Rückblick IoT-Kongress Die Aufholjagd im Internet der Dinge hat begonnen

Redakteur: Franz Graser

Ist Europa gegenüber den Großmächten USA und China schon abgeschlagen, wenn es um das Internet der Dinge geht? Die Ausgangslage ist nicht rosig. Aber der diesjährige IoT-Kongress der ELEKTRONIKPRAXIS zeigte eine Fülle von zukunftsfähigen Ansätzen und Lösungen auf.

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In seiner Keynote übte Horst Westerfeld, Staatssekretär a. D. und früherer CIO des Bundeslandes Hessen, Kritik an den IT-Initiativen des Bundes und der mitunter zu zögerlichen Haltung der Industrie gegenüber Zukunftstechniken wie Cloud Computing und Big Data.
In seiner Keynote übte Horst Westerfeld, Staatssekretär a. D. und früherer CIO des Bundeslandes Hessen, Kritik an den IT-Initiativen des Bundes und der mitunter zu zögerlichen Haltung der Industrie gegenüber Zukunftstechniken wie Cloud Computing und Big Data.
(Bild: Jasmin Meidinger/ELEKTRONIKPRAXIS)

Steht sich das Ingenieurland Deutschland auf dem Weg in die Zukunft selbst im Weg? Horst Westerfeld, Staatssekretär außer Dienst und früherer CIO des Bundeslandes Hessen, hielt der deutschen Politik bei seiner Keynote-Ansprache zum diesjährigen IoT-Kongress den Spiegel vor.

Und das Bild, das dabei ans Tageslicht kam, konnte nicht jedem der Kongressteilnehmer gefallen: „Die deutschen Behörden verpassen die Digitalisierung“, zitierte Westerfeld ein Testat des nationalen Normenkontrollrats. Dänemark und Österreich seien der Bundesrepublik demnach zehn Jahre voraus. Laut der EU-Kommission liegt Deutschland im Hinblick auf die Digitalisierung der Verwaltung auf Rang 19, hinter Italien und knapp vor Zypern.

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Darüber hinaus seien alle Initiativen seit dem ersten IT-Gipfel der Bundeskanzlerin, der im Jahr 2006 stattfand, entweder gescheitert oder weiterhin Ankündigungen, sagte Westerfeld. Für neue Sozialleistungen würden Milliarden aufgewendet, dagegen gebe es praktisch kaum Mittel für IT-Innovationen und -Infrastrukturen, „und das bei noch sprudelnden Steuereinnahmen“, bemerkte der Staatssekretär a. D.

Beim Ringen um die Vorherrschaft bei den Standards für das Internet der Dinge sitzt Deutschland nach Westerfelds Meinung ebenfalls am Katzentisch: Im vor zwei Jahren gegründeten Industrial Internet Consortium (IIC) gäben US-Unternehmen wie General Electric, Cisco, Intel, IBM und AT&T den Ton an, auch wenn mittlerweile auch europäische Konzerne wie Bosch, Schneider, ABB oder Siemens beigetreten seien. Die sogenannte Industrie 4.0, mit der Deutschland auch international punkten will, ist aus Sicht des Staatssekretärs a. D. dagegen im Wesentlichen als Fortsetzung der Automatisierungstechnik der 1990-er Jahre mit der IT der 2010-er zu sehen.

Westerfeld schrieb der deutschen Politik sowie der Industrie noch weitere Unannehmlichkeiten ins Stammbuch. So fürchte die Industrie weiterhin steigende Strompreise aufgrund der sogenannten Energiewende, sich verschlechternde Infrastrukturen sowie eine Zunahme der Vorschriften und Verordnungen, die Investitionen im Land behindern.

Die deutschen Unternehmen hielten sich dagegen beim Cloud Computing und Big Data zurück – zwei wesentlichen Voraussetzungen für die Digitalisierung. „Wenn der Staat etwas auf Zukunftssicherung gibt, muss er bei der Digitalisierung Vorbild werden“, schloss der frühere hessische CIO seinen Vortrag.

Mit diesem Vortrag rief Westerfeld auch Widerspruch hervor. Ein Diskutant warf ein, dass Deutschland bei der Embedded-IT international eine führende Stellung einnehme, und kritisierte eine aus seiner Sicht zu einseitige Sichtweise des Vortrags.

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