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Net.Law.S 2017

Das Recht von morgen schon heute denken

| Autor/ Redakteur: Jürgen Schreier / Kathrin Schäfer

Nach zwei Veranstaltungstagen und vielen spannenden Vorträgen rund um das Thema Recht im Zeitalter der Digitalisierung schloss der neue Net-Law.S-Kongress am 23. Februar 2017 seine Pforten. Über 150 Teilnehmer waren nach Nürnberg gekommen, um noch nicht geklärte Rechtsfragen im Verbindung mit Industrie 4.0, E-Health und Smart Mobility zu diskutieren und erste Lösungsmöglichkeiten auszuloten.

„Vorwärts, nicht zurück“, lautete der programmatische Titel der Keynote von Dr. Arnd Haller. Der Google-Jurist plädierte für eine Digitalisierung, die „langfristig den Menschen dient und nicht nur den Unternehmen“.
„Vorwärts, nicht zurück“, lautete der programmatische Titel der Keynote von Dr. Arnd Haller. Der Google-Jurist plädierte für eine Digitalisierung, die „langfristig den Menschen dient und nicht nur den Unternehmen“.
( Bild: NuernbergMesse / Frank Boxler )

Das Verhältnis zwischen Juristerei und Technik sei immer ein schwieriges gewesen, so Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Leiter der Forschungsstelle RobotRecht der Juristischen Fakultät der Universität Würzburg, und wissenschaftliches Mastermind der Net.Law.S. Die neue Konferenz für Recht, Gesellschaft & Industrie in der digitalen Welt, die am 21. und 22. Februar 2017 von der NürnbergMesse aus der Taufe gehoben wurde, soll, wie Hilgendorf in seiner Begrüßungsansprache hervorhob, „dazu beitragen, das Eis zu brechen und eine gemeinsame Sprache zu finden.“

Zielgruppe der neuen Veranstaltung sind deshalb keineswegs nur spezialisierte Kanzleien in den genannten Segmenten oder Fachanwälte und Inhouse-Juristen, die sich mit dem gewerblichen Rechtsschutz, dem Arbeitsrecht, Vertrags-, Kartell-, Verkehrs- und Medizinrecht befassen. Vielmehr will der Net.Law.S-Kongress auch Datenschützern und Entscheidern produzierender Unternehmen aus den Bereichen Industrie 4.0, E-Health, Smart Mobility fachlichen Input bieten.

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IoT ist auch eine gesellschaftliche Herausforderung

„Bei der intensiven Betrachtung der Themen Digitalisierung, Industrie 4.0 oder Internet der Dinge haben wir schnell festgestellt, dass wir in die Zukunft weisende technische Aspekte im Veranstaltungsportfolio der NürnbergMesse gut abdecken“, so Richard Krowoza, Mitglied der Geschäftsleitung der Messegesellschaft. Was seiner Meinung nach aber bisher fehlte, war ein Event, der die Rechtsprechung in der digitalen Welt thematisierte. Krowoza: „Aus dieser Intention heraus ist der Kongress Net.Law.S entstanden.“

Im Mittelpunkt des ersten Net-Law.S-Kongresses standen die Veränderungen der Produktionsabläufe im „Internet der Dinge“ und die die damit einhergehenden rechtlichen Fragestellungen rund um Industrie 4.0 (Net), E-Health und Smart Mobility (Law) sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen und ethischen Herausforderungen (S= Society).

Die Digitalisierung ist steuerbar

Dabei gehe es nicht um „juristische Glasperlenspiele“, betonte Prof. Hilgendorf in seiner Begrüßungsrede, „sondern um ein Zusammenbringen von technischer, wirtschaftlicher und juristischer Vernunft vor dem Hintergrund der Konvergenz technischer Entwicklungen wie Vernetzung/IT, Robotik/autonome Systeme, künstliche Intelligenz und Sensorik.“ Ziel der Net.Law.S-Konferenz sei es, künftige Problemfelder zu identifizieren, erste Lösungsansätze zu entwickeln und den interdisziplinären Kontakt zwischen Juristen, Technikern und Ökonomen herzustellen.

Denn aufhalten lässt sich die Digitalisierung nicht. Sie könne aber gesteuert, sprich in die richtigen Bahnen gelenkt werden, zeigte sich Dr. Arnd Haller, Leiter Recht bei Google Germany, in seiner Keynote überzeugt – stets aber mit der Überlegung im Hinterkopf: „Was dient langfristig den Menschen und nicht (nur) den Unternehmen?“

Der Google-Jurist wies in diesem Zusammenhang auf die enorme Dynamik im Bereich der neuronalen Netze hin. Diese Netzte strukturieren Daten und können diese semantisch einordnen. Allein bei Google sei die Zahl der Projekte, die auf einer Modellierung mit Hilfe solcher Netze beruhten, rasant gestiegen. In immer mehr Produkten, so Haller, sei inzwischen maschinelles Lernen implementiert. Folglich müsse man sich die Frage stellen: Ist das Recht in Deutschland bereits auf diesen Wandel eingestellt oder wird man in juristischer Hinsicht früher oder später auf „wackeligen Beinen“ stehen.

BarCamp - Raum zum Lernen und Netzwerken

Als weitere Themen in den drei Net.Law.S-Panels wurden behandelt: Big Data in Zeiten der Vernetzung, Vernetzung als Einfallstor für Industriespionage, medizinisches Outsourcing, Einsatz der Technik in der Pflege, Arbeit der Zukunft, Smart Mobility und die technische Überprüfbarkeit von Systemen zum hochautomatisierten Fahren im Rahmen der Absicherung – um nur einige Highlights der beiden Veranstaltungstage zu nennen.

Aber nicht inhaltlich betrat der Net.Law.S-Kongress Neuland. Neben dem klassischen Konferenzprogramm gaben am zweiten Konferenztag drei so genannte BarCamps den Teilnehmern die Gelegenheit, sich mit „Gleichgesinnten“ persönlich auszutauschen und individuelle Fälle oder Fragen zu diskutieren. Für diese BarCamps existierte kein vorher festgelegtes Programm. Die Teilnehmer konnten selbst die Themen einbringen und die Richtung der Diskussion bestimmen. Auch einige Referenten der Konferenz nahmen an den BarCamps teil.

Teilnehmer und Veranstalter zufrieden

Ein positives Fazit zieht Veranstalter NürnbergMesse nach Kongressende. „Wir sind mit der Premiere der Net.Law.S sehr zufrieden. Die Resonanz der Teilnehmer zeigt uns, dass wir mit den Themen genau richtig lagen.“, resümiert Messemanager Richard Krowoza. Und er blickt optimistisch nach vorn: „Wir messen der Veranstaltung in Zukunft großes Potenzial bei, insbesondere auch wegen der vielen positiven Stimmen noch während der Veranstaltung. Wir werden nun daran gehen, die zweite Net.Law.S mit dem gesammelten Wissen voranzutreiben und weiterhin eng an den Bedürfnissen unserer Teilnehmer auszurichten. Wir freuen uns auf die kommende Net.Law.S 2018“, so Krowoza.

Das tut auch Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, der mit seinem Team maßgeblich für die Programmgestaltung und fachliche Beratung verantwortlich zeichnete: „Die Premiere der Net.Law.S ist gelungen“, so der Würzburger Rechtwissenschaftler. „Das Besondere der Konferenz war auf der einen Seite die außerordentlich hohe Aktualität der Themen und auf der anderen Seite die starke Fallorientierung. Neueste Gesetzesvorschläge aus den Ministerien und Gremien wurden hier analysiert und juristisch bewertet. Wir freuen uns sehr, dass die Referenten und Teilnehmer mit dem Programm und der Veranstaltung sehr zufrieden waren.“

Am 20. und 21. Februar 2018 geht der Net.Law.S-Kongress in die zweite Runde - wieder in der NürnbergMesse.

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