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Interview

Das Unternehmen auf das Niveau der Studenten bringen

| Autor/ Redakteur: Philipp Uhl / Sebastian Human

CDOs gelten als treibende Kraft der digitalen Transformation, doch die Anforderungsprofile sind höchst individuell und Experten rar. Die Ausbildung natürlicher Autoritäten aus den eigenen Reihen ist nicht nur günstiger, sie bietet noch weitere Vorteile.

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Mit dem CDO-Programm der Munich Business School erwerben die Teilnehmer in 12 Wochen umfassende Digitalisierungskompetenzen, erlernen innovative Managementmethoden und qualifizieren sich zum Chief Digital Officer Ihres Unternehmens.
Mit dem CDO-Programm der Munich Business School erwerben die Teilnehmer in 12 Wochen umfassende Digitalisierungskompetenzen, erlernen innovative Managementmethoden und qualifizieren sich zum Chief Digital Officer Ihres Unternehmens.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Herr Prof. Seif, wie kam die Munich Business School (MBS) auf die Idee, eine Ausbildung zum CDO anzubieten?

Die Idee hat ihren Ursprung in einem Gespräch mit mehreren Führungskräften deutscher Konzerne. Am Anfang der Diskussion stand die Frage, warum sich unsere Studenten so schwertun, mit ihren erworbenen digitalen Fähigkeiten aus dem Studium in deutschen Unternehmen Fuß zu fassen. Die Antwort eines Vorstandes eines DAX-Konzerns verblüffte mich: „Sie müssen das Unternehmen hinsichtlich digitaler Fähigkeiten erst einmal auf das Niveau der Studenten bringen“. Warum also digitale Kompetenzen nur an unsere Studenten vermitteln und nicht auch an Professionals? Das war der initiale Startpunkt für das CDO-Programm der MBS.

Konnten Sie die Hochschulführung der MBS sofort vom CDO-Programm überzeugen?

Ehrlich gesagt, gab es kontroverse Diskussion dazu. Einerseits wurde – berechtigterweise – darüber diskutiert, ob eine einzige Person alleine überhaupt die komplette Digitalisierungsverantwortung übernehmen kann. Andererseits gibt es Führungspersönlichkeiten, gerade im mittleren Management jedes Unternehmens, die mit natürlicher Autorität die digitale Transformation prägen können. Ihnen fehlt jedoch häufig das Handwerkszeug dazu. Genau für jene haben wir mit unseren Partnern das CDO-Programm konzipiert. Des Weiteren wurde darüber beraten, ob Inhalte zur Digitalisierung aus der Hochschullehre mit angemessenem Aufwand so aufbereitet werden können, dass sie erfahrenen Berufstätigen auch tatsächlich essentielles Know-how vermitteln können. Nach sorgfältiger Abwägung und eingehender Marktanalyse hat sich die Hochschulleitung der MBS schließlich sehr bewusst dafür entschieden, das CDO-Programm im Bereich Professional Education aufzunehmen – ganz im Sinne des Life-Long-Learning Prinzips.

Warum sollte ein Unternehmen seinen CDO selbst auszubilden?

Die Digitalisierung ist das anhaltend bestimmende Thema in den Führungsetagen deutscher Unternehmen. Nun stellt sich die Frage, wie man das für sein Unternehmen am besten zur Chefsache macht. Ein geeigneter Weg ist es, einen Verantwortlichen im Board zu bestellen, der die digitale Transformation im Unternehmen vorantreibt: den CDO. Allerdings gehen die Vorstellungen an das Anforderungsprofil eines CDO noch stark auseinander und Experten für die digitale Transformation sind rar – beziehungsweise auf dem Arbeitsmarkt schwer zu bekommen und somit sehr teuer. Eine Ausbildung zum CDO aus den eigenen Reihen anstatt jemanden von außen für diese Position einzustellen ist nicht nur kostenseitig günstiger. Auch die Anschlussfähigkeit an das eigene Unternehmen ist deutlich besser, da das bereits vorhandene unternehmensinterne Netzwerk für eine Beschleunigung der digitalen Transformation genutzt werden kann.

Warum die Fahrt ins Silicon Valley, was lernen die Teilnehmer dort?

Es ist natürlich deutlich mehr als die, ich sage mal „Kaffeefahrten“, die in diesem Zusammenhang vielfach angeboten werden. Bei der digitalen Transformation ist es äußerst hilfreich, von den Erfahrungen jener lernen zu können, deren Tagesgeschäft die Digitalisierung seit jeher ist: den „Digital Champions“, die das Silicon Valley erst zu ihrem Zentrum gemacht haben. Meine Kontakte über UNITY und das MBS-Netzwerk helfen uns, echte Gestalter der Digitalen Arbeitswelt bei ihrer Tätigkeit zu erleben, und eben nicht nur Touri-Guides, die mit den Teilnehmern lediglich ein Vorzimmer oder VR-Showroom besuchen.

Mit dem Programm an der Stanford University und dem umgebenden digitalen Eco-System des Silicon Valley haben wir die ideale Möglichkeit zur Immersion, das heißt zum richtigen Eintauchen in den digitalen Arbeitsalltag – vor allem für deutsche Führungskräfte. Diese Erfahrung hilft, den zündenden Spirit erleben und mitnehmen zu können und für das eigene Unternehmen zu adaptieren. Auch im Studiengang selbst widmen wir uns den individuellen Herausforderungen der Teilnehmer in ihren jeweiligen Unternehmen.

Wie haben Sie die Partner für den Studiengang gewählt?

Die Innovationswerkstatt als Partner für das CDO-Programm zu gewinnen, war für uns deshalb wichtig, weil dort stets am Puls der Zeit gearbeitet wird. Das Loft 18 in Amberg ist bestens geeignet für das Programm, da hier auf dem neuesten Stand der Medientechnik in einer äußerst inspirierenden Umgebung gearbeitet wird.

Matchlab ist ein hochkarätig kuratiertes Netzwerk im Silicon Valley, das ambitionierte Führungskräfte mit Digital Champions aus dem Silicon Valley zusammenbringt und praxisbezogene Lernerfahrungen entwickelt, die unternehmerisch inspirieren und zum Handeln anregen – also ein idealer Partner für unser CDO Programm.

Bei der Suche nach einem geeigneten Medienpartner stießen wir sehr schnell auf Next Industry mit seinem branchenübergreifenden Konzept. Insbesondere das Ableiten der kommenden Management-Aufgaben aus dem technologischen Fortschritt ist ja genau unser Thema. Bei den ersten Gesprächen mit der Geschäftsführung hat sich gezeigt, dass wir die gleiche Sprache sprechen.

Wie ist derzeit die Resonanz auf das CDO Programm?

Zu den ersten erfolgreich durchgeführten Probeläufen (sogenannte „Pretotypes“) des CDO-Programms hatten wir rund 30 Bewerbungen für die 12 Startplätze und mussten eine Auswahl treffen. In maximal drei Sätzen sollten die Bewerberinnen und Bewerber erläutern, warum sie die Richtigen für das CDO-Programm sind. Daraufhin wurden jene 12 mit den inspirierendsten Antworten angenommen. Das Feedback der ersten Teilnehmer zu den Inhalten des CDO-Programms war durchweg positiv. Besonders das akademisch fundierte Vorgehen wurde geschätzt. Auch einige Vorschläge zu Ergänzungen und Verbesserungen waren darunter, die wir für den offiziellen Start im September bereits eingearbeitet haben.

Einige wenige Plätze sind hierzu noch verfügbar. Näheres dazu finden Sie auf der Seite der Munich Business School.

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