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Expertenbeitrag

Mauro Adorno

Mauro Adorno

Geschäftsführer, ToolsGroup GmbH

Supply Chain

Datenfehler in der Supply Chain automatisch erkennen und korrigieren

| Autor/ Redakteur: Mauro Adorno /

Egal ob selbstfahrende Autos, Gesichtserkennung oder Sprachassistenten – Künstliche Intelligenz (KI) ist auf dem Vormarsch. Doch wie sieht das in der Supply-Chain-Planung aus?

Die Supply-Chain-Planung ist eine hochkomplexe Aufgabe, bei der KI eine wertvolle Unterstützung sein kann.
Die Supply-Chain-Planung ist eine hochkomplexe Aufgabe, bei der KI eine wertvolle Unterstützung sein kann.
( Quelle: Pixabay )

Auch wenn die Supply-Chain-Planung immer mehr automatisiert wird, ist es für die meisten Disponenten schwierig, die Hände vom Lenkrad zu nehmen und die Technologie die Arbeit machen zu lassen. Allerdings stimmen die meisten Planer wohl darin überein, dass ein Job, den sie gerne an die KI delegieren würden, die Datenbereinigung ist. Die Datenqualität ist auch in der Supply-Chain-Planung ausschlaggebend für den Erfolg. Die Aufarbeitung schlechter Daten, das Erfassen und Korrigieren von Datenfehlern wird nicht selten mit viel manuellem Aufwand von Planungsteams betrieben.

Fehler, Fehler, überall Fehler

Denn Supply-Chain-Datenfehler können in Beschreibungen, Identifikatoren, Klassifizierungscodes, Steuerungsvariablen und an vielen anderen Stellen gefunden werden. Fehler können das Ergebnis falscher menschlicher Eingaben, falscher Beziehungen zwischen Datenelementen und Datensätzen, einer falschen Ausgabe von statistischen Optimierern, mangelhafter EDI-Übertragungen und anderer Ursachen sein. Und da die Daten der Lieferkette miteinander verbunden sind, kann ein Fehler in einem Feld schnell zu Fehlern in einem anderen Feld führen.

Supply-Chain-Fehler können auch sehr subtil sein, wenn es um obskure Anwendungsdaten geht, die nicht regelmäßig überprüft werden. Für jeden bekannten Fehlertyp gibt es zwangsläufig Hunderte von unbekannten Typen, und für jeden bekannten Fehler kann es Tausende von anderen geben, die so lange unentdeckt bleiben, bis sie Probleme verursachen.

Angesichts der Tatsache, dass die Supply Chain gerade dabei ist, sich zum Netzwerk der Netzwerke zu entwickeln, werden Datenfehler künftig immer häufiger zutage treten. Ihre Auswirkungen werden im gesamten Unternehmen und noch darüber hinaus stärker spürbar sein.

Von der Unmöglichkeit, manuell Fehler in komplexen Lieferketten zu finden

In einer großen Lieferkette ist es nicht möglich, einzelne Fehler mit traditionellen Ansätzen zu finden und auszumerzen. Selbst der erfahrenste Planer kann nur noch einen Bruchteil der vorhandenen Anomalien finden. Die Erstellung einer ausreichend großen Stichprobe von Beispielfällen ist ein sehr zeitaufwendiger Prozess. Es gibt einfach zu viele Daten, als dass ein manueller Ansatz in einer großen oder komplexen Lieferkette sinnvoll wäre.

Die Grenzen prädiktiver Modelle

Wenn ein gewisser Grad an Automatisierung heutzutage in der Datenbereinigung eingesetzt wird, dann sind das prädiktive Modelle. Aber da es sich dabei meist um mathematische Funktionen handelt, können sie zwar deutlich machen, dass sie einen Datensatz für einen Ausreißer halten, aber nicht erklären, warum. Dies macht es, besonders in einer dynamischen Supply-Chain-Umgebung, schwierig, Ausreißer zu verstehen, zu verwalten oder zu ändern.

Wie KI Abhilfe schaffen kann

Einen besseren Ansatz verfolgt die sogenannte sich selbst korrigierende Supply Chain, die Künstliche Intelligenz einsetzt, um Fehler in Supply-Chain-Daten automatisch zu finden und zu beheben. Das schließt auch vergangene Datenfehler ein. Zudem werden Methoden des maschinellen Lernens eingesetzt, durch die das Modell sein Wissen darüber, wie man solche Fehler erkennt und korrigiert erweitert. Dieses wird genutzt, um aktuell auftretende Datenfehler zu korrigieren, bevor sie sich negativ auf Produktion oder Prozesse auswirken können.

Bei diesem Ansatz zur Korrektur von Supply-Chain-Daten schauen Experten nicht auf Hunderte oder Tausende von verdächtigen Datensätzen. Sie untersuchen nur eine Handvoll Regeln, die alle Anomalien in den Daten qualifizieren. Wird nur eine Anomalie-Regel entfernt, können so automatisch Tausende korrespondierende tatsächliche Anomalien beseitigt werden.

Die sich selbst korrigierende Supply Chain

Der Ansatz der sich selbst korrigierenden Supply Chain nutzt Live-Daten in Supply-Chain-Anwendungen und -Workflows vom Materialeinsatz bis zur Produktverteilung. Das Wissen, die Erfahrung und die Kompetenz von Planern und anderen Experten wird auf höchst effiziente und effektive Weise verwendet. Im Grunde genommen gleicht dieser Ansatz einem intelligenten Assistenten, der den Planern hilft, ihre alltäglichen Aufgaben effektiver zu erledigen.

 

Die sich selbst korrigierende Supply Chain ist ein dreistufiger Prozess:

  1. Das Modell findet Beispiele für Anomalien in historischen Daten und erstellt Regeln für natürliche Sprachtypen, die dann von einem Fachplaner oder IT-Datenbankexperten überprüft werden.
  2. Verdächtige Datensätze, die vorher bereits markiert wurden, werden genutzt, um das logische Modell zur Korrektur der Datenfehler zu erstellen.
  3. Das Modell prüft automatisch und kontinuierlich neue Daten und findet und ersetzt fehlerhafte Datensätze im Produktionssystem.

 

Der Einsatz von KI in der Supply-Chain-Planung hilft dabei, die Fehlerbereinigung zu automatisieren. Anstatt die Daten der Lieferkette selbst zu bereinigen, lassen die Planer diese mühselige Arbeit von der KI erledigen und können sich auf die Aufgaben konzentrieren, bei denen sie ihr Wissen und die menschliche Intelligenz besser einsetzen können.

 

Über den Autor

Mauro Adorno

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Geschäftsführer, ToolsGroup GmbH

gemeinfrei; Pexels; Photo by Vlad Tchompalov on Unsplash; Quelle: Pixabay; Avnet Integrated; fischertechnik; Axians; Medisana/Oliver Eltinger; Vogel Communications Group