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Lernfabrik Industrie 4.0

Darum braucht die Industrie neue Denk- und Lernmuster

| Autor/ Redakteur: Karin Pfeiffer / Karin Pfeiffer

Festo hat inmitten seiner digitalisierten Produktion in Scharnhausen eine Lernfabrik aufgebaut. Klaus Zimmermann, Leiter Training und Consulting, erklärt, warum Industrie 4.0 neue Denk- und Lernmuster braucht.

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In Festos Lernfabrik sollen die Menschen Zusammenhänge erkennen. Planspiele unterstützen die Lernwilligen.
In Festos Lernfabrik sollen die Menschen Zusammenhänge erkennen. Planspiele unterstützen die Lernwilligen.
(Bild: Festo)

Für Industrie 4.0 reicht technisches Wissen allein nicht. Warum?

Zimmermann: Meistens sprechen die Leute von der Digitalisierung der Produktion, sind sehr eifrig dabei, die Technologien zu diskutieren: Software, IT, Tools & Co. Bei mir wirft das immer gleich zwei Kernfragen auf: Welchen Nutzen stiftet Industrie 4.0 für den Kunden, können wir dadurch beispielsweise schneller liefern? Oder hat der Maschinenbauer durch die Intelligenz, die wir in einem Ventil einbauen, einen Vorteil? Und die zweite Frage: Können wir das überhaupt?

Und dann herrscht Stille?

Zimmermann: Ja, in vielen Unternehmen. Es dreht sich meist darum, ein Kundenbedürfnis besser zufriedenzustellen. Und das kann bekanntlich ganz unterschiedlich sein. Dafür brauchen Sie jeweils die entsprechend qualifizierten Leute. Bei einem Auftrag kann ich jedoch nicht auf einen Qualifizierungsplan warten, der Wochen dauert. Ich brauche ein adäquates Lernumfeld, um schnell auf geänderte Anforderungen einzugehen. Eins wie die Lernfabrik bei Festo. Eine Lernumgebung der neuen Art, in der Mitte der Fabrik mit der Kopie des realen Produktionssystems, eine komplette Fertigungslinie, didaktisch reduziert auf sehr kurze Lektionen. Wir nennen die neu konzipierten Lernmodule One-Point-Lessons, in jeder geht es in oft nur 20 Minuten ganz konkret um eine Anwendung oder einen Prozess in der Produktion.

Lernen für Industrie 4.0 – warum funktioniert das nur auf andere Weise?

Zimmermann: Anders insofern, weil das Lernen kurz-zyklischer stattfinden sollte. Nicht 20 Sachen erklären, sondern eine. Lieber in Wiederholungen investieren. Das ist gut in die Arbeitsabläufe zu integrieren. Es kommt dabei auch sehr auf die Methode an. Nicht 20 tolle Folien, Simulationsplanspiele sind genau die richtige, haben wir festgestellt.

Spielend lernen?

Zimmermann: Nie verkehrt. Es geht aber auch darum, den Blick für Zusammenhänge zu schulen. Wir haben beispielsweise ein Planspiel entwickelt, in dem die Teilnehmer Runde über Runde ihre eigene Montagelandschaft gestalten können. Das könnte etwa für zehn Ventilinseln nach bestimmten Rahmenparametern sein. In dem Planspiel entstehen neue Rollen und Perspektiven. Das schult auch Blick für Zusammenhänge, wichtig in einer digitalisierten Produktion. Auf diese Weise entsteht ein Montagekonzept, aus dem wir vielleicht 2017 etwas für die realen Prozesse ableiten können. Und wir nähern uns auf diese Weise mit der Lernfabrik Schritt für Schritt in kleinen Modulen Richtung Industrie 4.0.

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