Suchen

Digitalisierungsspiegel

Deutschlands Mittelstand: digitale Pioniere oder analoge Bewahrer?

Seite: 3/3

Firmen zum Thema

Unterschiedliche Reifegrade und Veränderungsgeschwindigkeiten – innerhalb eines einzigen Unternehmens

Bislang ticken die Uhren in den traditionellen B2B-Branchen, die stark durch den Mittelstand geprägt sind, oft langsamer als in der digitalen Wirtschaft. Entwicklungszyklen umfassen oft mehrere Jahre, grundsätzliche Strategieentscheidungen zu Veränderungen des Geschäftsmodells fallen nur selten. In vielen Branchen, aber auch in der Gesellschaft, nimmt die Veränderungsgeschwindigkeit jedoch rapide zu. Die Digitalisierung gilt zu Recht als vierte industrielle Revolution. Sie verändert viele Unternehmen und Branchen grundlegend. In der Vergangenheit waren Nutzen und Einsatz von IT-Technologien nur auf die Verbesserung und Beschleunigung von Geschäftsprozessen reduziert.

Industrie 4.0 und aktuelle Technologien wie Cloud-Services, das Internet der Dinge, Big Data oder mobiles Internet schaffen heute die Grundlage dafür, dass konventionelle Geschäftsmodelle über Nacht auf den Kopf gestellt werden können. Das gilt für die digitale Wirtschaft wie Software-Unternehmen, Musik- und Filmindustrie, Fernsehen oder Online-Handel, aber auch für bislang konventionelle Branchen wie Hotellerie, Automobilindustrie oder das Taxiwesen. Die Digitalisierung hat in kürzester Zeit schon viele Branchen transformiert – andere Sektoren könnten daraus wertvolle Erkenntnisse für konkrete Unternehmenssituationen ableiten.

In der Realität erleben Berater von TÜV Rheinland häufig sehr unterschiedliche digitale Reifegrade und Veränderungsgeschwindigkeiten, sowohl von Unternehmen zu Unternehmen als auch in den verschiedenen Unternehmensbereichen. „Der Einsatz von Smartphones und Tablets für Mitarbeiter sagt noch nichts über den digitalen Reifegrad eines Unternehmens aus“, sagt Prof. Höhmann. „Trotz moderner Ausstattung arbeiten viele Unternehmen in der Praxis faktisch analog.“

Prozesse haben erfahrungsgemäß oft noch viele Medienbrüche. Digitale Datenkreisläufe, die wertvolle Informationen über Zielgruppen, Kundenwünsche und mögliche neue Geschäftschancen umfassen, werden unterbrochen. Sie lassen sich häufig weder effektiv beschleunigen noch nachhaltig auswerten. Das bedeutet: Viele Potenziale bleiben ungenutzt. Deutlich wird das zum Beispiel dort, wo Daten manuell von einem System in ein anderes übertragen werden müssen. Lassen sich Unternehmen auf den digitalen Wandel ein und entwickeln sie neue Produkte und Dienstleistungen, weichen übergreifende Prozesse die vorhandenen Grenzen zwischen Unternehmensbereichen in der Regel auf. Herrschen im Unternehmen jedoch unterschiedliche digitale Reifegrade und Veränderungsgeschwindigkeiten, kann das erfolgreiche digitale Transformation eines Unternehmens blockieren. Dazu kommen die organisatorischen Veränderungen durch eine neue Verteilung von Verantwortungen – ein Change-Prozess, der erfahrungsgemäß stets ressourcenintensiv ist.

Berater sollten die Branche kennen und die Komplexität der Prozesse verstehen

Die Standortbestimmung allein reicht natürlich nicht. Wer sich auf den Weg durch die digitale Transformation macht, muss eine solide Strategie entwickeln, die sich an Geschäftszielen und Investitionsvolumen orientiert und dennoch in einem wettbewerbsorientierten Zeithorizont umzusetzen ist. Weil es an Erfahrung oder an der technischen Expertise fehlt, scheuen sich viele mittelständische Unternehmen, Digitalisierungsprojekte oder gar eine gesamte Strategie konsequent in Angriff zu nehmen. Gleichzeitig spüren sie den steigenden Handlungsdruck und die Sorge, von der Konkurrenz überholt oder gar abgehängt zu werden.

Ein Weg, solche Defizite auszugleichen, ist, externe Ressourcen hinzuziehen. Der Vorteil: Speziell geschulte Digitalisierungsteams haben einen objektiven Blick auf die Organisation. Diese profitiert wiederum von der Projektkompetenz und den branchenübergreifenden Erfahrungsschatz der externen Berater und baut zugleich interne Kompetenz auf. Weil die Anforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung so vielfältig sind, kommt es darauf an, die richtige Unterstützung zu finden. Die Experten sollten die Branche kennen, die Komplexität verstehen und auch bei der Arbeit an Spezialthemen und (Teil-)Prozessen das große Ganze für den Kunden im Blick behalten. „Entscheidend für die Unternehmen ist, dass sich Investitionen schnell auszahlen“, erklärt Prof. Höhmann. Digitalisierung sei kein Selbstzweck, sondern müsse immer im Zeichen einer nachhaltigen Wertschöpfung stehen.

Wichtige Erkenntnisse liefert die Studie übrigens auch Gestaltern auf politischer, regionaler und nationaler Ebene. Denn sie müssen darüber nachdenken, unter welchen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Standort Deutschland im globalen Wettbewerb mittel- bis langfristig gesichert werden kann und wie Arbeitsplätze erhalten und neue geschaffen werden können.

Dieser Beitrag stammt von unserem Partnerportal elektrotechnik.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45071391)