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Weltfrauentag 2020 "Das IoT verändert die Welt komplett"

| Redakteur: Vivien Deffner

Sie sind immer noch selten, doch es gibt sie: Frauen als Führungskräfte in der Industrie. Elisabeth Schloten ist eine von ihnen. Dass das nicht immer leicht ist, erzählt sie uns im Interview.

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Elisabeth Schloten hat 2017 ihre IoT-Consulting-Firma ECBM gegründet.
Elisabeth Schloten hat 2017 ihre IoT-Consulting-Firma ECBM gegründet.
(Bild: Elisabeth Schloten)

Elisabeth Schloten ist Gründerin und CEO von ECBM, einer IoT-Consultingfirma. Sie hat BWL mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik studiert und war danach bei mehreren Konzernen wie Procter&Gamble, McKinsey, British Telecom und Vodafone in verschiedenen kaufmännischen und strategischen Positionen tätig. Danach gründete sie dann die Firma ECBM und ist dort seitdem Geschäftsführerin.

Mit uns hat sie über ihre Faszination für Technologie, Herausforderungen und Gründe für Frauen in Führungspositionen gesprochen.

Frau Schloten, was hat Sie dazu bewegt, beruflich in die Industrie einzusteigen und mit ECBM eine IoT-Consultingfirma zu gründen?

Ich finde es faszinierend, wie viel man mit einfachen Mitteln in der Programmierung oder in der Technologie erreichen kann. Angefangen hat das Ganze mit Programmen wie Java oder HTML, bei denen man wirklich mit ein paar Zeilen Code schon sichtbare Ergebnisse bekommt. Es ist sehr beeindruckend, wie schnell man sich da etwas zusammenbasteln kann, das dann auch gut funktioniert. Was dann noch sehr früh dazu kam war die Erkenntnis, wie schnell man mit Technik Prozesse vereinfachen kann. Diese Einfachheit, wie man mit Technologie Effizienz erreichen und wirklich Prozesse verändern kann – das waren die Themen, die mich damals so fasziniert haben.

Und es geht weiter; jetzt auch mit dem Internet der Dinge – das IoT verändert die Welt komplett. Es verändert wie wir arbeiten, es verändert wie wir kommunizieren, wie wir uns zuhause umgeben. Und ich treibe lieber Veränderung als dass ich am Ende mit einer Veränderung leben muss, die mir nicht gefällt. IT, IoT und KI das sind einfach die Themen, die uns zur Verfügung stehen, um zu gestalten und zu verändern und das mache ich einfach sehr gerne.

Sie sind nun schon seit über zwei Jahren Geschäftsführerin von ECBM. Gibt es besondere branchenspezifische Herausforderungen mit denen Sie speziell als Frau in einer Führungsposition konfrontiert werden?

Ich habe oft den Effekt, wenn ich auf einer technischen Messe mit einem Mitarbeiter unterwegs bin, dass die Gesprächspartner eigentlich immer zuerst den Mitarbeiter anschauen. In Erstgesprächen mit neuen Kunden kommt es immer wieder vor, dass die ersten fünf Minuten dazu verwendet beziehungsweise verschwendet werden, zu erläutern, dass eine kleine, blonde Frau kompetent in der Technik ist.

Die Führungskräfte in meinen Zielgruppen sind zu einem extrem hohen Anteil nach wie vor männlich. Ich war auf dem Vorabend-Dinner der E-world eingeladen und dort trifft sich das Who is Who der deutschen Energiewirtschaft. Da waren um die 98 Prozent Männer. Das ist aber nun mal Standard in der Industrie und auch im Mittelstand ist das nicht anders.

Man muss sich als Frau die externe Wahrnehmung der eigenen Kompetenz nach wie vor erarbeiten. Aber die Mittelständler sind ja clever – wenn die nach ein paar Minuten merken, dass man was kann, dann ist das Thema auch durch.

Ein Grund dafür ist aber auch, dass es zu wenig Nachwuchs gibt. Wenn ich als Geschäftsführerin qualifizierte Frauen finde, dann sehe ich natürlich zu, dass ich diese auch einstelle. Aber im technischen Bereich gibt es einfach sehr, sehr wenige. Mein Eindruck ist, dass auch an der Schule nach wie vor die Mädchen eher ermutigt werden, Sprachen zu lernen und die Jungs sollen sich für Mathe interessieren. Dementsprechend wird das auch weitergeführt. Wenn sich ein Mädchen für ein Informatik- oder Physikstudium interessiert, wird nach wie vor noch etwas komisch geguckt – und uns fehlt dann der Nachwuchs. Ich würde wahnsinnig gerne mehr Frauen im technischen Bereich einstellen, aber es ist unheimlich schwierig.

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Wie verändern Frauen in Führungspositionen aus Ihrer Sicht die Arbeitswelt? Was macht diese in Industrie-Unternehmen unverzichtbar?

Ich bekomme da von meinen Mitarbeitern immer sehr schönes Feedback. Einer der Gründe, wieso ich eine eigene Firma gegründet habe, ist das Thema Firmenkultur. Bei uns herrscht eine sehr nette Firmenkultur. Jeder hilft sich – es ist wirklich so ausgelegt, dass alle stark zusammenarbeiten, zur Zusammenarbeit auch ermutigt werden. Das Feedback, das meine Mitarbeiter mir geben ist, dass sie das so von anderen Unternehmen eher weniger kennen. Da fällt dann schon auch mal ein Satz wie „Hier merkt man echt, dass eine Frau die Chefin ist.“

Das möchte ich aber gar nicht unbedingt verallgemeinern. Ich kenne auch Männer, die das ähnlich handhaben, aber es sind einfach nicht so viele. In Konzernen, die sehr männlich geprägt sind, mit traditionellen Führungsstrukturen, ist das aber eben anders. Ich glaube, Frauen machen sich mehr Gedanken über das Thema Führungskultur. Aber was ich jetzt auch bei meinem Team sehe, in dem ja doch viele Männer vertreten sind, ist, dass sie es sehr genießen, eine nette Firmenkultur zu haben.

Das Bedürfnis scheint also schon da zu sein, aber es scheint so, als würden sich Frauen tendenziell mehr Gedanken machen, wie man die Arbeit angenehm und so gestalten kann, dass alle miteinander erfolgreich sind.

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