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Digitale Transformation Corona-Krise offenbart große Digitalisierungsdefizite

| Autor / Redakteur: dpa / Sebastian Human

Die Corona-Krise könnte Deutschland einen ungeahnten Digitalisierungsschub geben, so heißt es immer wieder. Ein Wirtschaftsexperte fordert hierzu nun auch Subventionen aus der Politik und warnt vor einer einseitigen Unterstützung der Autoindustrie.

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Gerade auch in den Schlüsselindustrien herrscht beim Thema Digitalisierung teils starker Nachholbedarf.
Gerade auch in den Schlüsselindustrien herrscht beim Thema Digitalisierung teils starker Nachholbedarf.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Der Wirtschaftsexperte Frank Riemensperger hat vor milliardenschweren Hilfen für die Autoindustrie zulasten der Digitalisierung gewarnt. Die Corona-Krise hat laut dem Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Accenture deutliche Defizite bei der Digitalisierung in Deutschland aufgezeigt. „Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir in der digitalen Infrastruktur fünf bis zehn Jahre zurück“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Riemensperger sieht die Politik in der Verantwortung: „Das ist eine Frage der Industrie- und der Wirtschaftspolitik. Subventioniert man den Kauf von Autos oder subventioniert man die Digitalisierung von 10000 Unternehmen in Deutschland.

Defizite in der Autoindustrie

Gerade die Autoindustrie liefere ein Beispiel für die Defizite: „Da kann man sehen, was es bedeutet, wenn man die Digitalisierung teilweise verschlafen hat.“ Die Branche habe es besonders getroffen, weil die Abhängigkeit vom direkten Kundenkontakt groß sei. „Autos werden hierzulande noch immer über Autohäuser verkauft.“ Riemensperger sprach sich nicht gegen Hilfen für die Autoindustrie

aus: „Aber ich glaube, es wäre schlau, nicht das ganze Geld dorthin zu geben.“

Die Krise habe gleichzeitig gezeigt: „Deutschland kann analog“, so Riemensperger. „Das Gesundheitssystem hat funktioniert, Gesundheitsämter haben mit einem riesigen Aufwand Infektionsketten nachvollzogen, den Menschen nachtelefoniert. Wir sind sortiert im Analogen. Es wäre so einfach, das auf eine digitale Ebene zu heben. Nur anscheinend scheut sich dieses Land.“

Scheuer will 28 Milliarden Euro für Zukunft der Mobilität

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer schlägt einem Medienbericht zufolge zur Ankurbelung der Konjunktur ein 28-Milliarden-Euro-Paket Investition Zukunft Mobilität vor. Den Schwerpunkt bilde mit beabsichtigten Investitionen von insgesamt 8,5 Milliarden die digitale Infrastruktur, berichteten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstag). Sie beriefen sich auf ein Papier, das Scheuer am heutigen Dienstag in den Koalitionsausschuss einbringen wolle. Dort wollen die Spitzen des schwarz-roten Regierungsbündnisses über das geplante Konjunkturpaket beraten, das die deutsche Wirtschaft in der Corona-Krise wieder in Fahrt bringen soll.

"Jetzt brauchen wir für einen nachhaltigen Breitband- und Mobilfunkausbau zusätzliche Investitionen", zitieren die Funke-Zeitungen aus dem Papier. Demnach soll der Digitalfonds des Bundes um mindestens drei Milliarden Euro aufgestockt werden. Fünf Milliarden Euro sollen den Netzausbau mit dem neuen ultraschnellen Mobilfunkstandard 5G voranbringen.

Das Verkehrsmittel Bahn will Scheuer demnach mit "gezielten und schnell wirkenden Konjunkturimpulsen" von insgesamt 2,6 Milliarden Euro voranbringen. Eine Milliarde Euro solle bis 2022 in die verstärkte Digitalisierung und Modernisierung des Schienennetzes fließen, 750 Millionen Euro in die Attraktivität von Bahnhöfen.

Postbank will Erfahrungen der Corona-Krise nutzen

Die Deutsche-Bank-Tochter Postbank will die Erfahrungen der Corona-Krise zum Ausbau ihrer digitalen Angebote nutzen. "Wir haben neun Millionen onlinefähige Konten, aber nur knapp drei Millionen aktive Nutzer unserer digitalen Angebote. Das werden wir noch weiter nach vorne bringen müssen", sagte der Vertriebsvorstand des Bonner Instituts, Lars Stoy, der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

Ein Kahlschlag im vergleichsweise dichten Filialnetz mit 800 Standorten sei nicht geplant. "Wenn sich das Kundenverhalten deutlich verändert, würden wir weitere Anpassungen vornehmen", sagte der Manager. "Entscheidungen zu Filialschließungen gibt es momentan aber nicht."

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