Durchstarten 2021 „Der neue Normalzustand wird geprägt sein von digitalen Plattformen und digitalen Lösungen“

Redakteur: Sebastian Human

Wie erlebt ein relativ junges Unternehmen, das sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Datenvisualisierung befasst, die Corona-Pandemie und welche Auswirkungen hat die Krise auf ihr Geschäft? Darüber haben wir mit Ariel Rosenfeld von 3d Signals geredet.

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Ariel Rosenfeld ist CEO bei 3d Signals, einem Anbieter für Lösungen zur Datenvisualisierung im Umfeld von Produktionsökosystemen.
Ariel Rosenfeld ist CEO bei 3d Signals, einem Anbieter für Lösungen zur Datenvisualisierung im Umfeld von Produktionsökosystemen.
(Bild: Vogel Communications Group/3d Signals)

Herr Rosenfeld, würden Sie bitte das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen beschreiben?

Da wir konstant an neuen Projekten arbeiten, wirkt sich die Freude über unser Wachstum positiv auf das ganze Stimmungsbild im Unternehmen aus. Wir blicken derzeit dankbar auf Kooperationen mit neuen Kunden, auf neue Märkte und freuen uns zugleich über die positive Entwicklung unseres innovativen Produkts.

Ich denke, dass unser Team während der Corona-Krise sogar noch enger zusammenarbeitet und sich daraus echte Freundschaften zwischen den Kollegen ergeben haben. Vor allem sind wir aber alle froh darüber, trotz der globalen Pandemie einen festen Arbeitsplatz mit Zukunftsaussichten zu haben.

Welche Probleme/Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

An oberster Stelle steht für uns der persönliche Kontakt zu unseren Kunden und Partnern. Die aktuelle Situation erlaubt es uns jedoch nicht mehr, einfach mal so schnell von Tel Aviv nach Frankfurt zu fliegen, um an Meetings teilzunehmen. Für mich persönlich ist das definitiv ein Problem, da ich normalerweise wöchentlich in verschiedene Länder reiste.

Diese Einschränkung erschwert es uns, nah am Markt zu sein und die Digitalisierung vor Ort hautnah mitzugestalten. Aber dank unseres deutschen Teams und dem Büro in Langen, können wir weiterhin unsere Kunden bedienen und ihnen so nah wie möglich zur Seite stehen.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Meine gesamte private und berufliche Laufbahn ist geprägt von sehr engen persönlichen Kontakten, was für mich größte Bedeutung hat.

Die genannten Probleme haben mir persönlich gezeigt, wie wichtig es ist, neue Dinge auszuprobieren, anstatt in alten Mustern stecken zu bleiben.

Daher sehe ich für mich die Auswirkungen der Probleme gleichzeitig als einen neuen und kreativen Weg, um die beschränkte Planbarkeit und wirtschaftliche Herausforderungen in Chancen zu verwandeln - Don’t stop dreaming.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Wir müssen uns auf jeden Fall so schnell wie möglich an ein neues Kapitel anpassen – wirtschaftlich, ökonomisch, privat. Der neue Normalzustand wird geprägt sein von digitalen Plattformen und digitalen Lösungen. Das Jahr 2020 war für viele Unternehmen eine sehr schwere Zeit und gleichzeitig eine Erinnerung daran, die Digitalisierung mit hoher Priorität zu behandeln.

Um bessere und schnellere Entscheidungen in der Produktion zu treffen, werden Daten benötigt und man kann sich nicht mehr auf Annahmen stützen. Im Falle der nächsten Krise werden demnach digitalisierte Prozesse dabei helfen, schneller reagieren zu können, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ich würde mich freuen, wenn jetzt alle Industriebetriebe die digitale Transformation, hin zur vernetzten Zukunftsfabrik, zusammen mit ihren Mitarbeitern, Kunden und Partnern vorantreiben.

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Mein Motto lautet: It’s all about people. Entwickeln und halten Sie an persönlichen Beziehungen fest, egal durch welche Krise und in welcher Form auch immer wir gestoppt werden sollen. Wir können nur etwas verändern, wenn wir zusammenarbeiten, Probleme identifizieren und sie dann versuchen gemeinsam zu lösen.

Wir hatten bei 3d Signals die Möglichkeit, auch während der Krise zusammen mit Kunden und Partnern an wichtigen Projekten zu arbeiten. Dadurch konnten wir auch unser Team vergrößern und unser Produkt verbessern. Das gibt mir ein sicheres Gefühl und die Bestätigung, als Unternehmen gestärkt aus der Krise zu gehen und weiter zu wachsen.

Unser Produkt hilft Kunden dabei, nicht nur in der Corona-Krise die Effizienz ihrer Produktion zu steigern, sondern auch langfristig Verbesserungen zu erzielen und Prozesse zu optimieren. Persönlich bin ich sehr stolz darüber und danke meinem gesamten Team und den Kunden, die jeden Tag auf uns zählen und uns vertrauen.

Welche Rolle können IoT-Technologien in diesem Kontext spielen?

Das Internet der Dinge bietet die perfekte Plattform für Verbesserungen.

IoT gestützte Technologien ermöglichen als Grundlage die Datengenerierung aus Assets und vor allem die Möglichkeit der Digitalisierung von bislang analogem. Das ermöglicht es im Umkehrschluss, Prozesse auf Basis von Daten richtig zu messen und optimieren zu können. Wenn Sie zum Beispiel damit beginnen, einen durch IoT vernetzten Shopfloor zu analysieren und zu bewerten, und Sie dann basierend auf diesen Daten Entscheidungen treffen, führt das zu direkten Verbesserungsmaßnahmen.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der COVID-19-Krise mitnehmen?

Ich habe nicht damit aufgehört, positiv zu denken und übertrage diese Einstellung so gut ich kann auch auf mein gesamtes Team. Der Fokus auf Weiterentwicklung steht für mich seither im Vordergrund und was auch immer aufkommt, versuche ich so zu nehmen wie es ist und es als Chance zu betrachten. Das heißt auch, mich nicht negativ beeinflussen zu lassen oder mich auf Dinge zu konzentrieren, die meine Zeit kosten und mich nicht voranbringen. Über dieses Thema habe ich auch einen Artikel mit dem Titel „Seven Unusual strategies for managing a startup during the pandemic“ für das Forbes Magazin geschrieben.

Bremst die Pandemie die Entwicklung hin zur Industrie 4.0, oder fördert die Krise diese eher?

Ich sehe einen klaren Wachstumstrend in Industrie 4.0-Projekten. Nicht zuletzt durch die Krise stieg die Nachfrage nach Daten, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, auch wenn man nicht vor Ort in der Produktion sein kann. Das beschleunigt die Entwicklung von Industrie 4.0-Lösungen. Wir haben die direkte Bestätigung dazu von unseren Kunden, die nach Nutzung unseres Systems Daten an der Hand hatten, die sie zuvor gar nicht erfassen konnten, und die ihnen dann dabei geholfen haben, agil und flexibel zu sein, um ihre Maschinen auch aus der Ferne zu steuern und zu optimieren.

Welchen Herausforderungen abseits der COVID-19-Krise sehen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag derzeit ausgesetzt?

Trotz der offensichtlichen Vorteile der Digitalisierung sehe ich in vielen Unternehmen diesbezüglich oftmals noch keine klare Roadmap. Eine große Herausforderung ist sicherlich die Scheu nach Veränderungen oder auch Bedenken, dass Digitalisierung mit sehr hohen Kosten verbunden ist und einen langwierigen Prozess darstellt. Zugleich sehe ich eine enorme Lücke zwischen der Vision Industrie 4.0 mit den offensichtlichen Vorteilen und der Bereitschaft, zuerst Konnektivität in Fabriken herzustellen. Die Vernetzung der Maschinen ist jedoch das Grundgerüst für alle anderen Industrie 4.0-Themen, denn nur auf Basis der Produktionsdaten lassen sich spannende Lösungen und neue Technologien entwickeln.

Wenn Sie einem/-r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, wie machen Sie das?

Ich bewerte das Thema Internet der Dinge mit vielversprechenden Chancen und enormen Wachstums- und Marktpotential für Produktionsbetriebe. Natürlich kann kein Unternehmen von heute auf morgen ihre gesamte Struktur digitalisieren. Deshalb empfehle ich, damit zu beginnen, kurzfristige Prozesse mit wenig Komplexität einzuleiten, die dann langfristige Ergebnisse und positive Veränderungen mit sich bringen.

Kleine Schritte in Richtung Zukunftsfabrik müssen keine großen Veränderungen im Betriebslauf bedingen, sondern können mit Hilfe der richtigen technologischen Lösung direkte Transparenz und einen besseren Überblick über die Produktion verschaffen, was skalierbar ist und vielversprechende Zukunftsperspektiven bietet.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Keine Angst davor zu haben, Fehler zu machen. Verschwenden Sie keine Zeit mit Dingen, die Sie nicht weiterbringen. Seien Sie mutig und schauen Sie über den Tellerrand hinaus. Setzen Sie sich kleine Etappenziele und arbeiten Sie sich dann schrittweise nach vorne. Sky is definitely not the limit, think big!

Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für diesen Austausch genommen haben.

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