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Expertenbeitrag

Steffen Himstedt

Steffen Himstedt

Geschäftsführer

Trend-Dossier 2019

Das Jahr des Digitalen Zwillings

| Autor/ Redakteur: Steffen Himstedt / Sebastian Human

Wenn es das als chinesisches Sternzeichen geben würde, wäre 2019 vermutlich das Jahr des Digitalen Zwillings. Denn technologisch wird es darum gehen: Wie erstellt man ihn, welche Schnittstellen gibt es, wie wird er gepflegt und vor allem, wie können daraus neue Geschäftsmodelle entwickelt werden?

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2019 steht ganz im Zeichen des Digitalen Zwillings.
2019 steht ganz im Zeichen des Digitalen Zwillings.
( Bild: Pixabay / CC0 )

Ein Digitaler Zwilling ist die virtuelle Live-Abbildung eines physischen Objekts. Er zeigt die physischen Eigenschaften und den Geschäftskontext des realen Objekts, beispielsweise einer Anlage, vom ersten Plan über Entwurf, Konstruktion und Produktion bis hin zum Ende des Lebenszyklus.

Ein derartiger Zwilling liefert Echtzeitinformationen über die Konfiguration, den Zustand und den Status der Anlage.

Ein Digitaler Zwilling kann die physischen Eigenschaften und den Geschäftskontext eines realen Objekts simulieren.
Ein Digitaler Zwilling kann die physischen Eigenschaften und den Geschäftskontext eines realen Objekts simulieren.
( Bild: Trebing & Himstedt Prozeßautomation GmbH & Co. KG )

Historische Daten können über offene Schnittstellen abgefragt werden. Digitale Zwillinge agieren als virtuelle Stellvertreter und senden Warnungen und Benachrichtigungen, die in der physischen Welt Kontrollflüsse auslösen. Komplexere Digitale Zwillinge bilden Hierarchien oder Beziehungen ab, enthalten abgeleitete Daten aus statistischen Analysen, maschinellem Lernen und physischen Simulationen und stellen Servicefunktionen bereit. Durch die Verknüpfung Digitaler Zwillinge von mehreren Anbietern mit verschiedenen Kunden entsteht ein vertrauenswürdiges Netzwerk Digitaler Zwillinge.

Spätestens dann werden sich die ersten innovativen Unternehmen Gedanken dazu gemacht haben, wie daraus neue Mehrwehrte für ihre Kunden entstehen.

Das kann aber nur funktionieren, wenn Silogrenzen aufgebrochen werden und der Digitale Zwilling nicht von Abteilung zu Abteilung neu erstellt und gemanagt werden muss. Dafür muss massiv in die Vorbereitung der Standardisierung von Schnittstellen, Stammdaten und die Digitalisierung der Prozesse investiert werden. Denn dann ist es möglich, den einen einzigen wahren Digitalen Zwilling immer wieder als Quelle heranzuziehen und kontextbasiert um die notwendigen Informationen zu ergänzen. Wir nennen das ganze „Add and ReUse“-Prinzip. Also „verwende das Bestehende weiter und ergänze es“.

Damit ein Digitaler Zwilling den maximalen Nutzen für ein Unternehmen liefern kann, muss er grundlegende Kriterien erfüllen:

  • Verfügbarkeit: Alle Informationen müssen allen Mitarbeitern in der für ihre Aufgaben relevanten Form zur Verfügung stehen.
  • Vertrauen in die Daten: Alle Nutzer müssen Vertrauen in die Informationen haben, die sie aus den Systemen abrufen.
  • Beherrschbarkeit: Alle Systeme müssen hochintegriert sein.
  • Vernetzbarkeit: Einzelne Datensilos sind nicht akzeptabel, alle Daten müssen allen relevanten Abteilungen zur Verfügung stehen.

Mit einem solchen Digitalen Zwilling bin ich dann weit über 2019 hinaus für die intelligente, vernetzte Fabrik vorbereitet.

Welche weiteren Technologien sehen wir mit Aufwind für 2019, die ihren Platz in der intelligenten Fabrik finden werden? Es sind vor allem Technologien, die wir als smarte Hilfssysteme betrachten. Neben Datenbrillen, die ja schon seit langem im Gespräch sind, sehe ich eher unterstützende Technologien wie Sprach- und Gestensteuerung und Mensch-Roboter-Kollaboration. Vor allem in der Sprachtechnologie sehen wir und unsere Kunden momentan viel Potenzial. Vermutlich durch den Hype um Alexa und Echo getrieben, wird nach Anwendungsfällen in der Industrie gesucht.

Ein weiteres Feld, dass 2019 zu immer mehr konkreteren Anwendungsfällen führen wird, ist das Thema maschinelles Lernen (Machine Learning) gepaart mit Künstlicher Intelligenz. Die Menge an Daten, die bei zunehmender Vernetzung anfallen, sind von Menschen-Auge über Excel nicht mehr handhabbar, die Technologien, die einen dabei unterstützten, heute aber über die Cloud als Mikroservices in der Breite verfügbar. Im Kleinen und Großen werden wir in Anwendungsfällen sehen, wie Algorithmen helfen, Planungen zu optimieren, Fehler zu erkennen, bevor sie passieren, oder leichter Entscheidungen auf Basis von großen Datenmengen zu treffen.

Nicht wirklich ein Technologie-Trend, aber als Basis-Kompetenz entscheidend wird das Thema Change-Management sein. Nur wer organisatorisch in der Lage ist, diese Veränderung auch positiv und nachhaltig im eigenen Unternehmen umzusetzen, wird oben mitspielen können. Wie gesagt, das ist aber eine Frage der Haltung, nicht von Technologie - sie kann uns nur dahingehend unterstützen.

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