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Expertenbeitrag

 Arman Sarhaddar

Arman Sarhaddar

CEO, Vault Security Systems AG

Blockchain

Der Kampf gegen Produktfälschung

| Autor/ Redakteur: Arman Sarhaddar / Sebastian Human

Dass einer der größten Onlinehändler der Welt ankündigt, für mehr Transparenz bei der Produktechtheit zu sorgen, zeigt den Handlungsbedarf hier. Warum Amazons Transparency trotzdem noch nicht die ultimative Antwort auf das Problem mit Produktfälschungen ist, lesen Sie hier.

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Im Kampf gegen Produktfälschung kann Transparenz in der Lieferkette helfen.
Im Kampf gegen Produktfälschung kann Transparenz in der Lieferkette helfen.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Vor wenigen Wochen machte Amazon von sich reden, als der e-Commerce-Riese ankündigte, sein Transparency-Programm auch in Europa auszurollen. Hersteller können dann ihre authentischen Produkte mit einem QR-Code versehen, der Händlern und Kunden einen zweifelsfreien Echtheitsnachweis bietet. So will Amazon der Flut an gefälschten Produkten entgegenwirken und mehr Vertrauen bei seinen Kunden schaffen. Der Ansatz ist grundsätzlich begrüßenswert – doch Amazon Transparency hat Einschränkungen, die es für einige Produktgruppen ungeeignet machen.

Nachverfolgung der Inhaltsstoffe ist gerade im Medizinsektor entscheidend

Mit dem Transparency-Programm geht es Amazon vorwiegend darum, das eigene Image aufzubessern. Gerade unter Händlern hat der Ruf des US-Unternehmens durch Betrug, gefälschte Bewertungen und Produktimitationen gelitten. Doch Transparency ist nicht für alle Produkte gleichermaßen geeignet. Es handelt sich um ein Labeling, das bei Waren funktioniert, bei denen es tatsächlich in erster Linie um deren Echtheit geht, wie Kleidung und Taschen. Bei Produkten mit einer aufwendigen Lieferkette, bei denen Schadensersatzansprüche eine Rolle spielen, ist dies jedoch zu kurz gegriffen. Exemplarisch sind medizinische Produkte zu nennen. Gerade Kunden dieser Produkte möchten sicher sein, keine Fälschung erworben zu haben. Für sie spielt zudem die Qualität der Inhaltsstoffe eine essentielle Rolle und im Schadensfall muss die Schwachstelle zweifelsfrei identifizierbar sein.

Informationen werden sicher auf der Blockchain hinterlegt

Die Blockchain-Technologie kann hier Abhilfe schaffen, aus drei Gründen:

Einmal eingespeiste Daten sind unveränderlich, nachträgliche Manipulation wird ausgeschlossen. Ein weiteres Blockchain-Charakteristikum ist, dass alle verfügbaren Informationen dezentral auf allen am Netzwerk angeschlossenen Rechnern gespeichert und verifiziert werden.

Zweitens: Sie werden quasi unhackbar, da Änderungen immer in der Mehrzahl der Nodes vorgenommen werden müssen.

Drittens: Transaktionskosten können erheblich gesenkt werden, indem Mittelsmänner übersprungen werden. Wobei speziell der Einsatz von Smart Contracts die Datenverwaltung und Automatisierung simplifiziert.

Ein Beispiel dafür, wie Nachverfolgung auf Blockchain-Basis umgesetzt werden kann, ist der iVault-Pilot-Case mit der Schweizer Golisan GmbH. Golisan stellt Heilpflanzenextrakte her, die online – zumeist über Amazon – vertrieben werden. Dem Hersteller ist angesichts gefälschter Produkte und im Sinne der Qualitätssicherung daran gelegen, einerseits dem Kunden gegenüber die Echtheit zu garantieren, andererseits jedoch die Herkunft der Inhaltsstoffe lückenlos nachvollziehen zu können. Gefälschte Nahrungsergänzungsprodukte sind ein lukratives Geschäft, da sie weniger streng überwacht werden als verschreibungspflichtige Medikamente. Insbesondere über Amazon werden immer wieder Fake-Produkte vertrieben, sodass der Online-Riese unlängst eine Warnung an betroffene Kunden versendete.

Von den möglicherweise gravierenden Konsequenzen der Einnahme gefälschter Nahrungsergänzungsprodukte abgesehen, haben die Fälschungen negative Folgen für die Geschäftsbilanz und den Ruf der eigentlichen Hersteller. Über die Echtheitsgarantie hinaus verfolgt der Hersteller das Ziel, die gesamte Lieferkette zu überwachen, um seinen Kunden maximale Sicherheit zu bieten. Aus diesem Grund haben sämtliche Zulieferer Zugriff auf die Blockchain und können Informationen zu den Inhaltsstoffen hinterlegen: angefangen von der Ernte der pflanzlichen Rohstoffe über deren Weiterverarbeitung bis hin zum Behältnis, in dem das Produkt in den Verkauf kommt. Für diesen Einsatz empfiehlt sich Software, die mit Hinblick auf kollaborative Zusammenarbeit entwickelt wurde, sodass mit anderen Technologie-Bereichen Daten ausgetauscht werden können. Dies erleichtert unter anderem die Integration der Blockchain in das bestehende Supply-Chain-Management.

Blockchain für die Lieferkette lässt sich ressourcenschonend umsetzen

Einer der größten Kritikpunkte, die häufig in Bezug auf die Blockchain-Technologie geäußert werden, ist deren vergleichsweise hoher Energieverbrauch. Hier muss allerdings differenziert werden zwischen Mining-Aktivitäten, die für Kryptowährungen notwendig und tatsächlich sehr energieaufwendig sind, und Anwendungen für Unternehmen, wie etwa die Absicherung der Lieferkette. Letztere finden in einer privaten Blockchain und ohne den rechenaufwendigen Proof of Work statt, daher ist der Energiebedarf nicht höher als der für gängige Web-Apps. Da weniger Nodes beteiligt sind, kann die Transaktionsgeschwindigkeit zudem erhöht werden.

Beispiele wie Amazons Transparency zeigen, dass sich Unternehmen mit der Fälschungssicherheit ihrer Waren beschäftigen, sie schöpfen jedoch noch nicht das volle Potential aus, wie es mit der Blockchain möglich wäre. Die Technologie ist längst in der Praxis angekommen und vereinfacht jenseits von Kryptowährungen Prozesse, die vormals umständlich oder gar nicht durchführbar waren. Bei der Auswahl eines Technologie-Partners sollten Unternehmen berücksichtigen, ob sich die Lösung gut in die bestehende IT integrieren lässt. Dann ist der Grundstein für eine transparentere Lieferkettenabsicherung und stichhaltige Echtheitsnachweise gelegt.

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