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Cognitive Computing

Das Erwachen der künstlichen Intelligenz

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Jenseits von Sci-Fi-Fantasien

Der Begriff künstliche Intelligenz wird dabei von den Forschern nur äußerst ungern eingesetzt, denn er bedient eher Klischees aus Science-Fiction-Filmen als der Realität zu entsprechen. „Im Kern geht es darum, die menschliche Wahrnehmung, seine Intelligenz und sein Denken mit Hilfe von Computern und spezieller Software nachzubilden, zu unterstützen und zu erweitern“, erklärt Weber. Anstatt also stur vordefinierten Pfaden zu folgen, interpretieren kognitive Programme die aufgenommenen Daten, ziehen Schlüsse und erlangen so ganz neue Erkenntnisse – in Sekundenbruchteilen.

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Eine Fähigkeit, die das kognitive Programm von IBM, Watson, auszeichnet, hat potenzielle Sprengkraft für unser zukünftiges Leben und Arbeiten. Watson ist in der Lage, nicht nur strukturierte Daten zu verarbeiten, sondern auch unstrukturierte Daten zu erfassen. Diese umfassen nach Aussage von IBM-Forschern etwa 80 % unserer weltweiten Daten, dazu zählen Bücher, wissenschaftliche Arbeiten, Blog- und Foreneinträge oder Social-Media-Informationen. Die IBM-Entwickler haben Watson nun beigebracht, menschliche Sprache, geschrieben oder gesprochen, zu verstehen und zu interpretieren. Dadurch ist die Software etwa in der Lage, Texte in gewaltigen Mengen zu lesen, zu verstehen und zu evaluieren.

Das hilft auf verschiedenen Sektoren: Wissenschaftliche Veröffentlichungen etwa, bis zu 500.000 im Jahr, können von Watson für die menschlichen Experten aufbereitet werden. In der Medizin liest Watson Krankheitsbefunde und entdeckt so etwa seltene Krankheiten: Denn statistisch gesehen gehört zu jeder nicht diagnostizierten seltenen Krankheit ein Berg von 5 kg Akten. Ein Ärzteteam würde Wochen brauchen, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen – Watson braucht Sekunden.

Von Krebsdiagnose bis Arbeitsschutz

Derzeit wird Watson auch im Bereich der Krebsdiagnose eingesetzt, um für jedes Krankheitsbild die passende Therapie zu finden. Und auch in der Industrie ist das schlaue Programm von IBM bereits im Einsatz: Ende Oktober etwa gab der Industriezulieferer Schaeffler eine Kooperation mit IBM bekannt. Man wolle gemeinsam die Möglichkeiten des Internets der Dinge erkunden – mit Hilfe von Watson.

So liefern etwa mit Sensoren ausgestattete in Windturbinen eingesetzte Lager wichtige Daten über die Leistung unter unterschiedlichen Wetterbedingungen. Windparkbetreiber können anhand der Daten in Verbindung mit Windprognosen frühzeitig einen Komponentenaustausch in der nächsten Windflaute planen, um Stillstandzeiten und Energieverlust zu minimieren. In Schaefflers Industrie-4.0-Strategie, der Werkzeugmaschine 4.0, soll kognitive Technologie zum Einsatz kommen.

Der Zulieferer Schaeffler nutzt Watson-Technologie, um Echtzeitdaten über den Zustand von Windkraftanlagen zu sammeln. So lassen sich Wartungen frühzeitig planen.
Der Zulieferer Schaeffler nutzt Watson-Technologie, um Echtzeitdaten über den Zustand von Windkraftanlagen zu sammeln. So lassen sich Wartungen frühzeitig planen.
(Bild: Schaeffler)

Auch der Heizungstechnikhersteller Vaillant arbeitet nach Informationen des IT-Anbieters IBM daran, mit Hilfe von Watson und Sensordaten die Heizzyklen seiner Kunden zu optimieren. Ein weiteres Beispiel: DHL setzt Watson im Bereich Arbeitsschutz in einem Lager in Asien ein. Hier werden Mitarbeiter mit Sensoren ausgestattet, Watson warnt dann etwa per Sprachausgabe vor gefährlichen Situationen oder informiert Kollegen im Falle eines Unfalls.

Dass es sich bereits jetzt schon lohnt, sich mit der neuartigen Technologie zu beschäftigen, davon ist Harald von Heynitz, Partner und Head of Industrial Manufacturing bei KPMG, überzeugt: „Entscheider tun gut daran, frühzeitig einen Schwerpunkt auf wissensbasierte Systeme zu legen und durch eine strategisch angelegte Personalpolitik eigene Kompetenzen in diesem Bereich aufzubauen. Reichen hierzu verfügbare Mittel nicht aus, können durch Partnerschaften vergleichbare Mehrwerte für das Unternehmen realisiert werden.“

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