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Distributed Ledger Technologie Deutschlands Unternehmen sind Blockchain-Muffel

| Redakteur: Jürgen Schreier

Lediglich fünf Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen Blockchain und nur zwölf Prozent planen oder diskutieren die Nutzung der Blockkette. Experten des Beratungshauses Tata Consultancy Services sehen darin verschenktes Potenzial.

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Am häufigsten nutzen Banken und Versicherungen die Blockchain-Technologie. Im Maschinen- und Anlagenbau, aber auch in der Chemieindustrie ist der Zuspruch gering.
Am häufigsten nutzen Banken und Versicherungen die Blockchain-Technologie. Im Maschinen- und Anlagenbau, aber auch in der Chemieindustrie ist der Zuspruch gering.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Die Blockchain ist trotz der enormen Aufmerksamkeit, die insbesondere die auf der Blockkette basierende Kryptowährung Bitcoin erregt, noch immer ein Exot unter den digitalen Technologien: Lediglich fünf Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen Blockchain – genauso viele wie im Vorjahr. Vorreiter sind Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern, von denen bereits zwölf Prozent Blockchain einsetzen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Bitkom Research unter 953 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern in Deutschland im Auftrag von Tata Consultancy Services (TCS).

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Industrie hält sich auffallend zurück

Große Unterschiede gibt es auch beim Einsatz in verschiedenen Branchen. Am häufigsten nutzen Banken und Versicherungen die Technologie (zwölf Prozent). Bei Informations- und Kommunikationsunternehmen liegt der Anteil bei sechs Prozent, bei Maschinen- und Anlagenbauern sowie Unternehmen aus der Automobilindustrie bei fünf Prozent, im Handel bei drei Prozent. Nur vier Prozent der Chemie- und Pharma-Unternehmen nutzen bereits die Blockketten-Technik.

Auch die künftige Nutzung wird nur langsam zunehmen: Bei lediglich vier Prozent der Unternehmen ist der Einsatz von Blockchain konkret geplant, weitere 8 Prozent diskutieren die Nutzung. Für die große Mehrheit der Unternehmen (77 Prozent) ist Blockchain derzeit kein Thema.

Einsatzmöglichkeiten bei Tracking & Tracing

Dabei bietet die Blockchain abseits von Bitcoin und Co. bereits diverse Einsatzmöglichkeiten. So lässt sie sich beispielsweise im Life Sciences Bereich dazu verwenden, Kühlketten zu überwachen oder den Weg von Medikamenten vom Hersteller bis zum Patienten lückenlos zu dokumentieren sowie den Datenschutz zu verbessern. Auch im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Automobilindustrie besteht die Möglichkeit zur Überwachung der gesamten Wertschöpfungskette.

Jetzt online: Aufzeichnung der IoT- Webkonferenz „Blockchain“

Blockchain ist mehr als Bitcoin. Mittlerweile hält die Blockketten-Technologie Einzug in die verschiedensten Branchen. Welche Potenziale die Blockchain für den industriellen Einsatz hat, erfahren Sie in der Aufzeichnung unserer Webkonferenz „Blockchain“ vom 28. Januar 2020.

Speaker und Themen waren:

Sascha Hellermann, Vorstandsmitglied der COCUS AG
Vortrag zum Thema: "Blockchain Use Cases für Identity of Things"

Moritz Stumpf, der Blockchain Solutions GmbH
Vortrag zum Thema: "Blockchain - Gehypte Blase oder digitale Revolution?"

Thomas Uhde, Director Blockchain Exploration bei SAP
Vortrag zum Thema: "Kollaborative Ende-zu-Ende Prozesse mit Blockchain"

Aufzeichnung ansehen

Zur geringen Blockchain-Nutzung passt, dass erst sechs Prozent der Unternehmen Stellen für Blockchain-Experten geschaffen haben. Ebenso viele planen es. Zum Vergleich: 28 Prozent der Firmen haben Spezialisten für IT-Sicherheit eingestellt, 24 Prozent für Cloud Computing. Auch Virtual-Reality-Designer sind häufiger in Unternehmen zu finden – 14 Prozent der befragten Unternehmen haben entsprechende Stellen geschaffen.

Datenschutz und Blockchain-Technologie

Der Digitalverband Bitkom warnt angesichts von zahlreichen offenen Fragen zum Datenschutz vor Verzögerungen beim Einsatz der Blockchain-Technologie in Deutschland. „Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, ganze Branchen grundlegend zu verändern. Und Deutschland hat die Chance, eine führende Rolle in der Blockchain-Anwendung und –Entwicklung einzunehmen“, so Patrick Hansen, Bereichsleiter Blockchain beim Bitkom. „Die Bundesregierung hat diese Chance erkannt und eine Blockchain-Strategie beschlossen, um der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. Damit das gelingt, müssen wir aber schnellstmöglich die bestehenden rechtlichen Unsicherheiten ausräumen.“

Nach einer Bitkom-Umfrage sagen sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent), die Blockchain habe große Bedeutung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Zugleich geben aber auch zwei Drittel (66 Prozent) der Unternehmen an, dass Datenschutzanforderungen eine Herausforderung beim Blockchain-Einsatz hierzulande sind.

Bei der Blockchain-Technologie werden Daten nicht zentral auf einem Server gespeichert, sondern dezentral, verteilt in einem Netzwerk von Rechnern. Technisch wird sichergestellt, dass einmal auf einer Blockchain hinterlegte Daten nicht mehr geändert werden können. Damit ist keine zentrale Instanz notwendig, der alle Marktteilnehmer vertrauen. Je offener und zugangsfreier das gewählte Blockchain-System ist, umso größer sind die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Datenschutzanforderungen.

Beim Einsatz der Blockchain ist aufgrund der europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) unter anderem offen, ob die für die Technologie dringend notwendigen Hash-Werte und Public Keys als Daten mit Personenbezug gelten müssen und die Verarbeitung entsprechend datenschutzrechtlichen Anforderungen unterliegt. Auch ist offen, ob die für den Betrieb einer Blockchain notwendigen sogenannten Miner und Nodes datenschutzrechtlich als gemeinsam Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter gelten. Rechtssicherheit wird aber entscheidend dafür sein, ob Anbieter Blockchaintechnologie und Anwendungen entwickeln und nutzen.

Auch andere datenschutzrechtliche Vorschriften sind mit der Blockchain-Technologie kaum in Einklang zu bringen – was die fehlende Innovationsoffenheit der Datenschutzvorgaben verdeutlicht . So steht der Grundsatz, die Datenspeicherung zu begrenzen im Widerspruch des Blockchain-Gedankens, alle Transaktionen ewig nachvollziehen zu können. Auch das in der DSGVO verankerte Recht von Betroffenen, ihre gespeicherten Daten korrigieren oder löschen zu lassen, kollidiert mit der Revisionssicherheit der Blockchain, die nachträgliche Veränderungen grundsätzlich ausschließt.

Der Bitkom-Verband hat ein Übersichtspapier zum Thema „Blockchain & Datenschutz“ veröffentlicht, das zum Download bereitsteht.

Download Übersichtsspapier

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