Expertenbeitrag

 Daniel Szabo

Daniel Szabo

CEO, Körber Digital

Kommentar Co-Creation im Maschinenbau: Warum wir für Innovationen unsere Silos einreißen müssen

Autor / Redakteur: Daniel Szabo / Sebastian Human

Kollaboration ist ein strategischer Erfolgsfaktor, wenn es um die Entwicklung von innovativen und datenbasierten Produkten und Services geht. Das gilt auch für den Maschinen- und Anlagenbau, doch die Praxis sieht häufig (noch) anders aus. Wie der Wandel dennoch gelingen kann.

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Der Maschinenbau braucht eine offene Innovationskultur anstelle althergebrachter Silo-Strukturen.
Der Maschinenbau braucht eine offene Innovationskultur anstelle althergebrachter Silo-Strukturen.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Obwohl viele Organisationen bereits um die Relevanz der firmenübergreifenden Zusammenarbeit wissen, tun sich Unternehmen oft noch immer schwer damit, sich Kunden und Partnern zu öffnen und Daten miteinander zu teilen. Der Co-Creation Ansatz löst diese Herausforderung: Die partnerschaftliche Zusammenarbeit über Bereichs- und Unternehmensgrenzen hinweg ermöglicht die Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen, basierend auf individuellen Kundenbedürfnissen.

Mit dem digitalen Wandel der produzierenden Industrie baut sich bereits seit geraumer Zeit ein Thema auf, das zur nächsten ganz großen Welle der Digitalisierung werden könnte. Der Markt ist lukrativ: das Wertschöpfungspotenzial digitaler Technologien in der Industrie wird laut McKinsey auf 300 Billionen Dollar geschätzt. Dabei richtet sich der Blick vor allem auf europäische Unternehmen, denen man solche Innovationssprünge zutraut. Das “Was?” ist also mittlerweile klar. Jetzt geht es vor allem um das “Wie?”. Anzeichen dafür sind konkrete Bewegungen im Markt: Redstone und die SBI-Group haben kürzlich den 200 Millionen Euro schweren Future Industry Ventures Fonds aufgesetzt, mit dem sie nach Geschäftsideen im Industrial-Sektor Ausschau halten.

Erfolgsfaktoren für Innovationen - den Kunden in den Mittelpunkt stellen

Doch warum sind erfolgreiche Geschäftsideen im Industriesektor in den letzten Jahren so rar gesät? Erfolgsgeschichten wie die von Relayr sind leuchtende Beispiele, aber leider viel zu selten.

Was macht den Erfolg von Innovationen in der Industrie und dem Maschinenbau bisher so schwer?

Diese Frage lässt sich am besten beantworten, wenn man auf die Unternehmen schaut, die im Laufe ihrer Entwicklung gescheitert sind. Eine Analyse des High Tech Gründerfonds hat sich in einer Studie mit der Frage beschäftigt, worin die Hauptgründe für das Scheitern von Industrie-Start-ups liegen. Das Ergebnis zeigt, dass 74 Prozent der befragten Start-ups scheiterten, weil sie an den Bedürfnissen ihrer Kunden vorbei entwickelt haben und letztlich keinen ausreichenden Product-Market-Fit vorweisen konnten.

Genau hier liegt meiner Meinung nach einer der Schlüssel für erfolgreiche Gründungen im Industriebereich. Die Anwendungsfälle sind so komplex, dass ein echter Product-Market-Fit eine ganz enge Produktentwicklung am Markt erfordert. Das sind Herausforderungen, mit denen sich in erster Linie der Maschinenbau befassen muss. In ihm liegt originär die größte Chance, Innovation in der produzierenden Industrie voranzutreiben.

Weg mit der Silo-Mentalität

Die Offenheit, über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus kollaborativ an echten Innovationen zu arbeiten, steckt im Maschinenbau noch in den Kinderschuhen. Viele traditionelle Industrie-Unternehmen tun sich nach wie vor schwer eine Innovationskultur aufzubauen, die vom engen Austausch mit Kunden und Partnern lebt – etwa über aktuelle Pain-Points, Innovationspläne und auch dem Austausch von Maschinendaten. Stattdessen versuchen Unternehmen, Herausforderungen auf eigene Faust zu meistern. Allerdings befindet sich die Industrie in einer Phase, in der der Zugang zu Know-how, Talenten, Investitionskapital und technologischen Assets zunehmend schwieriger wird. Will der Maschinenbau beispielsweise die Möglichkeiten von KI für sich nutzbar machen, kommt die Branche nicht drumherum, sich für externe Partner zu öffnen. Kunden und Dienstleister müssen verstärkt als Sparringspartner und Impulsgeber verstanden und in den Entwicklungsprozess integriert werden. Eine solche Unternehmenskultur ist für die Innovationsfähigkeit essentiell.

Wir bei Körber glauben daran, dass die nächsten disruptiven Technologien für die Branche nur gemeinsam im Co-Creation Ansatz entstehen können. Nur, wenn die Marktbedürfnisse transparent und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit vorhanden sind, können wir für den Maschinenbau innovative Lösungen und Geschäftsmodelle entwickeln, die langfristig am Markt bestehen und global einen echten Impact haben können.

Wie sieht Co-Creation im Maschinenbau konkret aus?

Was ist der beste Weg, um sich aktuellen und zukünftigen Herausforderungen seiner Kunden anzunehmen? Bei Körber Digital setzen wir auf das Prinzip der Co-Creation. Gemeinsam mit Kunden und Anwendern gehen wir in die Ideenfindung für neue Lösungen. Dabei wird das Team des Kunden vom ersten Tag mit einbezogen. Der zentrale Vorteil von Co-Creation liegt darin, dass wir wichtige Einblicke und Erkenntnisse aus den individuellen Bedürfnissen und Pain-Points unserer Kunden gewinnen und in engem Austausch passgenaue Lösungen entwickeln, die genau auf den Markt abgestimmt sind.

Dieser nutzerzentrierte Ansatz ist in anderen Branchen nicht neu, bedeutet im Bereich des Maschinenbaus jedoch eine völlig neue Art des Wettbewerbs und einen “Unfair Advantage”. Durch die Nähe zum Kunden und eine durchgängige Kooperation werden Fehler bei der Produktentwicklung frühzeitig erkannt und minimiert. Dies gewährleistet ein höheres Qualitätslevel und langfristige Kundenbindung. Gleichzeitig kann die Zeit bis zur Markteinführung durch Co-Creation Ansätze, wie zum Beispiel dem Design-Thinking, um die Hälfte reduziert werden.

Wertschöpfung durch Innovation – nur gemeinsam sind wir stark

Wir können nur dann erfolgreiche Unternehmen bauen, wenn wir diese Herausforderung als gesamtes IIoT-Ökosystem annehmen. Wir brauchen die Bereitschaft, Erfahrungen, Herausforderungen, Erkenntnisse und unbedingt auch Daten zu teilen. Je besser wir untereinander unseren Markt verstehen, desto besser kann unsere Branche die entscheidenden Innovationsschritte gehen, um auch in Zukunft Weltmarktführer aus Deutschland und Europa zu bieten.

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