Auf dem Weg zu einen Massenmarkt Das Smart Home wird erwachsen

Redakteur: Hendrik Härter

Eine Frage treibt die Akteure des Smart Home um: Es hapert an einer einfachen und einheitlichen Lösung! Viele reden aneinander vorbei und so wird es fast unmöglich, ein smartes Zuhause reibungslos umzusetzen.

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Die Kommunikation mit den Komponenten des Smart Home sollte nicht nur einfach, sondern auch einheitlich sein.
Die Kommunikation mit den Komponenten des Smart Home sollte nicht nur einfach, sondern auch einheitlich sein.
(Bild: Clipdealer)

Rund 150 Teilnehmer beschäftigten sich auf dem 11. Kongress der Smart Home Initiative Deutschland e.V. in Hannover auf Impulsvorträgen und Workshops mit der Frage: „Wo steht Smart Home heute und wo wird die Entwicklung der Branche hinführen?“. Staatssekretär Gunther Adler vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit war als Schirmherr angereist.

Smart Home sei lange kein Nischenthema mehr, sagte Adler in seinem Grußwort. „Es stellt ein Schwerpunkt unserer Arbeit im Ministerium dar. Wir sind eine alternde Gesellschaft und darauf müssen wir reagieren. Bis zum Jahr 2030 wird sich in Deutschland die Zahl der über 80-Jährigen verdoppeln – solange die Menschen agil sind, ist das toll, aber wir müssen dafür alle Möglichkeiten mobilisieren. Und genau diese Möglichkeiten sucht und bietet das Thema Smart Home.“

Auch er persönlich sei betroffen, verriet Adler, denn auch er wolle es seinen Eltern ermöglichen, solange als möglich selbstständig in ihren eigenen vier Wänden leben zu können. So wurde bereits im Grußwort klar, dass hinter dem oft abstrakt benutzten Begriff „Smart Home“ viel mehr steckt als nur eine technische Spielerei für Digital Natives, sondern potentiell eine Gesellschaftsaufgabe.

Einfache und einheitliche Kommunikation ist der Knackpunkt

Es tauchte eine Frage immer wieder auf: Es hapert an einer einfachen und einheitlichen Kommunikation. „Der Markt für Smart Home ist da. Wir haben schon vieles erreicht. Aber: Wir verfranzen uns in technischen Erklärungen und überambitionierten Lösungen. Wir müssen die Smart-Home-Erklärer der Nation werden“, mahnt Smart-Home-Deutschland-Geschäftsführer Alexander Schaper. „Wir dürfen die Kunden nicht überfordern mit unverständlich ausgedrückten und übertechnisierten Erklärungen. Wir müssen Smart Home herunter brechen auf den kleinstmöglichen, auch wirklich umsetzbaren Nenner. Ansonsten vergraulen wir uns die interessierten Kunden und verbauen uns unsere Chance, unser Ziel zu erreichen – nämlich ein Massenmarkt zu werden.“

Von einer ähnlichen Problematik wusste auch Ute Juschkus vom RKW Kompetenzzentrum aus der Praxis zu berichten. Denn: Anbieter, Planer, Systemintegratoren und Akteure am Bau redeten meist aneinander vorbei, sagte Juschkus. So werde es fast unmöglich, ein smartes Zuhause reibungslos vom Plan in die Tat umzusetzen. In ihrem Vortrag mit dem Titel „Sprechen Sie Bau?“ stellte sie den Versuch an, die Kommunikation mit der Bauwirtschaft anhand dreier handfester Tipps zu vereinfachen:

  • 1. Technische Lösungen vereinfachen und Komplexität herunterfahren,
  • 2. Einfache Lösungen auch einfach erklären und
  • 3. Alles marktkompatibler denken, also an die längere Produktlebensdauer der Gebäude und deren Nutzungszeiträume anpassen.

IT-Giganten scheitern am Smart Home

Eine ernüchternde Bilanz zum aktuellen Zustand auf dem Smart-Home-Markt zog Prof. Dr. Christian Pätz von der TU Chemnitz. „Apple, Google und Co. kochen auch nur mit Wasser, und das noch nicht einmal gut“, fasste er die Bemühungen der IT Giganten zusammen, die jeweils eigene Lösung überzeugend auf den Markt zu bringen.

Den marketingstarken Ankündigungen, Smart Home zu revolutionieren und künftig die einzig wirklich Erfolg bringende Lösung zu etablieren, folgen in der Regel enttäuschende, schwache Smart-Home-Lösungen, die an Markt und Kunden vorbei denken. Seiner Auffassung nach seien es vielmehr die kleineren, innovativen Anbieter, die auf lange Sicht den Markt bestimmen würden. „Watch the rising stars“, sagte Pätz. „Denn sie verkaufen reale Produkte an reale Kunden für reales Geld, um reale Probleme zu lösen.“

Smartes Wohnen auf Flatrate als Konzept von morgen?

Einen möglichen Blick in das Wohnen von morgen steuerte Lars Hinrichs, bekannt als Gründer der sozialen Online-Business-Plattform XING, zum Kongress bei. Mit seinen smarten Flatrate-Mietwohnungen „Apartimentum“ in Hamburg will er das Thema Wohnen und Mieten neu denken, und zwar smart. „Insgesamt haben wir 34 IP-Systeme, das beginnt vor dem Haus mit freiem WLAN, Tür und Fahrstuhl öffnen sich automatisch, wenn der Mieter ankommt, dann geht es weiter über intelligente Lichtsteuerung.

Das gesamte Thema Energie ist smart abgedeckt, selbst die Badewanne ist intelligent,“ berichtet Hinrichs. Das Ganze können Mieter für einen begrenzten Zeitraum zur hochpreisen Flatrate-Miete voll ausgestattet nutzen. Ob sein Wohnkonzept aber auch das Potential habe, sich zum Konzept von morgen zu entwickeln werde, liege für Hinrichs vor allem an den (Be)nutzern selber. „Ich sehe, dass die Nachfrage enorm groß ist und die Preise weiter fallen. Aber: Wenn Sie plötzlich von dieser Gimmick-Ebene auf die Funktionalitätsebene kommen – wenn Ihnen also irgendwann mal Kameras hinter den Spiegeln sagen, dass Sie einen neuen Leberfleck haben und mal zum Arzt gehen sollen, dann sind wir in einem Smart Home, das ich nicht haben will.“

Dieser Beitrag erschien zunächst auf unserem Partnerportal ELEKTRONIKPRAXIS

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