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Expertenbeitrag

 Mathias Golombek

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CTO

Umfrageergebnisse Datengetriebene Geschäftsmodelle – sind Cloud-Dienste die beste Grundlage?

| Autor / Redakteur: Mathias Golombek / Sebastian Human

Der Wert von Daten für Unternehmen ist unbestritten. Laut einer aktuellen Studie verfügen in Deutschland bereits 97 Prozent der Befragten über eine entsprechende Strategie. Doch das ist bei weitem nicht das interessanteste Ergebnis der Untersuchung.

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Die Nutzung von Daten wird immer wichtiger für den Geschäftserfolg – auch abseits rein datengetriebener Geschäftsmodelle.
Die Nutzung von Daten wird immer wichtiger für den Geschäftserfolg – auch abseits rein datengetriebener Geschäftsmodelle.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Viele Unternehmen haben mittlerweile eine Strategie definiert, wie sie die ständig zunehmenden Datenmengen verwalten wollen. Dennoch mangelt es hier und da bei der praktischen Umsetzung: Oft gibt es noch Hürden auf dem Weg der digitalen Transformation, wie die vorhandene Infrastruktur, nicht klar definierte Verantwortlichkeiten oder gar fehlende Kompetenzen und zu kleine Budgets. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine umfassende Studie von Sapio Research – auch die Details liefern interessante Erkenntnisse.

Viele Unternehmen beschäftigen sich gerade damit, wie sie den größten Nutzen aus ihren Daten ziehen können. Und mehr noch. Sie stellen sich Fragen wie:
Wie geeignet ist unsere Infrastruktur? Wie steht es um die Bereitschaft unserer Mitarbeiter, ein datengetriebenes Business-Modell zu adaptieren?

Die Studie Datenstrategie und Unternehmenskultur: Voraussetzungen auf dem Weg zur Cloud von Sapio Research, im Auftrag von Exasol, zeichnet ein umfassendes Bild von der Situation in den Unternehmen. Die Marktforscher befragten jeweils über 500 C-Level-Entscheider in Deutschland, Großbritannien, den USA und China. Alle Teilnehmer gaben an, in ihrem Unternehmen in irgendeiner Art für die Erfassung und Nutzung von Daten verantwortlich zu sein – also entweder diesbezügliche Entscheidungen treffen oder beeinflussen zu können. Die Studie gibt also eindeutig die Sicht des Managements wieder und repräsentiert verschiedene Branchen, wie zum Beispiel den Handel, E-Commerce, Finanzdienstleistungen und die Gesundheitsbranche. Es werden unterschiedliche Unternehmensgrößen repräsentiert.

Mehrere Personen sind für die Daten verantwortlich

Die wichtigste Erkenntnis ist erfreulich und war in dieser Deutlichkeit nicht unbedingt zu erwarten: Die Frage, ob es im eigenen Unternehmen eine Daten-Strategie gäbe, beantworteten 97 Prozent der Befragten in Deutschland mit „ja“. Die internationalen Unterschiede erwiesen sich dabei als minimal. Die chinesischen Antworten – 100 Prozent bejahten – sind recht auffällig, mit jeweils 96 Prozent bewegen sich die amerikanischen und britischen Unternehmen auf einem ähnlich hohen Level.

Sehr unterschiedlich und damit wirklich interessant sind die Antworten auf die Frage, wer genau für die Daten-Strategie im Unternehmen zuständig sei. Die Befragten hatten die Möglichkeit, mehrere Verantwortliche anzugeben – und taten dies auch.

In 64 Prozent der 503 teilnehmenden deutschen Unternehmen ist der Chief Data Officer (CDO) zumindest teilweise verantwortlich, 61 Prozent gaben den Chief Information Officer (CIO) an und 54 Prozent den Chief Technical Officer (CTO). Ebenfalls häufig wurden weitere Management-Positionen genannt, wie der Chief Executive Officer (CEO, 47 Prozent), der Head of Data Security (44 Prozent), Head of Data Science (37 Prozent), Head of Data Governance (36 Prozent), Head of Business Intelligence (36 Prozent) und der Head of Analytics (32 Prozent).

Die Angaben sind vielfältig, was lässt sich also daraus ablesen?

Unternehmen verteilen die Verantwortung für die Daten-Strategie auf mehrere Entscheider, die aus unterschiedlichen Bereichen stammen. Letztlich ist dies recht sinnvoll, nimmt doch die Daten-Strategie Einfluss auf alle Geschäftsbereiche und sollte möglichst im Einklang mit dem obersten Management festgelegt werden.

Schaut man von der anderen Seite auf die Ergebnisse, zeichnet sich ein interessanteres Bild ab: Die Marktforscher fragten auch, wer nicht für die Daten zuständig ist.
So sagten 22 Prozent, zwar einen CDO zu haben, doch trägt dieser keine Verantwortung für die Daten-Strategie. Fast irritierend sind die Antworten in Bezug auf den Head of BI und den Head of Analytics: Obwohl diese Positionen besetzt sind, gab jeweils mehr als die Hälfte der Befragten an, dass diese Manager hierfür nicht verantwortlich seien. Wurden hier nur ausführende Bereiche geschaffen, die jedoch keinen echten Einfluss auf die datengetriebene Zukunft ihrer Organisation haben?

Die Infrastruktur als Hemmschuh der Entwicklung

Obwohl fast alle Unternehmen angeben, eine Daten-Strategie definiert zu haben und fast ebenso viele der Teilnehmer (83 Prozent) davon überzeugt sind, dass Daten eine strategisch wichtige Rolle spielen, mangelt es an der Umsetzung. Dieses Fazit lässt sich jedenfalls ziehen, wenn 84 Prozent zugleich angeben, ihre Infrastruktur mache den Zugang zu Daten zur Herausforderung. Warum ist das so?
Hier lohnt ein Blick ins Detail: Welche sind die größten Hemmnisse?

  • Zu viele neue Datenquellen, sagen 28 Prozent
  • Die Datenmenge ist zu groß: 25 Prozent
  • Veraltete Infrastruktur: 23 Prozent
  • Zu wenig Agilität: 22 Prozent
  • Zu wenig Budget: 19 Prozent
  • Begrenzte Performance: 19 Prozent
  • Generelle Vorbehalte gegenüber der aktuellen Entwicklung: 18 Prozent
  • Mangelnde Datenkompetenz und schlechte Daten-Qualität: je 17 Prozent

Mehr als drei Viertel der Befragten kämpfen derzeit massiv mit Performance-Engpässen. Und nur 7 Prozent sehen in ihrer Organisation keine Barrieren auf dem Weg zu einem datengetriebenen Unternehmen.

Neben infrastrukturellen Herausforderungen fallen die auf den ersten Blick weicheren Faktoren ins Auge. Mangelnde Agilität, generelle Vorbehalte oder auch fehlende Kompetenzen im Bereich Data Analytics sind kulturelle Aspekte, die ein Unternehmen nicht von heute auf morgen entwickeln kann. Ganz wichtig ist an diesem Punkt eine klare Strategie, die vom Management definiert wird und hinter dem das Unternehmen auch steht. Dass vielerorts nicht alle wichtigen Ansprechpartner mit im Boot zu sitzen scheinen, macht die Sache keineswegs einfacher.

Bei der Verantwortung für die Daten-Strategie eines Unternehmens gibt es Unterschiede zwischen den Unternehmen.
Bei der Verantwortung für die Daten-Strategie eines Unternehmens gibt es Unterschiede zwischen den Unternehmen.
(Bild: Exasol AG)

Cloud-Infrastruktur als Lösung für alles?

Für viele der infrastrukturellen Fragen gibt es jedoch Lösungen: 94 Prozent der Befragten halten Cloud-Modelle für hilfreich, um Daten zugänglich zu machen und zu nutzen. Ein Blick auf die aktuelle Nutzung der Cloud zeigt: Beinahe alle arbeiten bereits in irgendeiner Form auf der Basis einer Cloud-Infrastruktur. 39 Prozent setzen auf eine Hybrid Cloud, also einen Mischbetrieb aus Cloud und On-Premise. 28 Prozent arbeiten mit einem Public Cloud Provider zusammen, 16 Prozent nutzen die Services mehrerer Provider. 14 Prozent haben sich eine Private Cloud eingerichtet. Ganze drei Prozent verzichten komplett auf die Cloud.

Die ersten bedeutenden Schritte in die richtige Richtung sind also bereits getan, viele Unternehmen sind überzeugt davon, dass Cloud Services die Infrastruktur leistungsfähiger gestalten. Die bisherigen Erfahrungen bestätigen dies: Mehr als zwei Drittel der Befragten glauben, dass die Migration von Workloads in die Cloud einen insgesamt positiven Einfluss auf ihre Arbeit mit den Daten hat.

Auf die Frage, was genau sich verbessert habe, antworteten die Teilnehmer: Für 46 Prozent wurde der Zugang zu und die gemeinsame Nutzung von Daten einfacher. 45 Prozent sagen, sie seien deutlich agiler, 41 Prozent freuen sich über kürzere Antwortzeiten bei Abfragen. Jeweils gut zwei Drittel der Entscheider nannten als positives Ergebnis der Cloud-Nutzung, dass sich komplexere Daten-Analysen nun einfacher und damit häufiger durchführen lassen, Daten-Anwendungen schneller entwickelt werden und signifikant mehr User die Daten nutzen können.

Doch wie sieht es mit den Kosten aus? Ist es nicht bei jedem Projekt ein Hauptargument, wie wichtig es ist, diese zu mindern? 28 Prozent der Unternehmen gaben an, durch die Nutzung von Cloud Services die Kosten gesenkt zu haben. Das zeigt vor allem eines: Zwar ist eine Kostenreduktion möglich, allerdings ist dies nicht das Hauptargument für die Cloud. Der Zugang zu Daten, eine höhere Agilität und Flexibilität, Continuous Delivery sowie die zügige Bereitstellung von Anwendungen und, nicht zu vergessen, eine hohe Performance bei der Daten-Analyse sind wichtigere Voraussetzungen, um den Weg zum datengetriebenen Unternehmen erfolgreich zu gehen.

Deutschland im Vergleich zu den USA, Großbritannien und China

Die Umfrage von Sapio Research und Exasol zeigt darüber hinaus, dass die Erwartungen und die Erfahrungen weltweit nicht allzu unterschiedlich sind. Die Umfragewerte in Deutschland, Großbritannien und den USA weichen kaum voneinander ab.

Etwas größere, wenn auch keine signifikanten Unterschiede werden beim Blick auf China deutlich: So nutzen chinesische Unternehmen beispielsweise deutlich häufiger ein Hybrid-Cloud-Modell (52 Prozent, im Vergleich: Großbritannien 32, USA 38 und Deutschland 39 Prozent). Die Private Cloud hingegen ist fast gar nicht verbreitet (3 Prozent, im Vergleich: Großbritannien 22, USA 19, Deutschland 14 Prozent).

Auch stehen chinesische Unternehmen der Cloud generell offener und mit mehr Vertrauensvorschuss gegenüber. Weit mehr Befragte als in den anderen Ländern befürworteten es, typische Data Analytics Workloads wie Data Warehouse, Predictive Analytics und Data Science, BI und Reporting, Data Lake sowie ETL-Prozesse in die Cloud zu verlagern. Und noch etwas war auffällig anders: In China stehen auch die Mitarbeiter einer Daten-Strategie eher positiv gegenüber. Zumindest gaben das mehr als die Hälfte der befragten Entscheider an. Während in Großbritannien nur 15 Prozent datenbasierte Methoden ausschließlich positiv beurteilen, sind dies in Deutschland immerhin ganze 34 Prozent.

Hier wird deutlich, dass sowohl eine leistungsfähige Infrastruktur vorhanden sein als auch ein kultureller Wandel in den Unternehmen stattfinden muss. Vorbehalte aus Gründen des Datenschutzes, wegen mangelnder Kompetenz oder Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes müssen diskutiert und beseitig werden. Denn Daten und deren bestmögliche Nutzung werden künftig über den Geschäftserfolg entscheiden.

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