Autonome Schiffahrt

Der intelligenteste Hafen Europas

| Redakteur: Julia Moßner

Der Hafen Rotterdam ist, gemessen an der umgeschlagenen Frachtmenge, der größte Hafen Europas und soll nun zum intelligentesten Hafen der Welt umgestaltet werden.
Der Hafen Rotterdam ist, gemessen an der umgeschlagenen Frachtmenge, der größte Hafen Europas und soll nun zum intelligentesten Hafen der Welt umgestaltet werden. (Bild: Pixabay / CC0)

Der Hafen Rotterdam und IBM haben vor Kurzem ihre Zusammenarbeit im Rahmen einer mehrjährigen Digitalisierungsinitiative bekannt gegeben. Die Betriebsumgebung des Hafens soll durch IoT-Technologien mit Anbindung an die Cloud digitalisiert werden. Bis 2025 sollen dort auch autonome Schiffe abgefertigt werden können.

Profitieren sollen davon der Hafen selbst und alle seine Nutzer. Mit der Initiative soll auch das gesamte Hafengelände in seiner Länge von 42 Kilometern auf die künftige Abfertigung vernetzter Schiffe vorbereitet werden. Begonnen wird mit der Entwicklung einer zentralen Dashboard-

Anwendung, die Wasser-, Wetter-, Sensor- und Kommunikationsdaten in Echtzeit erfasst, verarbeitet und über die IoT-Plattform von IBM analysiert. Dies eröffnet dem Hafen zahlreiche Innovationsmöglichkeiten für eine sicherere und effizientere Steuerung des Schiffsverkehrs.

„Wir haben in Rotterdam entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um zum intelligentesten Hafen der Welt zu werden“, so Paul Smits, Chief Innovation Officer vom Hafenbetrieb Rotterdam. „Schnelle und effiziente Abläufe sind für unser Geschäft unerlässlich und erfordern, dass wir alle uns zur Verfügung stehenden Daten nutzen. Dank Echtzeitinformationen über Infrastruktur, Wasser, Luft und viele andere Bereiche können wir den Service für alle, die den Hafen nutzen, erheblich verbessern und uns auf die Umstellung auf einen vernetzten, autonomen Schiffsverkehr vorbereiten.“

Der größte Hafen Europas rüstet komplett um

Als größter Hafen Europas verzeichnet der Hafen Rotterdam, in dem jährlich 140.000 Schiffe abgefertigt werden, einen Güterumschlag von 461 Million Tonnen pro Jahr. Bislang nutzte man im Hafen die herkömmliche Funk- und Radarkommunikation zwischen Kapitänen, Piloten, Terminalbetreibern und Schleppern, um den Hafenbetrieb zu koordinieren. Im Zuge der eingeleiteten digitalen Transformation des Hafens werden nun auf dem 42 km langen Hafengelände von der Stadt Rotterdam bis zur Nordsee Sensoren entlang der Kaimauern, Anlegestellen und Straßen auf dem Hafengelände installiert. Diese Sensoren erfassen diverse Datenströme, einschließlich Wasser- und Wetterdaten über Gezeiten und Strömungen, Temperatur, Windgeschwindigkeit und -richtung, Wasserstände, Liegeplatzverfügbarkeit und Sichtverhältnisse.

Diese Daten werden von den cloudbasierten IoT-Technologien von IBM analysiert und in Informationen umgewandelt, die der Hafen Rotterdam als Entscheidungsgrundlage heranziehen kann. Damit will der Hafenbetrieb Wartezeiten verkürzen, den optimalen Zeitpunkt für das Anlegen und Be- und Entladen von Schiffen bestimmen sowie den verfügbaren Platz besser nutzen und die Kapazität zur Abfertigung der Schiffe erhöhen.

Ziele der Digitalisierung

Dank der neuen Initiative können die Hafenbetreiber außerdem sämtliche Vorgänge im Hafen synchron verfolgen und Prozesse auf diese Weise effizienter gestalten. Die Reedereien und der Hafen sind in der Lage, die Verweildauer der Schiffe im Hafen damit um bis zu einer Stunde zu verkürzen und so bis zu 80.000 US-Dollar einsparen. Dadurch kann der Hafenbetrieb Rotterdam zum Beispiel anhand des Wasserstandes den optimalen Zeitpunkt für die Ein- oder Ausfahrt von Schiffen ermitteln, um unter Ausnutzung des beim Einlauf möglichen Tiefgangs das maximale Frachtvolumen zu erreichen.

Das Projekt ist auf eine langfristige Zusammenarbeit zwischen dem Hafenbetrieb Rotterdam und IBM ausgelegt, um weitere innovative Anwendungsbereiche für IoT und künstliche Intelligenz abzudecken. Auch die Netzwerkspezialisten von Cisco sowie die IT- und Digitalisierungsexperten des IT-Dienstleisters und Softwareherstellers Axians sind am Projekt beteiligt.

Ergänzendes zum Thema
 
Über den Hafen Rotterdam

Weitere Informationen im Think Blog DACH von IBM.

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