Wilo baut Smart Factory

Den digitalen Wandel hautnah miterleben

| Autor / Redakteur: Gerald Scheffels* / Jürgen Schreier

Durchlaufzeiten sollen drastisch sinken

Was das konkret heißt, erklärt Produktionsexpertin Sabine Hempen: „Wir werden in der neuen Fabrik mit radikal verkürzten Durchlaufzeiten arbeiten. Statt bisher dreißig Tage wird es maximal fünf Tage dauern von der Anlieferung der Zukaufteile bis zum Versand der fertigen Pumpe – und einen Tag für den Durchlauf durch die Produktion. Deshalb haben wir das Projekt prägnant ‚Produktion 5+1‘ genannt.“

Damit einher gehen laut Hempen eine deutlich schlankere Produktion und eine massive Senkung des Warenbestands in der gesamten Fertigungskette. Auf unnötige Lagerhaltung bei Rohmaterial und Zwischenprodukte kann man also künftig verzichten. Stattdessen sollen die benötigten Teile immer genau dann verfügbar sein, wenn sie verbaut werden.

Das setzt eine sehr viel präzisere durchgängige Planung nach einem von Porsche Consulting entwickelten Prinzip voraus, das eine Steigerung der Lieferfähigkeit zur Folge hat – und eine sehr viel engere Einbindung der Zulieferer, die nun in kürzerer Taktung exakt das liefern, was an den Wilo-Montagestationen benötigt wird. Hier stand, was bei einem Blick auf die Anlagen deutlich wird, die Automobilindustrie Pate. Das gilt auch für die wegeoptimierte Fertigung.

Produktionsprogramm passt sich automatisch neuen Gegebenheiten an

In der Smart Factory, die in Dortmund entsteht, werden die heutigen Produktions- und Produktionsplanungsprozesse digital unterstützt. Vernetzte Maschinen und Produkte sollen eine Echtzeitprüfung von Prozessdaten in der gesamten Produktion ermöglichen, wobei der ständige Datenaustausch dazu führen wird, dass auf kurzfristige Änderungen der Nachfrage noch flexibler und bedarfsgerechter reagiert werden kann. Konsequenz: Das Produktionsprogramm wird automatisch an die neuen Gegebenheiten angepasst. Auch das gradliniges Wegenetz innerhalb der neuen Fabrik soll einen wesentlichen Beitrag leisten, um die Transparenz zu erhöhen und den Handhabungsaufwand zu reduzieren.

Wilo-CTO Markus Beukenberg betont: „Die Automobilhersteller produzieren schon lange mit großer Varianz in Losgröße eins. Davon können wir lernen und den Kunden damit innerhalb sehr kurzer Zeit exakt das Pumpensystem liefern, das sie wünschen – gefertigt in Deutschland und nach höchsten Qualitätsansprüchen.“ Dabei sieht sich Wilo als digitalen Pionier in der Pumpenwelt, der Prozesse gestalten will – sowohl bei den eigenen Produkten, die IoT-fit immer häufiger über digitale Schnittstellen verfügen, aber auch in der Produktion, die künftig den Grundprinzipien von Industrie 4.0 folgen soll.

Neue Prozesse werden in Pilotumgebung erprobt

Diese Prozesse sind für Wilo neu, sofern sie sich auf die Produktion beziehen, und sie werden in den ersten Fertigungsbereichen bereits erprobt – in einer Pilotumgebung, die noch in temporären Leichtbauhallen auf dem Firmengelände untergebracht ist. Bei diesem Piloten geht es aber nicht nur um das Üben der Prozesse, sondern auch um die Kommunikation mit den Mitarbeitern: Ihr Unternehmen und auch ihr Arbeitsplatz, so viel steht fest, wird sich verändern.

Die Mitarbeiter sollen so früh wie möglich sehen und erleben, wohin die Reise geht. Dass sie davon profitieren, steht für das Unternehmen fest: Sie werden unter besten Bedingungen in einer hochmodernen und -effizienten Fabrik arbeiten.

Event zum Thema Am 06. Juli findet in Kön der Reality Check 4.0 statt. Georg Weber von WILO SE wird darüber berichten, welche Hürden und Schwierigkeiten beim Bau der neuen Fabrik aufgetreten sind und wie diese bewältigt wurden. Sichern Sie sich noch heute Ihr Ticket

*Gerald Scheffels ist freier Journalist in Wuppertal.

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