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Die Industrie 4.0 Roadmap Darum wird Ausbildung zum Schlüssel für die vierte industrielle Revolution

Autor / Redakteur: Dominik Stephan* / Dominik Stephan

Industrie 4.0 ist in den Betrieben angekommen, doch der Weg vom Mitmacher zum Gestalter ist ein langer. Neben Technologie sind vernetzte Produktion und Internet der Dinge auch eine Frage des Mindsets. Fachverbände und Unternehmen setzen auf bessere Ausbildung und lebenslanges Lernen, um heute schon die Weichen für die Zukunft zu stellen.

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(Bild: Pixabay, CCO Public Domain)

Es ist die Vision der schönen neuen (Industrie-)Welt: In Zukunft sollen intelligente Feldgeräte miteinander kommunizieren, die Instandhaltung präventiv erfolgen und die Rückkopplung zum Kunden ganz neue Produktionsformen ermöglichen.

Zwischenhändler, Lagerhaltung und aufwändige Lieferketten werden von einer dezentralen Produktion im Baukastenformat direkt beim Kunden abgelöst, während Augmented-Reality-Lösungen die Grenzen zwischen Cyberspace und realer Welt verschwimmen lassen.

Die Vision lebt – scheinbar: Tatsächlich erleben bereits drei Viertel der Ingenieure in ihrer täglichen Arbeit den Wandel zur Digitalisierung und Vernetzung, wie eine aktuelle VDI-Umfrage aufzeigt. Kein Wunder, haben doch die Hersteller von Feldgeräten, Engineeringsoftware oder Automatierungslösungen den Trend längst erkannt. Die neuste Generation der Anlagenkomponenten und Apparate kommt mit On-Board-Intelligenz, Möglichkeiten zur Echtzeit-Diagnose oder Kommunikation mit dem Leitsystem.

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Auch in Instandhaltung oder Labor sollen, wenn es nach dem Willen der Entwickler geht, Datenbrillen und Tablet-PCs Einzug halten. Besonders Automatisierer und IT-Unternehmen reiben sich die Hände: Schon jetzt bieten 31 % der Firmen spezielle Produkte zum industriellen Internet der Dinge vom Cloudspeicher bis zur mitdenkenden Laborbrille an – weitere 31 % haben entsprechende Produkte in der Pipeline, wie eine Bitkom Umfrage ergab. Das Potenzial ist jedenfalls gewaltig: Bis zum Jahr 2020 soll der weltweite Umsatz mit vernetzen Geräten auf über 1800 Milliarden Dollar steigen (von derzeit 1100 Mrd.) steigen.

Noch ein weiter Weg

Doch der Weg in Richtung Industrie 4.0 könnte weiter sein, als es die Zahlen vermuten lassen: Lediglich sechs von zehn Firmen in Deutschland fühlen sich gut auf die Digitalisierung vorbereitet, zeigt eine aktuelle Umfrage der Beratungsagentur Mc Kinsey. „Viele Unternehmen fangen erst jetzt an, sich konkret mit Industrie 4.0 auseinanderzusetzen. Vorteile neuer Technologien werden zu oft als Risiko und nicht als Chance gesehen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen“, so Mc Kinsey-Direktor Detlef Kayser.

Reagieren statt agieren laute viel zu häufig die Devise. Auch Zahlen des VDI bestätigen diesen Trend: So begreifen lediglich 9,1 % der Chemieingenieure sich selbst als Mitgestalter der digitalen Revolution – im internationalen Vergleich höchstens Mittelmaß, erklärten die Macher der Studie.

Liegt es vielleicht am Ende gar nicht an der Technologie? Der VDI zumindest meint, ausgerechnet bei den Mitarbeitern den großen Hemmschuh auf dem Weg zur vierten industriellen Revolution ausgemacht zu haben. „Die Mehrheit der Unternehmen sieht einen großen Veränderungsbedarf bei der Ausbildung“, gab der Vorsitzende der VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (GVC), Dr. Claas-Jürgen Klasen, zu bedenken. Professor Dr. Kurt Wagemann geht noch einen Schritt weiter: „Brauchen wir künftig den Chemotroniker?“ regt der Dechema-Geschäftsführer die Schaffung ganz neuer Berufsbilder an.

Industrie 4.0 geht alle an

Das neue Zeitalter der Industrie fordert aber auch „alten Hasen“ einiges ab. Auf dem Weg zur Industrie 4.0 sei die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen das wesentliche Rüstzeug, ist sich Klasen sicher.

Zugleich warnt der GVC-Vorsitzende aber auch eindringlich davor, für die neuen digitalen Kompetenzen Abstriche bei der klassischen Ausbildung der Fachleute und Experten von morgen zu machen. Eines dürfe man bei aller Begeisterung für neue Technologien nicht vergessen: die Arbeit der Ingenieure bleibt so anspruchsvoll und spannend wie eh und je.

Dieser Beitrag ist auf unserem Partnerportal Process erschienen.

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