Ratgeber Das sind die 5 größten No-Gos im Online-Recruiting

Autor: Sebastian Hofmann

Was erwarten Jobinteressenten von einem guten Bewerbungsprozess? Wie stechen Sie aus einer Masse an Arbeitgebern heraus? Eine neue Studie liefert Antworten. Welche, und was sie für Ihren Betrieb bedeuten, das lesen Sie hier.

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Längst suchen Abteilungen auch online nach geeignetem Fachpersonal, doch auch hier gilt es ein paar Dinge zu beachten – und zu vermeiden.
Längst suchen Abteilungen auch online nach geeignetem Fachpersonal, doch auch hier gilt es ein paar Dinge zu beachten – und zu vermeiden.
(Bild: ©NicoElNino - stock.adobe.com)

Es gab eine Zeit, da mussten Unternehmen Mitarbeiter nicht lange suchen. Fachkräftemangel war ein Fremdwort und die luxuriöse Aufgabe eines Personalers bestand darin, die Besten aus einer Menge herauszupicken. Dagegen wirkt das heutige Bild wie ein Negativabzug: „Längst schon suchen Fachkräfte nicht mehr die Firmen, sondern Firmen die Fachkräfte“, weiß Mathias Heese, Geschäftsführer des Recruitingsoftware-Anbieters Softgarden. „Zudem findet das Recruiting fast ausschließlich online statt. Das stellt viele Arbeitgeber vor Herausforderungen.“

Mit seinem Team hat Heese jetzt in einer Studie untersucht, was Jobinteressenten von einem guten digitalen Bewerbungsprozess erwarten und was die größten No-Gos sind. Wir haben die fünf wichtigsten Erkenntnisse zusammengestellt und den Experten gefragt, was Betriebe besser machen können.

Zur Datenerhebung

Im Rahmen der Studie hat das Team um Heese 6.720 Bewerber online befragt. Ihre Teilnahme erfolgte über das Softgarden-E-Recruitingsystem. Es handelt sich um durchweg verifizierte Jobinteressenten, die sich auf neue Positionen beworben haben. Der Erhebungszeitraum war März bis Juni 2020.

Tipp 1: Schaffen Sie keine unnötigen Hürden!

Das sagt die Studie: Für mehr als ein Drittel der Bewerber sind Registrierungsschranken im Online-Recruiting ein absolutes Unding. Sie springen ab, bevor sie überhaupt einsteigen.

Das rät der Experte: „Bewerber sind einfache Online-Transaktionen aus ihrer Rolle als Internetkonsumenten gewohnt. Wenn sie dann bei der Bewerbung plötzlich erst Daten eingeben müssen, bevor irgendwas passiert, finden sie das nicht nachvollziehbar – und brechen den Prozess ab. Verzichten Sie deshalb auf die Registrierungspflicht!“

Tipp 2: Hinterfragen Sie das Anschreiben!

Das sagt die Studie: Mehr als vier von zehn Jobinteressenten würden sich eher bewerben, wenn ein Arbeitgeber auf das Anschreiben verzichtet. Sie kritisieren es als wenig aussagekräftig und bemängeln, dass viele Unternehmen einen zu großen Fokus darauf legen.

Das rät der Experte: „Wägen Sie ab, ob Sie das Anschreiben wirklich brauchen! Wer sich bei Ihnen auf eine Marketingstelle bewirbt, der sollte sich natürlich auch in Textform gut verkaufen können. Anders sieht es aus bei technischen Berufen: Hier verrät das Anschreiben meist nur wenig über die fachliche Qualifikation.“

Tipp 3: Optimieren Sie das UX-Design Ihres Karriereportals!

Das sagt die Studie: 60 % der Bewerber erwarten, dass sie ihre Daten in höchstens 10 Minuten in das Bewerbungsformular eingeben können. Bei 14 % dürfen es sogar nur maximal 5 Minuten sein. Verglichen mit den Softgarden-Umfragen vergangener Jahre nimmt der Anteil der Ungeduldigen immer stärker zu.

Das rät der Experte: „Beim Online-Recruiting gilt wie beim E-Commerce: Nutzerfreundlichkeit ist enorm wichtig. Vereinfachen Sie Ihre Eingabemaske also so stark wie möglich! Wenn Ihnen das Know-how im eigenen Betrieb fehlt, ziehen Sie einen externen UX-Designer hinzu.“

Was ist UX-Design?

„UX“ steht für „User Experience“, zu deutsch: Nutzererfahrung. Diese zu optimieren, ist die Aufgabe eines UX-Designers. Er arbeitet an einem nutzerfreundlichen Aufbau und einer einfachen Bedienbarkeit von Websites.

Tipp 4: Verringern Sie Ihre Rückmeldedauer!

Das sagt die Studie: 75 % der Jobinteressenten erwarten eine Einladung zum Vorstellungsgespräch innerhalb von 14 Tagen, nachdem sie ihre Unterlagen abgeschickt haben. Ähnlich verhält es sich mit der Zeit zwischen Vorstellungsgespräch und Zusage beziehungsweise Absage. Hier wünschen sich Acht von Zehn eine Antwort in unter zwei Wochen.

Das rät der Experte: „Wenn Sie zufrieden mit einem Kandidaten sind, sagen Sie innerhalb von spätestens zwei Wochen zu. Begehen Sie nicht den Fehler, auf vermeintlich bessere Bewerber zu warten – die dann gar nicht kommen!“

Tipp 5: Vermeiden Sie diese Fauxpas im Jobinterview!

Das sagt die Studie: Die Befragten benennen folgende Verhaltensweisen als die Top 3 No-Gos in Bewerbungsgesprächen:

Erstens: „Mein Gesprächspartner kann nicht richtig erklären, worin mein Job genau besteht.“

Das rät der Experte: „Versetzen Sie sich in Ihren Bewerber: Welche Aufgaben könnten besonders interessant sein, welche nicht? Fragen Sie Mitarbeiter, die den Beruf bereits ausüben. Mit diesem Hintergrundwissen kommen Sie im Vorstellungsgespräch auch bei kritischen Nachfragen nicht aus der Ruhe.“

Zweitens: „Meine Gesprächspartner geben mir das Gefühl der Unterlegenheit.“

Das rät der Experte: „Betrachten Sie Ihre Jobinteressenten als Kunden. Machen Sie sich klar: Die Zeiten, in denen Bewerber in einer Bitthaltung standen, sind vorbei. Dass sie offen für Angebote sind, heißt nicht, dass sie sofort wechseln!“

Drittens: „Meine Gesprächspartner drucksen beim Gehalt herum.“

Das rät der Experte: „Kommunizieren Sie frühzeitig, wie viel Jobinteressenten für die Stelle erwarten können. Schließlich ist nichts gewonnen, wenn der Kandidat einen Bewerbungsprozess erfolgreich durchschreitet – nur um am Ende abzuspringen, weil ihm der Lohn zu niedrig ist!“

Extratipp: Fragen Sie immer nach Feedback!

Das rät der Experte: „Unabhängig davon, ob Sie Ihren Kandidaten übernehmen oder nicht: Bitten Sie ihn um seine Einschätzung Ihres Recruiting-Prozesses! Wie empfand er ihn? Was können Sie aus seiner Sicht besser machen? Diskutieren Sie die Ergebnisse mit Ihrer Personalabteilung und leiten Sie Maßnahmen daraus ab.“

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Über den Autor

 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group