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Brancheninitiative Industrie 4.0 Der "Industrie-4.0-Stecker" soll kommen

| Redakteur: Peter Königsreuther

Der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken hat auf der EMO Hannover 2017 die Brancheninitiative der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie für die vernetzte Produktion vorgestellt.

Die an der „Brancheninitiative Industrie 4.0“ des VDW Beteiligten (v. l.): Dr. Klaus Finkenwirth, CEO von Liebherr-Verzahntechnik, Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW, Klaus Winkler, CEO der Gebr. Heller Maschinenfabrik, und VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer bei der Pressekonferenz am ersten EMO-Tag. Die Experten wollen den Maschinenbau erfolgreich in die venetzte, digitale Zukunft bringen.
Die an der „Brancheninitiative Industrie 4.0“ des VDW Beteiligten (v. l.): Dr. Klaus Finkenwirth, CEO von Liebherr-Verzahntechnik, Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW, Klaus Winkler, CEO der Gebr. Heller Maschinenfabrik, und VDW-Geschäftsführer Dr. Wilfried Schäfer bei der Pressekonferenz am ersten EMO-Tag. Die Experten wollen den Maschinenbau erfolgreich in die venetzte, digitale Zukunft bringen.
(Bild: VDW)

„Ziel ist es, einen Standard für die Anbindung unterschiedlichster Maschinensteuerungen an eine gemeinsame Schnittstelle – einen Connector – zu entwickeln und softwaretechnisch zu implementieren“, gab Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW, anlässlich der Pressekonferenz des Verbands bekannt.

DMG Mori, Emag, Grob, Heller, Liebherr, United Grinding, Trumpf und VDW im Kernteam

In der ersten Projektphase ist ein Kernteam mit den Firmen DMG Mori, Emag, Grob, Heller, Liebherr-Verzahntechnik, United Grinding, Trumpf und dem VDW beteiligt. Mit dem geplanten Standard sollen Daten aus unterschiedlichen Maschinen mit unterschiedlichen Steuerungen vieler Generationen ausgelesen und in einem standardisierten Datenformat in die Fertigungsleitsystemen oder in die Cloud befördert werden können, um sie auszuwerten und für Optimierungsaufgaben zu nutzen.

„Dies ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg von Industrie 4.0, gerade auch im Mittelstand“, stellte Prokop fest. Er erwarte allerdings keinen „Big Bang“ bei der Umsetzung von Industrie 4.0, sondern eine kontinuierliche Entwicklung, die der VDW zusammen mit Partnern aus der Industrie vorantreiben wolle. Heute gehe es vor allem um die digitale Vernetzung aller Glieder, die die Produktionskette bilden.

Prokop: „Wir brauchen quasi einen Industrie-4.0-Stecker. Eine flexible Schnittstelle also, um alle beteiligten Systeme an eine beliebige Cloudplattform standardisiert anzubinden.“ Das sei eine komplexe Aufgabe, derer sich der VDW mit der Initiative nun annehme: Erst will man gemeinsam die Schnittstelle spezifizieren. Danach soll ein sogenannter Connectorstack implementiert werden, der Signale aus diversen Steuerschnittstellen nach OPC UA übersetzt. Anschließend soll auf Basis dieser offenen Plattform ein Gateway eingeführt werden, das EDV-Systeme und Clouds per Standardprotokoll sicher anbindet. Im ersten Quartal 2018 sollen bereits Ergebnisse vorliegen.

Grunddatensatz im März 2018

Angestrebt ist die Präsentation eines Grunddatensatzes, der dann öffentlich im Rahmen der üblichen Standardisierungsprozeduren kommentiert werden kann. Es sollen die Anforderungen spezifiziert, die Grundspezifikation programmiert und rund 30 Datensätze beschrieben sein.

Wenn die Daten in einem einheitlichen Format vorliegen, muss noch die Schnittstelle zum „Rest der Welt“ definiert werden. Hierfür gibt es bereits standardisierte Protokolle, ähnlich wie sie von der Übergabe an einen Internetbrowser mittels HTTPS bekannt sind. Der Zugriff auf diese Daten muss allerdings reguliert sein, er erfordert Authentifizierung und Zugangsschutz. Auch müssen Daten gegebenenfalls vorverdichtet und gepuffert werden, da gerade Rohdaten in höherer Auflösung nicht in Echtzeit durch das Netzwerk geschickt werden können, ohne die Maschinenperformance zu beeinträchtigen. All diese Funktionen übernimmt ein Gateway, das als zweite Projektphase spezifiziert und implementiert wird.

Die dritte Projektphase beschäftigt sich schließlich mit dem Test der erarbeiteten Lösungen bei unterschiedlichen VDW-Mitgliedern.

„Darüber hinaus werden wir analysieren, welche Anbieter für Infrastruktur und Cloudservices insbesondere den Bedarf kleinerer und mittelständischer Maschinenhersteller am ehesten abdecken“, beschreibt Prokop das weitere Vorgehen. Stelle die Datenschnittstelle das untere Ende der Vernetzung dar, so müsse am oberen Ende eine möglichst einheitliche technologische Plattform stehen, für die jeder Maschinenhersteller wiederum eigene, pfiffige Apps entwickeln kann, um aus den Daten einen Mehrwert für seine Kunden zu generieren. Damit könne er seine Kompetenz in die Waagschale werfen und sich vom Wettbewerb unterscheiden“, so Prokop.

Kooperation ist der Schlüssel zum Erfolg

Mit dieser Kooperation betreten die Werkzeugmaschinenindustrie und der VDW Neuland. Sie liegt jedoch auf der Hand, denn ein Einzelkämpfer, auch wenn er Branchenprimus ist, stößt schnell an seine Grenzen. Ohne einen allgemein gültigen Standard werden es die Lösungen zu Industrie 4.0 auch schwer haben, Marktakzeptanz und damit auch schnell eine größere Verbreitung zu finden.

„Nach unserer Überzeugung ist es gut und richtig, etwaige Bedenken gegen Kooperationen über Bord zu werfen, das Prinzip des Teilens von Wissen zu übernehmen, davon zu profitieren und an einer gemeinsamen Lösung zu arbeiten“, resümiert Prokop. Mit den Ergebnissen werden auch die Mittelständler sehr schnell handlungsfähig

Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem PartnerportalMaschinenMarkt erschienen.

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