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Smart Health Das Corona-Warn-Band – eine Alternative zur App?

Autor / Redakteur: Benjamin Viethen* / Sebastian Human

Das Coronavirus wird uns wohl noch länger begleiten – und mit ihm neue, angepasste Verhaltensweisen im Alltag. Auch die Bedeutung von Infektionsketten und die Notwendigkeit der digitalen Kontaktnachverfolgung ist inzwischen allgemein bekannt. Zur App gibt es nun eine Alternative.

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Die Projektverantwortlichen Benjamin Walczack (Groschendreher), Björn Schwarze (Addix), Olaf Landsiedel (CAU) mit dem Armband.
Die Projektverantwortlichen Benjamin Walczack (Groschendreher), Björn Schwarze (Addix), Olaf Landsiedel (CAU) mit dem Armband.
(Bild: Addix Internet Services GmbH)

Mit der Corona-Warn-App hat der Bund eine Basis geschaffen. Das System kann bei der Eindämmung der Pandemie allerdings nur unterstützen, wenn ein großer Anteil der Bevölkerung teilnimmt. Personen, die kein Smartphone oder ein zu altes Gerät besitzen oder es nicht bedienen können, können an diesen Maßnahmen nicht teilhaben.

Das Problem mit der App

So funktioniert die Corona-Warn-App auf Smartphones, doch Personen, die kein entsprechendes Gerät besitzen oder es nicht bedienen können, sind bisher ausgeschlossen und können das System nicht unterstützen.
So funktioniert die Corona-Warn-App auf Smartphones, doch Personen, die kein entsprechendes Gerät besitzen oder es nicht bedienen können, sind bisher ausgeschlossen und können das System nicht unterstützen.
(Bild: Addix Internet Services GmbH)

Zugleich sind sie auch davon ausgeschlossen, frühzeitig über Kontakte mit infizierten Personen unterrichtet zu werden. Darüber hinaus existieren weitere Gründe, weswegen das Smartphone teilweise nicht das geeignete Gerät ist: sei es, weil nicht alle Menschen ihr Smartphone stets bei sich tragen wollen oder weil es in verschiedenen, vor allem beruflichen, Kontexten nicht erlaubt ist.

Bei genauerer Betrachtung tun sich weitere Probleme mit der App auf: in einigen demografischen Bevölkerungsgruppen ist der Anteil derjenigen ohne Zugang zur App und gleichzeitig die Zugehörigkeit zu einer oder mehreren Risikogruppen besonders hoch. Für ältere Menschen, Menschen in Armut, Obdachlose und Menschen mit Behinderung ist es besonders fatal, dass diese die Corona-Warn-App nicht nutzen können.

Das Corona-Warn-Band als smarte, inklusive Ergänzung

Die Teilhabe von noch mehr Menschen am System der Corona-Warn-App kann durch das einfach zu bedienende Corona-Warn-Band hergestellt werden, welches die Funktionen der Corona-Warn-App übernimmt:

  • es erkennt Kontakte zu anderen Smartphones oder Armbändern und speichert sie in gleicher Weise pseudonymisiert. Die Spezifikation der von Google/Apple entwickelten API wird dabei komplett erfüllt und der Datenschutz ist äquivalent.
  • das Armband verfügt über eine benutzerfreundliche Bedienung und eine lange Akku-Laufzeit. Über spezielle Lesegeräte oder den Internetzugang eines Smartphones kann die Liste der möglicherweise infektiösen Kontakte vom Corona-Warn-App-Server heruntergeladen werden und ein Abgleich mit der lokal gespeicherten Kontakte-Liste erfolgen. Dieser Abgleich erfolgt – dem dezentralen Ansatz folgend – auf dem Armband.
  • im Infektionsfall können die Tagesschlüssel des Armbands ausgelesen und zum Corona-Warn-App-Server hochgeladen werden – wie bei der App.

Technologische Unabhängigkeit

Die Teilhabe von Personengruppen, die die Warn-App potenziell nicht nutzen können, soll durch ein einfach zu bedienendes Bluetooth-Armband ermöglicht werden.
Die Teilhabe von Personengruppen, die die Warn-App potenziell nicht nutzen können, soll durch ein einfach zu bedienendes Bluetooth-Armband ermöglicht werden.
(Bild: Addix Internet Services GmbH)

Der Ansatz der Corona-Warn-App basiert auf den Contact-Tracing-Schnittstellen des Android und iOS Betriebssystemkerns, welche von Google und Apple bereitgestellt und nicht direkt verändert, beziehungsweise deren Weiterentwicklung nur indirekt beeinflusst werden kann. Durch die Abhängigkeit von den Schnittstellen im Betriebssystemkern, verfügen wir in Deutschland nicht über die Fähigkeit, Schwellenwerte (wie beispielsweise die Kontaktdauer und -Abstände) zu verändern.

Außerdem können keine neuen Parameter, wie zum Beispiel die Unterscheidung eines Aufenthaltes im freien von einem Aufenthalt in einem Gebäude, bei der Kontaktnachverfolgung genutzt werden. Hinzu kommt, dass die App lediglich bedingt in einigen europäischen App-Stores verfügbar ist, was die Nutzbarkeit in touristischen Anwendungen einschränkt. Hier kann das Corona-Warn-Band die App nicht nur ergänzen, es fördert auch die technologische Unabhängigkeit.

Anwendungsszenarien fürs Corona-Warn-Band

Ausgerechnet ältere Menschen und sozial Schwächere werden durch die App benachteiligt, da ihre oftmals älteren Smartphones nicht kompatibel mit der Anwendung sind. Außerdem wird davon ausgegangen, dass das Smartphone der ständige Begleiter aller sei.

In Bevölkerungsgruppen und beruflichen Umfeldern, in denen dies nicht der Fall ist, kann das Corona-Warn-Band ideal eingesetzt werden. So ist das wasserdichte Armband unter anderem für Altenstifte und Pflegeheime sowohl für weniger technik-affine Senioren als auch deren Besucher geeignet. Auch in Krankenhäusern, in denen das Tragen und der Einsatz eines Smartphones häufig verboten ist, kann das Corona-Warn-Band künftig die Kontaktnachverfolgung ermöglichen.

Da die Anschaffung eines Armbands weitaus günstiger als die eines neuen Smartphones ist, sind die Warnbänder auch geeignet für KiTas und Kindergärten und schnell und einfach im touristischen Sektor einsetzbar, zum Beispiel für Campingplätze, auf Kreuzfahrtschiffen und bei Veranstaltungen und Events aller Art. Und auch im Arbeitsalltag von Unternehmen kann das Corona-Warn-Band die Angestellten und die gesamte Belegschaft von Betrieben nachhaltig schützen. In Zeiten von Billig-Lohnarbeit ist dies ein Beitrag zur Entwicklung von sozialeren und sichereren Arbeitsbedingungen.

Smarte Infrastruktur für smarte Lösungen

Diese neuen digitalen Dienste werden uns ab nun enger begleiten. Wichtig für die Unterstützung smarter Entwicklungen ist dabei die Schaffung einer smarten digitalen Infrastruktur, die die Grundlage der Smart City von morgen bildet.
So benötigt das Corona-Warn-Band zum Download der Tagesschlüssel vom Corona-Warn-App-Server eine Infrastruktur wie das #SH_WLAN, mit mehr als 3.000 Access Points das größte WLAN Norddeutschlands.

Betreiber des #SH_WLAN ist die Addix Internet Services GmbH, die gemeinsam mit dem Verein Groschendreher – Kieler Bündnis gegen Altersarmut e.V. und Olaf Landsiedel von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel das Projekt Corona-Warn-Band (CWB) ins Leben gerufen hat. Für die organisatorische, infrastrukturelle und technische Integration in das bestehende System der Corona-Warn-App konnte die Landeshauptstadt Kiel als assoziierter Partner gewonnen werden. In Kiel kann damit eine Pilot-Kommune entstehen.

* Benjamin Viethen arbeitet bei Addix als Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

(ID:46905554)