Datenökonomie

Deutsche Telekom eröffnet Daten-Marktplatz

| Redakteur: Jürgen Schreier

Daten zu Geld machen: Das ermöglicht der neue Datenmarktplatz der Deutschen Telekom. Allerdings können Daten dort auch untentgeltlich zur Verfügung gestellt werden.
Daten zu Geld machen: Das ermöglicht der neue Datenmarktplatz der Deutschen Telekom. Allerdings können Daten dort auch untentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Die Deutsche Telekom hat einen Marktplatz für den Austausch von Daten - den Data Intelligence Hub – eröffnet. Dort können Daten, die man z.B. für das Trainieren von KI-Algorithmen oder Deep-Learning-Netzwerken braucht, frei oder gegen Bezahlung angeboten und erworben werden.

Daten sind die Basis einer modernen Datenökonomie. Insbesondere durch das Internet der Dinge erhöht sich der Datenbestand und damit das Angebot an Daten kontinuierlich. Und solche Daten sind das "Futter" für künstliche Intelligenz (KI), Business Analysen und andere neuartige Anwendungen. Doch wie bringt man Angebot und Nachfrage sicher und rechtskonform zusammen? Auf einem gesicherten, verlässlichen Marktplatz für Datenhandel – dem Telekom Data Intelligence Hub.

Der Data Intelligence Hub (DIH) ist eine Schnittstelle, die bisher im Bereich des Datenmanagements fehlte. Er bietet eine zentrale Plattform und ganzheitliche Marktübersicht über Daten, die frei oder zum Kauf zur Verfügung stehen. Zugleich stellt er verschiedene Analysetools zur Verfügung, um Daten beispielsweise mit Methoden des Machine Learning oder Künstlicher Intelligenz zu verarbeiten. So optimieren Unternehmen eigene Prozesse mit am Markt verfügbaren Daten.

Beispiel Logistik: Weltweit trifft ein Drittel aller Lieferungen später ein als geplant. das hat zur Folge, dass Lebensmittel oft verdorben beim Empfänger ankommen. Bekannt ist, wo die Sendung wann verladen wurde und wo sie sich aktuell ungefähr befinden müsste. Unbekannt ist hingegen, ob, wann, warum und an welcher Stelle sich eine Lieferung verzögert. Solche Daten fehlen in der Prozesskette. Genau diese Informationen jedoch würden es ermöglichen, in Echtzeit gegenzusteuern. Tatsächlich liegen diese Daten an unterschiedlichen Stellen vor. Über den DIH lassen sich die Daten beziehen, analysieren und auf einer einheitlichen Basis mit den eigenen Daten zusammenbringen.

Beispiel Smart City: Bereits vor dem offiziellen Start des Data Intelligence Hub konnte die Telekom die Stadt Bonn als ersten Partner gewinnen. Diese erprobt den DIH als neue Datenplattform und wird darüber künftig frei nutzbare Datenbestände anbieten. Dabei handelt es sich um ein „Bürgerportal“: Es stellt den Bonnern Daten rund um die Stadt bereit. Etwa Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Standorte von WLAN-Hotspots und Taxiständen oder Termine der Müllabfuhr.

Viele Städte erheben bereits eine Vielzahl von Daten. Sie setzen Verkehrs- und Umweltsensoren ein, die Informationen zum aktuellen Verkehr in der Innenstadt geben oder Daten zur Luft- und Wasserqualität sammeln. Weitere mögliche Anwendungen umfassen intelligentes Parken, intelligente Straßenbeleuchtung oder eine optimierte Müllentsorgung. Smart City Planer können zukünftig Daten aus verschiedenen frei verfügbaren Daten Quellen (Open Data) zusammenführen und diese für konkrete Prognosen nutzen.

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Datentransfer erfolgt verschlüsselt

Als cloudbasierte Lösung ist der DIH rund um die Uhr und unabhängig von Endgerät und System verfügbar. Oberstes Gebot beim Data Intelligence Hub ist Sicherheit und Vertrauen: Der Datentransfer läuft verschlüsselt und ausschließlich zwischen den gewählten Partnern ab, wie zum Beispiel zwischen einem Unternehmen und seinem Lieferanten. Eine externe oder zentrale Speicherung ist nicht nötig. Die Telekom stellt in der Rolle des neutralen Treuhänders die Souveränität der Daten sicher – das liefernde Unternehmen behält jederzeit die volle Kontrolle über seine Daten und kann frei steuern, wer welche Informationen empfängt.

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Der DIH entstand in enger Abstimmung mit der International Data Spaces Association (IDSA), deren Mitglied die Deutsche Telekom ist. Unter Führung des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik (ISST) sollen virtuelle Datenräume für einen sicheren Austausch von Daten auch über internationale Grenzen hinweg entstehen. Die Telekom nutzt für den Data Intelligence Hub als erstes Unternehmen die in der IDSA erarbeitete sichere Referenzarchitektur.

In enger Abstimmung mit der IDSA-Initiative

Prof. Dr. Boris Otto, Leiter des Fraunhofer-ISST: „Die Deutsche Telekom sehe ich mit dem Data Intelligence Hub in einer marktführenden Rolle, weil sie den Teilnehmern des Marktplatzes einen vertrauenswürdigen und souveränen Datenaustausch anbieten kann. Dies ist ein Wettbewerbsvorteil.“
Prof. Dr. Boris Otto, Leiter des Fraunhofer-ISST: „Die Deutsche Telekom sehe ich mit dem Data Intelligence Hub in einer marktführenden Rolle, weil sie den Teilnehmern des Marktplatzes einen vertrauenswürdigen und souveränen Datenaustausch anbieten kann. Dies ist ein Wettbewerbsvorteil.“ (Bild: MM Maschinenmarkt)

„Die IDSA-Initiative steht für Datensouveränität, also die Fähigkeit, die Nutzungsregeln der eigenen Daten zu bestimmen und den Daten selbst auch mitzugeben – eine zwingende Voraussetzung für das Funktionieren von Datenmarktplätzen“, sagt Prof. Dr. Boris Otto, Leiter des Fraunhofer-ISST und Projektleiter des dortigen Forschungsprojekts. „Die Deutsche Telekom sehe ich mit dem Data Intelligence Hub in einer marktführenden Rolle, weil sie den Teilnehmern des Marktplatzes einen vertrauenswürdigen und souveränen Datenaustausch anbieten kann. Dies ist ein Wettbewerbsvorteil.“

Der Data Intelligence Hub wurde mit den Technologien von Partnern wie Cloudera entwickelt und mit Ultra Tendency umgesetzt. Als Daten-Marktplatz lebt er von der großen Vielfalt der teilnehmenden Unternehmen. Neben öffentlichen Daten (Open Data) bringen beispielsweise IBM mit weather.com Wetterdaten oder Motionlogic fundierte Analysen von Verkehrs- und Bewegungsströmen mit ein. KPMG, Detecon oder T-Systems Multimedia Solutions beraten Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen wie der öffentlichen Hand, dem Gesundheitswesen, Finanzsektor sowie der Transport und Logistik- oder der Automobilbranche bei der Umsetzung ihrer Projekte auf dem DIH.

Daten als Wirtschaftsgut: Rechtliche Aspekte

Wie Unternehmen konkret den Umgang mit Daten gestalten können und was dabei nach geltendem Recht zu beachten ist, zeigt die Die Studie „Daten als Wirtschaftsgut“, die Prof. Dirk Heckmann (Universität Passau) unter Mitwirkung von Prof. Louisa Specht (Universität Bonn) im Auftrag der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. erstellt hat. „Im Zeitalter der Digitalisierung braucht jedes Unternehmen eine Daten- und Digitalisierungsstrategie. Unsere Studie liefert den Verantwortlichen dazu eine fundierte Grundlage“, so vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Dabei gibt die Publikation auch die aktuelle juristische Diskussion zu offenen Fragen wieder. Wie relevant solche Themen sind, zeigt sich am Beispiel eines vernetzten Kraftfahrzeugs: Es sammelt während der Fahrt eine Vielzahl an Daten, die für verschiedene Akteure von Interesse sind – seien es Fahrer, Eigentümer und Hersteller des Fahrzeugs, Versicherungen, Telekommunikationsanbieter oder andere Dienstleister. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wem die erhobenen Daten gehören und wer sie nutzen darf. „Die Diskussion um ein ‚Dateneigentum‘ ist noch nicht abgeschlossen. Wir plädieren dafür, auf vertragliche Lösungen zu setzen. Viel wichtiger als neue gesetzliche Regelungen sind jetzt praktische Anwendungen in der Wirtschaft. Denn im Prinzip genügt das geltende Recht, um die wesentlichen Interessenkonflikte zu lösen“, betont Brossardt.

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