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IoT-Start-ups "Das Rennen um IoT hat gerade erst begonnen"

Redakteur: Sebastian Human

Die Welt der IoT-Start-ups ist immer wieder einen Blick wert. Wer tummelt sich und was machen sie? Heute widmen wir uns Actyx. Zum Gespräch stehen die drei Gründer Oliver Stollmann, Dr. Roland Kuhn und Maximilian Fischer bereit.

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Die drei Gründer von links nach rechts: Dr. Roland Kuhn, Oliver Stollmann und Maximilian Fischer.
Die drei Gründer von links nach rechts: Dr. Roland Kuhn, Oliver Stollmann und Maximilian Fischer.
(Bild: Actyx)

In der Welt des Internet of Things und seiner zahlreichen Technologien finden sich neben bereits bekannten und etablierten Unternehmen auch immer wieder interessante Neugründungen. Diese jungen Firmen wollen wir näher betrachten, Hintergründe zu ihren Geschäftsmodellen beleuchten und mit ihnen einen Ausblick in die Zukunft wagen.

Was macht ihr genau? Warum braucht es euch?

Wir bieten eine Software-Plattform zur Digitalisierung von Fabrikprozessen an. Fabriken sind sehr komplexe Systeme, bei denen viele Maschinen und Menschen perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, um ein Produkt zur richtigen Zeit in der richtigen Menge zu produzieren. Software ist dabei extrem nützlich, um Prozesse effizient und flexibel zu steuern. Bisher haben die meisten Fabriken allerdings wenig Software auf dem Shop-Floor im Einsatz, da diese oft teuer und unzuverlässig ist. Das ändern wir mit unserer Plattform: Sie bietet die Basis für Entwickler sehr schnell Apps zu programmieren, die Prozesse in der Fabrik digitalisieren.

Was macht ihr besser als andere?

Unsere Plattform basiert auf einer neuartigen, dezentralen Architektur. Bei uns gibt es keinen zentralen Server, sondern die Apps laufen direkt auf den Endgeräten wie Tablets, Scannern oder Gateways. Dadurch ist die Software zuverlässig wie Papier und das System zudem gut skalierbar, da es kein Bottleneck durch zentrale Komponenten mehr gibt. Durch unseren App-Ansatz sind Lösungen sehr modular aufgebaut und können einfach erweitert und ausgebaut werden.

Wie läuft das Geschäft?

Wir sind zufrieden wie das Geschäft mit der Plattform anläuft. Wir haben mittlerweile 10 Partner die unsere Plattform als Baustein für ihre Lösungen nutzen. Die Plattform läuft in 15 Fabriken in Deutschland, UK, Polen, Tschechien, Österreich, Kanada und Chile und ist dabei in der Regel großflächig in der Produktion oder Logistik im Einsatz. Unsere Partner sind auch in unterschiedlichsten Industrie unterwegs, das half uns gut durch die Corona-Krise zu kommen.

Wo seht ihr euch in 10 Jahren?

Wir wollen die dominierende Plattform für digitale Lösungen auf dem Shop-Floor werden. Es gibt weltweit mehr als 600’000 Fabriken mit mehr als 50 Mitarbeitern. Unser Ziel ist es, in all diesen Fabriken einen Beitrag zu leisten, dass Produkte effizienter produziert werden können. In 10 Jahren sind wir diesem Ziel hoffentlich ein gutes Stück näher und unsere Plattform läuft in vielen tausend Fabriken.

Sitzen oder stehen? Also eher Schreibtisch oder eher Produktionsband?

Unser Software ist ganz klar für Leute die Stehen, auf dem Shop-Floor rumlaufen und an den Maschinen arbeiten.

Wieso Edge statt Cloud?

Durch unseren Edge-Computing Ansatz können wir eine deutliche höhere Zuverlässigkeit gewährleisten, als wenn die Software von der Internetverbindung abhängig ist. Zudem sind die Latenzen geringer, was vor allem für Maschine-zu-Maschinen Kommunikation von hoher Relevanz ist. Wir sehen uns komplementär zur Cloud, über unsere Plattform werden die Prozesse im Werk digitalisiert und gesteuert. Die Cloud ist sinnvoll für die Zentralisierung und Analyse von Daten. Unsere Kunden nutzen häufig neben unserer Plattform Cloud-Lösungen, um historische Daten auszuwerten.

Ihr wollt mit eurem Betriebssystem auch eine Basis für Entwickler anbieten, die hierauf schneller eigene Apps und Programme aufsetzen können sollen. Gerade im Mittelstand, wo entsprechende Ressourcen in Firmen oft Mangelware sind, könnte das eine Entlastung bedeuten. Wie wird das angenommen?

Wir können mit unserer Plattform sowohl im Mittelstand, als auch in größeren Unternehmen punkten. Am Ende können Entwickler durch unsere Plattform, Lösungen erheblich schneller entwickeln, innerhalb weniger Tage oder Wochen. Für den Mittelstand sind die geringen Einstiegshürden unserer Plattform besonders interessant. Fabriken können mit kleinen Projekten beginnen, zum Beispiel an einer Linie oder einer Maschinengruppe. Wenn es gut läuft, kann sehr einfach das System weiter ausgerollt oder durch weitere Apps ergänzt werden. Große IT-Projekte mit hohen Risiken gibt es mit uns nicht mehr.

Wie gut ist Deutschland in Sachen IoT aufgestellt?

Das Rennen um IoT hat gerade erst begonnen. Die Deutschen neigen häufig dazu sich selbst zu unterschätzen. Wir haben sehr gute Voraussetzungen: Es gibt viele, erstklassige Softwareentwickler und auch viel Industrie. Immer mehr Software-Startups kommen aus Deutschland. Wir brauchen aber mehr Risikofreude und besseren Zugang zu Kapital, damit wir das Rennen gegen die USA und China machen können.

Wie überzeugt man als Mittelständler seine Belegschaft von Digitalisierungsprojekten?

Häufig vergisst man bei der Digitalisierungsdebatte, dass Technologie kein Selbstzweck ist. Es geht hier nicht um Buzzwords oder 5 Jahres Pläne, sondern um konkrete Problemlösungen. Ein Mittelständler sollte sich spezifische operative Probleme heraussuchen, wie hohe Durchlaufzeiten, hohen Ausschuss oder geringe Maschinenauslastung, und diese mit digitalen Mittel verbessern. Man muss dabei eng mit der Belegschaft arbeiten und klar kommunizieren, was der Zweck von Digitalisierung ist. Die Kommunikation an die Belegschaft ist sicher nicht einfach, aber aus unserer Erfahrung haben die Mittelständler häufig ein sehr gutes Händchen wie sie das Thema ihren Mitarbeitern vermitteln.

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