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Smart Building Der Transparente Aufzug - IoT-Anwendungen im Gebäudemanagement

| Autor/ Redakteur: Dr. Derk Pahlke / Sebastian Human

Durch die Digitalisierung gestaltet sich die Personenbeförderung innerhalb von Gebäuden und das Facility Management unkomplizierter, transparenter und effizienter als je zuvor. Wie können IoT-Technologien Aufzugsanlagen sinnvoll ergänzen?

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IoT-Technologien halten in mehr und mehr Bereichen Einzug – auch die Personenbeförderung via Aufzug ist hier keine Ausnahme.
IoT-Technologien halten in mehr und mehr Bereichen Einzug – auch die Personenbeförderung via Aufzug ist hier keine Ausnahme.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die Vorteile digitaler Technologien liegen für Gebäudemanager in der Wartung, Instandhaltung und somit auch bei der Verwaltung der Aufzugsanlagen. Dank modernster Aufzugs- und Facility-Management- (kurz: FM), beziehungsweise Gebäudeautomatisierungs-Systeme mit Technologien des Internet of Things können Gebäudebetreiber ihr gesamtes Portfolio und den Zustand der kompletten technischen Gebäudeausrüstung (kurz: TGA) in Echtzeit überblicken. Dabei ist die Integration von verschiedenen Plattformen, wie zum Beispiel Aufzugsmanagementsystemen, über offene Schnittstellen in gesamtheitliche FM-Systeme von integraler Bedeutung. Neben der pro-aktiven und sogar vorausschauenden Wartung ermöglicht die cloudbasierte Auswertung verschiedenster Nutzungsdaten in Echtzeit, Eigentümern und Betreibern eine ungemeine Effizienzsteigerung in Betrieb und Wartung von Aufzugsanlagen.

Hersteller wie Otis sammeln bereits seit den 1980er Jahren aus der Ferne Daten über den Zustand der Aufzugsanlagen. Automatisierte Außerbetriebsmeldungen, detaillierte Fehleranalysen, Entstörungen und Personenbefreiung per Fernzugriff sind längst etablierte Standards in der Aufzugsindustrie. Je nach Art des Problems können bereits heute bis zu ein Drittel aller Personeneinschlüsse aus der Ferne behoben werden. In Kombination mit neuen Möglichkeiten des IoT und der dazugehörigen Sensortechnologie können Dienstleistungen noch besser gestaltet werden. Cloudbasierte Lösungen arbeiten bereits heute daran, Mängel schon vor ihrem Entstehen zu erkennen und frühzeitig zu beseitigen. Die in der Cloud gesammelten Daten über den Zustand einzelner Komponenten, Anlagen oder sogar komplette Anlagenportfolios, steigern die Möglichkeiten der Datenanalyse ungemein und ermöglichen unzählige Verbesserungen im Betrieb von Aufzugsanlagen.

Vorteile der Digitalisierung im Gebäude- und Portfolio Management

In großen Gebäuden ist eine schnelle und sichere Beförderung aller Personen unerlässlich.

Um die Aufzüge an IoT-Plattformen anzuschließen, bauen die Hersteller und Dienstleister Monitoring-Sensoren in die Aufzugsschächte, die die Einzelteile der Aufzüge auf ihren Zustand, Besonderheiten im Betriebsablauf und ihren Energieverbrauch kontrollieren. Alle mit IoT-Plattformen gesammelten Daten können zur Optimierung der Personenflüsse in Gebäuden genutzt werden. Eine Zielwahlsteuerung optimiert zum Beispiel Personenflüsse innerhalb eines Gebäudes und verkürzt die Wartezeit für Passagiere. Die Förderleistung wird dank Machine Learning, je nach Bedarf, automatisch an den Personenfluss der jeweiligen Zeiten angepasst. Einzelne Aufzüge sind so in der Lage sich bei einem erhöhten Personenaufkommen selbstständig aus dem Standby Modus zuzuschalten.

Auch die zielgenaue Überwachung und Analyse von einzelnen Aufzugskomponenten und der Transfer dieser Daten einer Cloud-Datenbank ermöglicht wesentliche Vorteile im täglichen Betrieb und der Wartung von Anlagen. Dank Analyse-Algorithmen, die die Daten aller weltweit angeschlossen Anlagen auswerten können, ist es möglich, den Verschleißpunkt eines Bauteils vorherzusagen und rechtzeitig auszutauschen. Diese Informationen stehen nicht nur dem Servicetechniker, sondern auch den Kunden zu Verfügung. Der zuständige Techniker wird also noch vor dem Eintreten eines Defekts darüber informiert und kann mit dem passenden Ersatzteil, ohne aufwendige Diagnose vor Ort, anreisen. Der Ausstauch erfolgt dann in einem Zeitraum mit niedrigem Personenaufkommen, um Ausfallzeiten zu minimieren.

Integration von unterschiedlichen Betriebssystemen durch offene Schnittstellen

Eines der größten Vorteile der IoT-Technologie ist die Einbindung von verschiedenen Systemen der TGA innerhalb des Facility Managements durch offene Application-Programming-Interface (API) Schnittstellen. Dies ermöglicht herstellerübergreifend die Zusammenführung der Daten unterschiedlicher Anlagen von Gebäuden oder ganzen Portfolios. Werden diese Daten nach ihrer Auswertung in einem zentralen Managementsystem gesammelt, können die zusammengeführten Informationen für ein gesamtheitliches FM-Konzept genutzt werden, sprich die verschiedenen Anlagen können in ihrem Betrieb besser aufeinander abgestimmt werden. Für Aufzüge bedeutet das zum Beispiel, dass die dort verbauten Sensoren der restlichen Haustechnik wertvolle Informationen liefern und so dem FM-System Daten bereitstellen können. Die Gruppensteuerung von Aufzügen kann freie Aufzüge bereits vorab in die Etagen schicken, in denen beispielsweise Bewegungssensoren von Konferenzräumen oder ein Terminkalender über das Ende eines Meetings informiert.

Durch diesen offenen Informationsfluss können die verschiedenen Komponenten der Haustechnik voneinander profitieren. Gebäudebetreiber sind zum Beispiel auch in der Lage, die aktuellen Kantinenpläne in ihr zentrales Datensystem einzupflegen, welche sich über die offenen API-Schnittstellen in der cloudbasierten Plattform importieren lassen. So können die Pläne über das Serviceportal an das Kabinendisplay weitergeleitet und im Anschluss den Passagieren der Aufzüge während der Fahrt angezeigt werden. Dies funktioniert mit jeder vom Betreiber gewünschten Information.

Die Zukunft der Aufzüge ist vernetzt

Technischer Fortschritt und Innovationen im IT-Bereich sind für Anwender selten greifbar oder sie fallen selbst beim Nutzen nicht auf. Die Entwicklungen in der modernen Aufzugstechnik zeigen aber, dass die steigende Vernetzung und Digitalisierung in der Branche sehr konkrete, greifbare Verbesserungen bei der Personenbeförderung liefern. Viele Vor-Ort-Einsätze von Servicemitarbeitern können sich durch gutes Datenmanagement und -austausch innerhalb der Gebäudeautomatisierung und der FM-Systeme erübrigen. Dazu zählen auch die Digitallösungen zum Aufzugsmanagement. Die verbesserte Sensorik und Nutzungsoberflächen steigern dessen Effizienz und minimieren die potenziell gefährlichen Arbeiten im Aufzugsschacht für die Servicetechniker.

Lösungen wie die an das IoT angeschlossene Plattform zum Aufzugsmanagement könnten künftig durch Machine Learning weiteres, ungeahntes Potenzial freisetzen. Mit jedem neuen Aufzug und jedem neuen Portfolio vergrößert sich die Datenbank in der Cloud. Daher gewinnen die Digitallösungen mit jedem dieser Aufzüge weitere Möglichkeiten, Fehler zu verhindern oder diese so schnell wie möglich aufzulösen. Kommende Aufzugsgenerationen werden noch besser vernetzt sein und somit noch mehr vorhandenes Potenzial nutzen.

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Über den Autor

Dr. Derk Pahlke

Dr. Derk Pahlke

Fellow Connectivity und IoT Discipline Lead – Otis Elevator Company, OTIS GmbH & Co. OHG