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Trendreport E-Health Das Krankenhaus - eine digitale Wüste

Redakteur: Jürgen Schreier

Hackerattacken, wie sie kürzlich das britische Gesundheitswesen lähmten, dürften in vielen deutschen Krankenhäusern nur geringe Spuren hinterlassen. Denn bei der Digitalisierung ist in den Kliniken noch sehr viel Luft nach oben.

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Trotz moderner Medizintechnik: Das deutsche Gesundheitswesen ist immer noch eine Digitalisierungswüste.
Trotz moderner Medizintechnik: Das deutsche Gesundheitswesen ist immer noch eine Digitalisierungswüste.
(Bild: Pixabay)

Das deutsche Gesundheitswesen ist immer noch eine Digitalisierungswüste. Diese Feststellung legt eine Umfrage nahe, die von der i-SOLUTIONS Health GmbH im Rahmen der conhIT, Fachmesse für IT im Gesundheitswesen, im April 2017 durchgeführt und im „Trendreport Krankenhaus“ zusammengefasst wurde. Anspruch und Wirklichkeit in Sachen volldigitalem Gesundheitsmanagement klaffen weit auseinander.

So zeigen zwar die administrativen Kernbereiche im Krankenhaus, Finanzen und IT, mit 63 und 57 Prozent einen vergleichsweise hohen digitalen Reifegrad, doch dringend benötigte digitale patientenorientierte Prozesse nutzen weniger als ein Drittel der Umfrageteilnehmer (30 Prozent). Der Digitalisierungsgrad ist dabei weitgehend unabhängig von Trägerschaft oder Bettengröße. Krankenhäuser der Grundversorgung können bei der Digitalisierung mit Maximalversorgern und Universitätskliniken nicht mithalten. Die Universitätskliniken liegen in allen Dimensionen generell über dem Durchschnitt.

Kaum digitale Services für Patienten und Zuweiser

Geht es um die digitale Einbindung von Patienten und Zuweisern in den Behandlungsprozess, dann werden Services wie Online-Terminbuchung, Patientenaufnahme per Online-Check-In oder digitale Patientenaufklärung bislang kaum angeboten. Selbst die digitale Einbindung von Zuweisern liegt mit einem guten Drittel auf den hinteren Plätzen. Lediglich die digitale Befundübermittlung hat sich bei über 62 Prozent der Befragten durchgesetzt. Auffällig ist auch, dass weniger als die Hälfte der Teilnehmer einen patientenzentrierten Internetauftritt vorzuweisen haben.

Digitale Kostenträgerrechnung, Controlling- und Business Intelligence-Werkzeuge nutzen bereits rund 70 Prozent der Befragten. Obwohl alle Häuser mit einer stetig steigenden Anzahl an MDK-Anfragen zu kämpfen haben, werden MDK-Anfragen nur von 62 Prozent der Häuser digital abgebildet. Einen digitalen Rechnungseingangsworkflow nutzt rund die Hälfte der Befragten.

„Leider sind immer noch finanzwirtschaftliche Applikationen prägend für das deutsche Krankenhaus. Dabei dürften Investitionen in die Felder „Prozessunterstützung“ und „Patientenservices“ mittel- und langfristig erfolgversprechender sein. Dass immerhin 69 Prozent der Befragten angeben, eine IT-Strategie zu haben, kann als Hoffnungsschimmer angesehen werden, wenn auch allein diese Aussage noch keinen Rückschluss auf die Qualität zulässt. Summa summarum steht zu befürchten, dass der Abstand zu den Krankenhäusern in anderen europäischen Ländern eher größer geworden ist – eine Schlussfolgerung, die traurig stimmt“, kommentiert Prof. Dr. Roland Trill, Krankenhausmanagement & eHealth, Hochschule Flensburg.

Mitarbeitermanagement noch weitgehend "papierbasiert"

Trotz anhaltendem Fachkräftemangel werden Bewerbersuche und Bewerberprozess kaum digital unterstützt. Personalakten oder auch das Skill-Management der Angestellten werden von gerade einmal 40 Prozent der Teilnehmer digital abgewickelt. Anträge und Genehmigungen werden bei 3/4 der Teilnehmer noch papierbasiert ausgeführt. Lediglich die Personaleinsatzplanung ist bei über 85 Prozent bereits digitalisiert.

Was die digitale Unterstützung von Arbeitsabläufen betrifft, sind abteilungs- bzw. organisationsübergreifende Workflows nur bei 61 Prozent der Befragten gegeben. Systeme zur digitalen Entscheidungsunterstützung sind nur bei einer Minderheit der Teilnehmer (17 Prozent) im Einsatz. Die elektronische Patientenakte hat sich bei 65 Prozent der Befragten durchgesetzt. Das Medikationsmanagement inklusive Medikationsplan haben derzeit allerdings nur 42 Prozent der Häuser im Einsatz.

Durchgängige IT-Strategie und mobile Endgeräte auf dem Vormarsch

Rund 69 Prozent geben an, mittels langfristiger IT-Strategie zu planen. Trotz intensiver Diskussionen rund um den Datenschutz werden Cloud-Dienste zwar selten, aber immerhin doch schon bei fast 20 Prozent der Befragten eingesetzt. Die Nutzung mobiler Endgeräte hat sich bei 75 Prozent der Teilnehmer etabliert, während flächendeckendes WLAN (mit Luft nach oben) bei rund 54 Prozent der Häuser zu finden ist.

„Die deutsche Krankenhaus-IT-Landschaft bietet immer noch viel Raum für Verbesserungen in Sachen Digitalisierung, wie die Ergebnisse der Umfrage belegen“, konstatiert Horst Martin Dreyer, Operativer Geschäftsführer der i-SOLUTIONS Health GmbH. „Insbesondere die Einbeziehung von Patienten und Behandlungspartnern in den digitalen Workflow steckt in den Kinderschuhen. Die Krankenhaus-Website als Portal zur Außenwelt ist meist entkoppelt und nach wie vor die Domäne der Marketing- und Pressestelle; einen Login-Button für personalisierte Informationen suchen Patienten oder Zuweiser in der Regel vergebens.“

Nur ein Viertel der befragten Krankenhäuser habe bereits ein Kundenkontaktmanagement-System im Einsatz oder böte eine Online-Terminbuchung an. Hinzu käme, dass mehr als ein Drittel der Befragten die Patientenakte noch nicht elektronisch umgesetzt haben, und noch etwas geringer die Zahl derer ausfalle, die Leistungen durchgängig elektronisch anfordern. „Es bleibt also viel zu tun für die deutschen Krankenhäuser, und das bei steigendem Kostendruck“, schließt Dreyer.

Unter diesem Link finden Sie alle Informationen zur Umfrage und die Zusammenfassung der Ergebnisse.

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