Farming 4.0

Der digitale Landwirt

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Maschinen, die nie müde werden

Die Hersteller der Technologien versprechen mehr Ertrag und effizienteres Arbeiten. Der US-Landmaschinenhersteller John Deere bietet seit einiger Zeit ein automatisiertes Lenksystem für Schlepper an. GPS-Satelliten erfassen dabei das Feld und die Maschine fährt selbstständig die Reihen ab. Der Landwirt überwacht alles aus der Fahrerkabine und kann im Notfall eingreifen. Hersteller John Deere erklärt in einer Pressemitteilung, dass ein automatisiertes Lenksystem im Vergleich zu einem menschlichen Fahrer um etwa 5 % effektiver arbeitet. Hochgerechnet auf einen ganzen Tag verspricht das Unternehmen sogar eine wesentlich höhere Effizienz, da bei einem menschlichen Fahrer zwangsläufig die Konzentration nachlässt und er unpräziser fährt. Arbeitszeit, Betriebs- und Treibstoffkosten ließen sich damit einsparen.

Auch der Chemie-Hersteller Bayer verspricht mit dem „Digital Farming“ den Landwirten, Dünger und Pflanzenschutz viel gezielter einsetzen zu können – und das nicht nur, um Ressourcen zu sparen. Der Landwirt soll dadurch auch „mehr Freizeit“ bekommen, heißt es in einem Werbespot.

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Welche Vorteile ergeben sich für die Landwirtschaft?

Die digitale Landwirtschaft steht für die durchgängige interne und externe informationstechnische Vernetzung bisher isolierter Einzelsysteme. Dadurch entstehen sehr komplexe Produktionssysteme. Vielversprechend sind solche Systeme, da sie ein großes Potenzial aufweisen, um verschiedene Optimierungen im Landbau voranzubringen wie beispielsweise die Einsparung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Macht das den Beruf des Landwirten nicht überflüssig?

Digitale Landwirtschaft bedeutet nicht, dass dann alles vollautomatisch wie in einer Fabrikhalle abläuft. Landwirtschaft ist nicht gleich Industrie. Das liegt daran, dass in der industriellen Produktion in Gebäuden und Hallen an jedem Tag des Jahres dieselben Produktionsbedingungen herrschen. Die Landwirte hingegen arbeiten unter Freilandbedingungen mit einer großen Abhängigkeit vom Wetter. Deshalb wird auch in Zukunft der Landwirt mit seiner Erfahrung unverzichtbar sein und weiterhin im Mittelpunkt eines Betriebes stehen.

Inwiefern können kleine und mittelständische Höfe davon profitieren?

Wir sehen das so, dass auch kleine und mittlere Betriebe sich moderne Technik leisten können. Beim Spargelanbau beispielsweise kann heute mit einer Spargel-App und preiswerten vernetzten Sensoren, mit denen Bodentemperaturen in den Dämmen gemessen werden, hochgerechnet werden, wann der nächste Spargel gestochen werden sollte. Das ist eine große Hilfe bei der Organisation der Ernte, die bereits erfolgreich bei kleinen Betrieben ist.

Vom Bauern zum Manager

Mehr Freizeit könnte Siegfried Schmitt gut gebrauchen. Wenn er nicht draußen auf seinen Feldern ist, arbeitet er vor dem Computer: „Ich verbringe heute schon ein Viertel meiner Zeit vor dem Rechner.“ Sein Vater, von dem er den Hof geerbt hat, hätte das nie verstanden. „Aber das gehört dazu“, sagt Schmitt. Dass die neue Technologie mehr Zeit für den Landwirt bringt, glaubt er nicht: „Wir Landwirte sind selbstständig, und das heißt, dass man immer arbeiten muss. Die Digitalisierung wird uns nicht mehr Zeit bringen.“ Der Beruf allerdings werde sich grundlegend ändern – der Landwirt wird der Manager des Hofes. Und das macht er mithilfe der digitalen Geräte via Smartphone, Tablet oder PC. Die Zukunft stellt sich Schmitt so vor: „Der Chef des Betriebs koordiniert nur noch mithilfe der Geräte.“ Wer dann die Maschinen fährt – der Geselle oder ein Computer – das sei egal.

Betriebe müssen wachsen

Auch wenn die digitale Landwirtschaft in erster Linie mehr Ertrag bringen soll, müssen die Landwirte viel investieren, um die Systeme anzuschaffen. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen müssen durchrechnen, ob sich das überhaupt lohnt. Obwohl Unternehmen gerne versprechen, die Digitalisierung für alle zu ermöglichen, zweifelt Schmitt an der Umsetzbarkeit für alle: „ Für mich lohnt sich zum Beispiel ein automatisiertes Lenksystem nicht. Ich habe insgesamt 220 Hektar Fläche, aber meine Felder sind unterschiedlich groß.“ Das kleinste betrage gerade einmal 0,5 Hektar. „Bis ich den Acker programmiert habe, hab ich ihn auch selber abgefahren.“ Für einige der Systeme benötigen die Landwirte auch die entsprechende Fläche, damit sich die Technologien lohnen.

Deshalb müssten sich die Betriebe verändern, ist sich Schmitt sicher und schlussfolgert: „Der klassische Familienbetrieb stirbt mit den neuen Technologien aus.“ Kleine Betriebe würden mit der Konkurrenz und den wachsenden Vorschriften nicht mehr mithalten können. „Landwirtschaft wird es immer bleiben, aber auf eine andere Art und Weise.“

Dieser Beitrag ist bei unserem Partnerportal konstruktionspraxis erschienen.

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group