Automatisierung Deutschland ist Europas Roboter-Champion

Redakteur: Jürgen Schreier

Die Roboterdichte hat weltweit einen neuen Rekordwert erreicht – so die International Federation of Robotics. Weltweit liegt die Bundesrepublik auf Platz 3. Europaweit ist Deutschland Spitzenreiter.

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Der KR 3 AGILUS ermöglicht durch hohe Flexibilität und Präzision effiziente Automatisierungslösungen für kleinste Bauteile. Laut KUKA ist er der schnellste Roboter seiner Klasse.
Der KR 3 AGILUS ermöglicht durch hohe Flexibilität und Präzision effiziente Automatisierungslösungen für kleinste Bauteile. Laut KUKA ist er der schnellste Roboter seiner Klasse.
(Bild: KUKA)

Handwerk hat kaum noch goldenen Boden: Das gilt zumindest für Deutschland. Denn die Bundesrepublik ist das am stärksten automatisierte Land in Europa. Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland mit 309 Roboter-Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter auf Platz 3. Und ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht: Zwischen 2018 und 2020 wird der jährliche Absatz in Deutschland aufgrund der steigenden Nachfrage nach Robotern in der allgemeinen Industrie und in der Automobilindustrie weiterhin um durchschnittlich mindestens fünf Prozent pro Jahr wachsen. Das prognostiziert die International Federation of Robotics (IFR).

Schweden, Dänemark, Italien und Spanien sind hochautomatisiert

Frankreich hat eine Roboterdichte von 132 Einheiten (Platz 18 der Weltrangliste). Das liegt zwar deutlich über dem globalen Durchschnitt von 74 Robotern – ist aber im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ schwach. EU-Mitglieder wie Schweden (223 Einheiten), Dänemark (211 Einheiten), Italien (185 Einheiten) und Spanien (160 Einheiten) sind mit Industrierobotern im Fertigungsbereich wesentlich stärker automatisiert.

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Die neue Regierung in Frankreich ist jedoch bestrebt, die Wettbewerbsfähigkeit des verarbeitenden Gewerbes zu stärken. Nach Einschätzung der IFR könnte dies dazu führen, dass in den nächsten Jahren neue Roboter in Frankreich installiert werden. Im Jahr 2017 dürfte die Zahl der Roboterinstallationen in Frankreich um rund zehn Prozent gestiegen sein. Zwischen 2018 und 2020 ist mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate zwischen fünf und zehn Prozent zu rechnen.

Als einziges G7-Land hat Großbritannien mit 71 Einheiten eine Roboterdichte unter dem Weltdurchschnitt von 74 Einheiten (Rang 22). Die allgemeine Industrie in UK benötigt dringend Investitionen, um die Produktivität zu modernisieren und zu steigern. Die geringe Roboterdichte ist ein Indiz für diese Tatsache. Trotz der Entscheidung die EU zu verlassen werden derzeit viele Investitionspläne zur Kapazitätserweiterung und Modernisierung ausländischer und lokaler Automobilunternehmen angekündigt. Es ist aktuell noch nicht absehbar, ob Unternehmen aufgrund der unsicheren Lage bei den Zöllen mit Investitionen zurückhaltend sein werden.

Südkorea - weltweit das Roboterland Nr. 1

Die osteuropäischen Länder Slowenien (137 Einheiten, Rang 16 der Welt) und die Slowakei (135 Einheiten, Rang 17 der Welt) weisen eine Roboterdichte auf, die sogar die Schweiz übertrifft (128 Einheiten, Rang 19 der Welt). Die Tschechische Republik liegt mit 101 Einheiten auf Platz 20 der Weltrangliste. Die Roboterlieferungen in Tschechien und der Slowakei hängen vor allem von der Nachfrage der Automobilindustrie ab. Slowenien ist unter den Balkanländern das führende Land: 60 Prozent des gesamten Angebots in dieser Region gingen an die Automobilindustrie in Slowenien (387 Einheiten, 33 Prozent mehr als im Jahr 2015).

Weltweit hat die durchschnittliche Roboterdichte mit 74 Einheiten pro 10.000 Mitarbeiter in der Fertigungsindustrie einen neuen Rekord erreicht (2015: 66 Einheiten). Die mit Abstand höchste Roboterdichte in der Fertigungsindustrie hat Südkorea - eine Position, die das Land seit 2010 hält. Die Roboterdichte übertrifft den globalen Durchschnitt um gut das Achtfache (631 Einheiten). Diese Rate ist das Ergebnis der fortgesetzten hohen Anzahl von Roboterinstallationen - insbesondere in der Elektro-/Elektronikindustrie und in der Automobilindustrie. An zweiter Stelle folgt Singapur mit einer Quote von 488 Robotern pro 10.000 Mitarbeiter im Jahr 2016, dann Deutschland.

Die Entwicklung der Roboterdichte in China war die dynamischste weltweit. Insbesondere zwischen 2013 und 2016 verzeichnete das Reich der Mitte ein starkes Wachstum bei den Installationen: Die Roboterdichte stieg von 25 Einheiten im Jahr 2013 auf 68 Einheiten im Jahr 2016. Heute liegt China weltweit auf Platz 23. Die chinesische Regierung will diese Entwicklung weiter forcieren und bis 2020 in die Top 10 der am stärksten automatisierten Nationen der Welt aufsteigen. Bis dahin soll die Roboterdichte auf 150 Einheiten steigen.

Die "rote Laterne" gebührt Russland und Indien

In den USA stieg die Roboterdichte im Jahr 2016 sehr dynamisch auf 189 Einheiten an, womit die Vereinigten Staaten den siebten Platz weltweit belegen. Seit 2010 hat die Modernisierung der inländischen Produktionsanlagen den Roboterabsatz in den USA angekurbelt. Hauptgrund für dieses Wachstum war der anhaltende Trend zur Automatisierung der Produktion, um die amerikanischen Industrien im internationalen Wettbewerb zu stärken.

Ziel war zudem, die Produktion im eigenen Land zu halten oder in einigen Fällen auch die Produktion aus dem Ausland zurück zu holen. Die Automatisierung der Automobilindustrie mit Industrierobotern macht rund 52 Prozent des Gesamtumsatzes im Jahr 2016 aus. Der Roboterabsatz in den USA wird zwischen 2017 und 2020 weiter um durchschnittlich mindestens 15 Prozent pro Jahr steigen, so die IFR.

Zu den Schlusslichtern auf der Welt-Automatisierungsskala gehört Russland, dessen Industriesektor in den letzten Jahren kaum Fortschritte gemacht hat. Bezogen auf die Roboterdichte liegt das Land auf dem Niveau von Schwellen- bzw. Entwicklungsländern wie Indien oder den Philippinen.

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