beliebtes Material bei Messe-Demonstrationen). Zu sehen sind verschiedene Szenarien auf einer Straße, etwa ein Autounfall mit Blechschaden, ein Krankenwageneinsatz oder, ganz simpel, Stau. Darüber schwebt eine handelsübliche Videodrohne.

Sie ist mit einer hochauflösenden Kamera ausgestattet und kann die aufgebauten Situationen im Bild festhalten. Das Material wird in Echtzeit an Watson geschickt. Der Clou: Watson hat gelernt, wie ein Autounfall aussieht, was einen Blech- von einem Personenschaden unterscheidet, oder was ein Stau ist. So kann er entsprechende Maßnahmen veranlassen. Denkbar wäre auch, dass Watson in einem Hafen Schiffe zählt oder in einem Hochregallager die Inventur durchführt. Drohnen werden in der Industrie immer stärker angenommen, zusammen mit Watson bilden jetzt ein schlagkräftiges Team.

Huawei simuliert mal eben eine ganze Stadt

Der Stand von IBM fasziniert mich. Hier würde ich gerne mehr Zeit verbringen, aber Halle 2 hat noch viel mehr zu bieten, etwa, direkt gegenüber, den Stand von Intel. Oder, auch vertreten, Huawei. Bei Intel dominieren ähnliche Themen wie bei IBM, also Predictive Analysis, Cloud Computing oder auch autonomes Fahren, plakativ in Szene gesetzt mit einem bildschönen BMW i8 (es wird nicht der letzte bleiben).

Spannender finde ich es bei Huawei. Der chinesische Konzern stellt die smarte City in den Mittelpunkt seines Messeauftritts. Zu sehen ist die das komplette virtuelle Abbild einer Stadt, inklusive Echtzeit-Verkehrserfassung, im Einsatz befindlicher Polizei- oder Feuerwehr- oder Ambulanzkräfte. dazu gibt's Echtzeit-Überwachungsbilder aus nahezu jedem Winkel der Stadt, von wichtigen Verkehrsknotenpunkten oder stark frequentierten Kreuzungen.

Die smarte City nach den Vorstellungen von Huawei.
Die smarte City nach den Vorstellungen von Huawei.
(Bild: Robert Horn)

Daneben: Ein Monitor mit einem Performance-Index, der unter anderem das Bruttoinlandsprodukt der Stadt in Echtzeit widerspiegeln soll. Das ironische bei all der smarten Überwachung: Auch wir werden gefilmt. Am Messestand selbst hängen ein gutes Dutzend Kameras die jede Bewegung der Messebesucher einfangen. Die meisten sehen nach Schmuckwerk aus. So richtig ist das aber nicht klar – ein bisschen gruselig ist das schon.

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