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Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "SPS 2019" erschienen.

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Interview mit Bernhard Zwickler, EU Automation GmbH Deutschland und die Fertigungsanlagen der Zukunft

| Redakteur: Sebastian Human

Deutschland verfügt heutzutage über mehr Roboter als die Vereinigten Staaten und der Sektor Robotik und Automatisierung soll laut IFR-Prognose weiterwachsen. Wir haben mit Bernhard Zwickler von EU Automation über die Fertigungsanlagen der Zukunft gesprochen.

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Die Beobachtung der Nachfrage nach Automatisierungsbauteilen kann dazu beitragen, Markttrends zu prognostizieren.
Die Beobachtung der Nachfrage nach Automatisierungsbauteilen kann dazu beitragen, Markttrends zu prognostizieren.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Angaben der International Federation of Robotics (IFR) zufolge, ist Deutschland mit 309 Industrierobotern pro 10.000 Mitarbeitern das am meisten automatisierte Land Europas und liegt weltweit an dritter Stelle hinter Südkorea und Singapur. Wir sprachen mit Bernhard Zwickler, Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft von EU Automation um herauszufinden, was diese Fakten über die zukünftigen Trends auf dem Robotik- und Automatisierungsmarkt in Deutschland aussagen.

Herr Zwickler, in diesem Jahr feiert EU Automation sein zehnjähriges Bestehen. Seit zehn Jahren hat das Unternehmen den deutschen Robotik- und Automatisierungsmarkt, den größten und dynamischsten in Europa, beobachtet, um Trends zu erkennen und Prognosen zu erstellen. Was können Sie uns über die Nachfrage nach Automatisierungsbauteilen sagen?

Im Zuge der technologischen Weiterentwicklung auf dem Automatisierungssektor, werden auch die Teile immer früher obsolet. Unser letztes Buch mit dem Titel 4.0 Sight untersucht dieses Thema ausführlicher.

Vor nur wenigen Jahren gab es eine große Nachfrage nach dem S5-Inverter von Siemens, doch mittlerweile werden die später auf den Markt gebrachte S7-Reihe sowie Produkte noch jüngeren Datums stärker nachgefragt. In Deutschland lag unser Schwerpunkt immer auf Servomotoren, speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS), Mensch-Maschine-Schnittstellen, Displays und Invertern. Dies trifft auch nach wie vor zu, aber technologische Fortschritte machen es erforderlich, immer auf dem aktuellen Stand der neuesten Entwicklungen zu bleiben. Insbesondere einen Begriff möchte ich hervorheben: Robotik.

Deutschland ist europaweit führend auf dem Gebiet der Robotik, einem Bereich, der für eine rasche Obsoleszenz besonders anfällig ist. Wird dadurch Ihrer Meinung nach in unserem Land der Bedarf an obsoleten Ersatzteilen stärker geschürt als in anderen Bereichen?

Da stimme ich Ihnen auf jeden Fall zu. Es war faszinierend, die Entwicklung auf dem Gebiet der Robotik im Verlauf der letzten zehn Jahre zu beobachten. Ich würde es fast mit den Anfängen der ersten industriellen Revolution vergleichen. Auch damals wurden in nur wenigen Jahrzehnten Maschinen für alle möglichen Industriebereiche erfunden.

Deutschland ist traditionell führend bei dieser Entwicklung und wird dies wahrscheinlich auch in Zukunft bleiben; man sollte jedoch Südostasien nicht unterschätzen. Um auf Ihre Frage zurückzukommen: Wo immer es rasante Entwicklungen und Veränderungen gibt, gibt es auch einen höheren Bedarf an obsoleten Teilen. Ich denke, wir werden in den kommenden Jahren einen deutlichen Trend zu weiteren Fortschritten auf dem Gebiet der Robotik verzeichnen, da kollaborative Roboter, die für eine kürzere Lebensdauer konzipiert sind, obsolet und neue Technologien, wie beispielsweise mobile Roboter und fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF), allgegenwärtig sein werden.

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der deutsche Markt für obsolete Teile in Zukunft entwickeln? Für welche Teile wird ein höherer Bedarf bestehen?

Normalerweise bin ich kein Freund weniger Worte, aber auf Ihre Frage reicht ein einziges als Antwort: Kurzfristig. Es wird zwar weiterhin einen Bedarf an gewöhnlichen und bekannten obsoleten Teile geben, aber die neuesten Technologien, darunter netzwerkfähige Teile oder Teile für Roboter, werden in Kürze stärker nachgefragt werden.

Unsere Einkaufsabteilung verfolgt diese Trends sehr genau, um sicherzustellen, dass wir auch weiterhin in der Lage sind, die Nachfrage am Markt sowie den Bedarf bestimmter Kunden decken zu können.

Rechnen Sie mit potenziellen Engpässen im Hinblick auf die Beschaffung und Lagerung solcher Teile?

Bernhard Zwickler ist Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft von EU Automation.
Bernhard Zwickler ist Geschäftsführer der deutschen Tochtergesellschaft von EU Automation.
(Bild: EU Automation)

Es war immer eine Herausforderung, die richtigen Teile zu beschaffen, und gelegentlich kam es vor, dass ein falsches Teil seinen Weg zu uns fand, das dann jahrelang ungenutzt in unseren Lagerhallen lag; doch unsere kontinuierlichen Recherchen ermöglichen uns, uns auf rasant schnell nachgefragte Teile zu konzentrieren. Ich kann natürlich nicht im Einzelnen beschreiben, wie wir vorgehen oder wo wir die Teile beschaffen. Der Wettbewerb ist enorm und wir wollen unseren Mitbewerbern weit voraus bleiben.

Als Reaktion auf den Boom der Roboterproduktion gab es beispielsweise eine weltweite Knappheit an Spannungswellengetrieben, die auch als Harmonic Drives bezeichnet werden.

Dieser Engpass war so drastisch, dass er zur Gründung von Unternehmen führte, die alternative Technologien anboten. Ein Beispiel dafür ist das niederländische Unternehmen Innovative Mechatronic Systems BV, das das Archimedes Drive, ein Getriebe ohne Verzahnung mit Getriebetechnologie entwickelte, das bahnbrechende Leistungsverbesserungen im Vergleich zu den derzeitigen Getriebelösungen bietet. Ohne Verzahnung wird das Getriebe nicht so schnell abgenutzt und so wird die Notwendigkeit einer Instandhaltung bzw. Reparatur verringert.

Lassen Sie sich aber nicht zu der Annahme verleiten, der Roboter-Boom sei lediglich das Ergebnis der Einführung von Cobots. Nach Angaben des Forschungsunternehmens Interactive Analysis ist der Cobot-Markt nur rund 600 Millionen Euro wert, gegenüber dem gesamten Industrierobotermarkt, der laut MarketWatch bis zum Jahr 2020 einen Wert von 36 Milliarden Euro haben soll.

Und was wird für die Fertigung von Industrierobotern benötigt, mal abgesehen von Spannungswellengetrieben? Motoren, Getriebe, Antriebe, Mensch-Maschine-Schnittstellen und speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS), nicht zu vergessen Kugellager, Sensoren und Greifer, was uns wieder zu unserem traditionellen Schwerpunkt in Deutschland zurückbringt.

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