Rückblick IoT-Kongress

Die Aufholjagd im Internet der Dinge hat begonnen

Seite: 2/3

Firmen zum Thema

Professor Bürkle, Hochschule Aalen: Das IoT ist „multidisziplinär, interdisziplinär und transdisziplonär“
Professor Bürkle, Hochschule Aalen: Das IoT ist „multidisziplinär, interdisziplinär und transdisziplonär“
(Bild: Jasmin Meidinger/ELEKTRONIKPRAXIS)

Professor Heinz-Peter Bürkle, Prorektor der Hochschule Aalen und Initiator des ersten Studiengangs „Internet der Dinge“ in Deutschland, trat als erster an, die düstere Lagebeschreibung seines Vorredners etwas aufzuhellen. Der Dozent von der schwäbischen Ostalb betonte, das Internet der Dinge sei „multidisziplinär, interdisziplinär und transdisziplinär“, weswegen ein zeitgemäßes Studienangebot Aspekte aus klassischen Fächern wie Elektrotechnik, Elektronik und Informatik vereinigen müsse.

Für einen Ingenieur der Elektro- und Informationstechnik werde sich die Arbeitswelt deutlich verändern, sagte Bürkle. Zum Wissen um Software, digitale Entwicklungswerkzeuge, eingebettete Systeme sowie die Vernetzung auf Protokollebene kämen nun auch Kenntnisse zu Big Data, Datenanalysen und Machine Learning sowie Datensicherheit hinzu. Außerdem sei es unverzichtbar, „stärker als bisher von der Anwendung und vom Nutzer“ her zu denken.

Zu den Kenntnissen über Halbleiter, Software und Vernetzung müsse daher unbedingt auch das Wissen um nutzerzentriertes Design hinzukommen. „Es gibt ein Internet der Dinge, das wir vielleicht wirklich so nicht brauchen“, sagte Bürkle. Nicht alles, was vernetzt werden könne, müsse auch vernetzt werden. So zweifelte er etwa am Sinn einer intelligenten Bratpfanne oder eines intelligenten Bierkruges. Stattdessen müsse stets die Leitfrage im Vordergrund stehen: „Wie bekommt man echten Mehrwert?“

Aber das genügt aus Sicht des Aalener Professors noch nicht. Die Studierenden müssen zudem in der Lage sein, Geschäftsmodelle zu entwickeln. Zudem fehle vielerorts noch eine Gründerkultur, die die Absolventen befähige, selbst Unternehmer zu werden. Das Curriculum des Aalener IoT-Studiengangs vereine deshalb die Grundlagen der klassischen Disziplinen Informatik und Elektrotechnik mit Design-Skills sowie Kenntnissen zum Thema Digitale Wirtschaft. Der IT-Sicherheit komme ebenfalls eine hohe Bedeutung zu.

Innovation und Emotion im Einklang

Der Schweizer Unternehmer und Innovator Marco Schmid eroberte mit seinem emotionalen Vortrag das Publikum im Sturm.
Der Schweizer Unternehmer und Innovator Marco Schmid eroberte mit seinem emotionalen Vortrag das Publikum im Sturm.
(Bild: Jasmin Meidinger/ELEKTRONIKPRAXIS)

Wie Innovation aussehen kann und wie schnell sie vor allem mitunter umgesetzt werden kann, zeigte anschließend der Schweizer Ingenieur und Unternehmer Marco Schmid. Er stellte ein Projekt vor, das das „Ding“ im Internet der Dinge ganz konkret werden ließ, nämlich die Vernetzungslösung für den diesjährigen Shell Eco Marathon in London.

Bei diesem Autorennen der anderen Art kämpfen studentische Teams aus der ganzen Welt darum, möglichst effiziente Fahrzeuge zu bauen. Bei dem diesjährigen Eco Marathon sollte der aktuelle Stand des Wettbewerbs zu jeder Zeit für die Zuschauer auf einem Scoreboard oder über das Smartphone nachvollziehbar sein. Das Team von Marco Schmid konstruierte daraufhin einen Transponder, der in die Fahrzeuge eingebaut werden konnte und stets die aktuellen Motor- und Verbrauchsdaten an die Rennleitung übermittelte.

Schmid erläuterte sehr anschaulich, welche Herausforderungen das Schweizer Ingenieurteam bei dem Projekt zu bestehen hatte, so zum Beispiel den hohen Zeitdruck. Darüber hinaus gelang es ihm, die Emotionalität des Wettbewerbs an die Kongressteilnehmer zu vermitteln.

Mit dem Thema Security beschäftigten sich die beiden Referenten Peter Siwon von MicroConsult und Michael Schnelle von Mixed Mode. In ihrem interaktiven Vortrag, der auch das Publikum einbezog, demonstrierten sie die Technik der Risikoanalyse, die dabei hilft, Bedrohungen aus dem Netz zu priorisieren und zu bewerten.

Anhand einer Bedrohungsmatrix analysierten die beiden typische Risiken und Gegenmaßnahmen. Siwon und Schnelle, die bei ihrem Referat in verteilten Rollen als „bad guy“ und „good guy“ auftraten, unterstrichen somit die Notwendigkeit für Entwickler und Entscheider, sich die möglichen Bedrohungsvektoren bewusst zu machen.

(ID:44285383)