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Expertenbeitrag

 Nitesh Bansal

Nitesh Bansal

Senior Vice President und Global Head of Engineering Services

Smart Spaces Der Mensch muss in den Fokus rücken

| Autor / Redakteur: Nitesh Bansal / Clara Hartmann

Welche Technologietrends werden in den nächsten Jahren neue Chancen bieten und die Möglichkeiten vorantreiben? Und inwieweit werden dadurch Technologie und Menschen beeinflusst?

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Smart Spaces müssen den Menschen mehr in den Fokus rücken.
Smart Spaces müssen den Menschen mehr in den Fokus rücken.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Marktforschungsunternehmen Gartner veröffentlichte vor kurzem die „Gartner Strategic Top 10 Technology Trends 2020”. Der Report definiert Technologietrends, die in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine signifikante Disruption sowie neue Chancen und Möglichkeiten vorantreiben werden. Besonders auffällig dabei: Gartner strukturiert die Trends gemäß dem Konzept der sogenannten people-centric smart spaces und untersucht, inwieweit Technologie sowohl die Menschen als auch die Bereiche, in denen sie leben und arbeiten, beeinflusst.

Warum das so wichtig ist? Unternehmen müssen ihre Digitalisierungsstrategie überdenken. Anstatt Technologie in den Fokus zu rücken, sollten die Menschen wieder im Vordergrund stehen. „Unternehmen müssen zuerst den geschäftlichen und menschlichen Kontext berücksichtigen, anstatt im ersten Schritt eine Technologieplattform zu entwickeln und erst später potenzielle Anwendungen zu erforschen“, sagt Brian Burke von Gartner Research. Ich stimme dieser Aussage zu. Momentan kämpfen viele Organisationen mit dem digitalen Fachkräftemangel. Sie suchen nach Wegen, digitale Talente für sich zu gewinnen und die bestehende Belegschaft im Umgang mit disruptiven Technologien – wie etwa dem Internet of Things (IoT), Machine Learning (ML), künstlicher Intelligenz (KI), Digital Twins oder Robotic Process Automation (RPA) – zu schulen und damit Geschäftswachstum und -erfolg voranzutreiben.

Welche Technologien sollten berücksichtigt werden?

Doch diese Technologien kommen nicht nur in Smart Factories oder der Industrie 4.0 zum Einsatz. Vielmehr entstehen weltweit immer mehr sogenannte Smart Spaces. Verschiedene Technologien treiben diese Transformation voran und sollten berücksichtigt werden, darunter:

IoT: Die Installation von vernetzten Geräten in Smart Spaces ist eine der wichtigsten Anwendungen der IoT-Technologien. Sensoren können die Anwesenheit von Personen, Licht, Feuchtigkeit, Feuer, Wasser, oder giftigen Gasen erkennen und überwachen. Services lassen sich durch Sensoren tracken, um bessere Nutzererfahrungen zu kuratieren. Diese Art der IoT-gestützten Zusammenarbeit von Menschen und Maschinen optimiert nicht nur die betriebliche Effizienz und Produktivität, sondern schafft auch neue Anwendererfahrungen. Der Mehrwert von IoT liegt jedoch nicht in der bloßen Installation vernetzter Sensoren, sondern vielmehr in der Nutzung der Sensorendaten, um Services, Assets und die Lebensqualität kontinuierlich zu verbessern.

Big Data und Prescriptive/Predictive Analytics mit KI: Da immer mehr Daten gesammelt werden, ermöglicht ein Echtzeit-Monitoring proaktive Entscheidungen und gewährleistet damit einen sicheren und effizienten Betrieb. Anwendungsfälle sind zum Beispiel virtuelle Concierges, intelligentes Ressourcen- und Asset-Management, intelligenter Transport oder Polizeiarbeit und effizientes Energie- und Abfallmanagement.

Cloud Computing: Leistungsstarke SaaS-, PaaS- und IaaS-Angebote bringen in Smart Spaces einen großen Nutzen: Sie ermöglichen das Erkennen von Mustern in nahezu Echtzeit über ein großes Gebiet wie eine Stadt oder sogar einen Staat hinweg. Zu diesen Anwendungsfällen gehören unter anderem intelligente Mobilität, die auf der Überlastung von Gebäuden in einem Stadtteil basiert, die Bewertung der Auswirkungen von Natur- oder menschlichen Katastrophen auf die öffentliche Gesundheit und Sicherheit, sowie die automatische Ermöglichung von Maßnahmen zur Reaktion und Wiederherstellung im Katastrophenfall, wie z.B. das Umschalten auf Notstrom. Die Bedürfnisse der Bürger können auf diese Weise effektiv bedient werden.

Augmented Reality/Virtual Reality: AR/VR kann im vorausschauenden Asset Management und bei öffentlichen Bauvorhaben eingesetzt werden. Darüber hinaus gibt es Anwendungen in Bereichen, die die digitalen Interaktionen mit Bürgern, der Modellierung der Stadtplanung, der Qualität von Bildungs- und Ausbildungsprogrammen und der Handhabung von Notfallsituationen verbessern.

Blockchain: Blockchain kann bei der Verbesserung der Netzwerk- und Datensicherheit über alle Technologien hinweg eine wichtige Rolle spielen. Die nächste Generation von Blockchain entwickelt sich zu sogenannten „fast, fearless and minerless“ (FFM)-Modellen. Tatsächlich dürfen Blockchains wie IOTA nicht einmal Blöcke und Reihen verwenden. Sie basieren also nicht auf der herkömmlichen Blockchain-Technologie, sondern basieren auf der Distributed-Ledger Technologie (DTL), ein dezentrales, digitales System zur Erfassung von Transaktionen der Assets.

5G: Die Kommunikationstechnologie der nächsten Generation erhöht die Carrier-Bandbreite von 20Mhz in LTE auf 400Mhz – und dies mit Geschwindigkeiten, die zehn bis 100 Mal schneller als 4G bzw. LTE sind. Die Latenzzeit reduziert sich auf Millisekunden und die Kommunikation des kompletten Smart Space wird durch 5G unterstützt – dadurch sind Echtzeit-Interaktionen der intelligenten Infrastruktur sowie schnelle Reaktionen möglich.

Offene Standard-Architektur: Die Einführung offener Protokolle wie BACnet und LonWorks schuf eine gemeinsame Interaktionsrichtlinie über verschiedene Systeme hinweg. Diese adressieren die Herausforderungen, die sich aus der mangelnden Interoperabilität zwischen verschiedenen Gebäuden und Systemen ergeben. Auch wenn es einige Jahre dauern kann, bis die Einführung und Skalierung erfolgt ist, ist es nun möglich, dass Sensoren, Geräte und Systeme nahtlos miteinander kommunizieren, sich koordinieren und integrieren. Sogar die Vorkonfiguration bestimmter Ergebnisse, basierend auf dem Input von vernetzten Endgeräten, ist möglich.

Energiesysteme der nächsten Generation: Dieses Konzept nennt sich Power over Ethernet (PoE) und überträgt 60 Watt Strom oder Daten über Ethernet-Kabel an CCTV-Kameras, Telefonleitungen oder Beleuchtungssysteme. PoE verlagert die Energieüberwachung und -steuerung auf die Geräteebene und nicht auf die Bereichs- bzw. Sektor-Ebene. Kommunikations- und ortsbezogene Technologien können auch oberhalb von Beleuchtungssystemen eingesetzt werden, um weitere Informationen und eine höhere Kontrolle zu erhalten.

Generell sollte die Kombination verschiedener digitaler Technologien die Art und Weise verändern, wie Menschen eine kollaborative Kultur erleben und schaffen, durch die Schonung von Ressourcen nachhaltiger werden und eine höhere betriebliche Effizienz erreichen. Diese Räume sind für die menschliche Interaktion mit der Umwelt, untereinander und mit den Systemen um sie herum konzipiert, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen – dabei sollte der Mensch jederzeit im Mittelpunkt stehen.

Die wichtigsten Trends

Erfolgreiche Unternehmen rücken ihre Mitarbeiter und ihre Assets in den Fokus. Einige der Trends sind dabei die folgenden:

• 63 Prozent der Millennials arbeiten für Unternehmen, die auf individuelle Anforderungen eingehen und ein flexibles Arbeitsumfeld bieten. Im Jahr 2020 und darüber hinaus machen Millennials 50 Prozent der Arbeitnehmer aus.

• Ab 2025 haben Gebäude den höchsten Energieverbrauch, häufig wird fast die Hälfte des Stroms und des Wassers verschwendet.

• Der Energieverbrauch in Rechenzentren verdoppelt sich alle fünf Jahre. Allein in den USA werden von gewerblichen Gebäuden etwa 900 MMT an Treibhausgasen ausgestoßen.

Das SCALE-Framework

Idealerweise nutzen Unternehmen Anwendungslösungen, um physische und digitale Assets anhand digitaler Technologien zu verbinden und die Lücke zu schließen. Ein Framework unterstützt dabei, Smart Spaces strukturiert zu bewerten, zu implementieren und zu betreiben. Ein Beispiel ist das sogenannte SCALE-Framework:

Sustainable: Resource Optimization, Resource Re-use und Resource Conversation innerhalb des Gebäudes in Sachen Strom, Wasser, Abfall und erneuerbare Energien. Damit reduziert sich der Ressourcenverbrauch pro Mitarbeiter. Der Gebäudeenergieverbrauch, auch Building Energy Consumption, (KwH/m2-y), kann als Anteil der alternativen Energiequelle gemessen werden.

Connected: Vernetzte Prozesse, Personen und Infrastruktur sorgen Transparenz in Echtzeit. Teams können so effizienter zusammenarbeiten und verfügen jederzeit über Informationen zu den Unternehmens-Assets. Dabei wir die Anzahl der Mitarbeiter-Touchpoints gemessen – also, die Anzahl der Aktivitäten, die sich mit einer mobilen App durchführen lassen.

Affordable: Das Umsetzungs-Framework berücksichtigt die Expertise und Erfahrungen der Stakeholder, reduziert den CO2-Fußabdruck und senkt die Betriebskosten. Mitarbeiter können sich über verbesserte Anwendererfahrungen und Auslastung freuen. Dies führt zu geringerer Mitarbeiterfluktuation, weniger Beschwerden und erhöhter Produktivität und Effizienz.

Learning Systems Diese Systeme fokussieren sich auf das Lernen, basierend auf Anwendungsmustern, Stakeholder-Präferenzen und Schwellenwerten für inkrementelle Kosten. Sie nutzen KI/ML und andere Techniken, um eine optimale Nutzung der personalisierbaren Ressourcen zu gewährleisten und so den Stakeholdern die beste Erfahrung zu liefern.

Experiential Der Schwerpunkt jeder der Smart Space-Lösungen liegt auf der Gewährleistung einer großartigen Anwendererfahrung. Diese ermöglicht es dem Anwender, in der Umgebung, in der er sich befindet, am effektivsten zu sein. Dabei geht es um die Effizienz und Vollständigkeit der Aufgabe, die er/sie ausführt, um die Freude am Prozess und um die effektive Zusammenarbeit mit anderen.

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