Deutschland technisch ausgebootet

China übernimmt die Gesamtführung bei E-Mobilität

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EU-Flottenemissionsziele in Gefahr

Auch im Ranking Markt gibt das Reich der Mitte den Ton an: Der Absatz der neuverkauften E-Autos verdoppelte sich in China im Jahr 2016 – auf rund 350.000 Fahrzeuge. Frankreich hält trotz geringerem Absatzvolumen mit, da es einen höheren Marktanteil von E-Fahrzeugen im Vergleich zum Gesamtmarkt aufweisen kann.

Im Markt-Ranking erreicht Deutschland nur den vierten Platz mit rund 28.000 neu zugelassenen Plug-In Hybriden und rein elektrischen Autos im Jahr 2016 – dies entspricht gerade mal 0,8 Prozent am gesamten Fahrzeugmarkt.

„Das gefährdet die von der Europäischen Union festgelegten Flottenemissionsziele, die Automobilhersteller nach 2021 erreichen müssen“, warnt Stefan Riederle, Experte von Roland Berger. „Stärkere staatliche Anreize und der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur in Deutschland könnten hier sicherlich die Marktentwicklung beflügeln.“

Chinesische Start-ups greifen Premiumsegment an

Auf eine starke staatliche Förderung kann der Erfolg der Elektromobilität in China zurückgeführt werden. Allein im Jahr 2015 stellte die chinesische Regierung über eine Milliarde Euro für die E-Mobilität zur Verfügung. Aufgrund von Betrugs- und Missbrauchsfällen kürzte China allerdings gegen Ende 2016 die staatlichen Gelder um rund 20 Prozent.

Doch insgesamt hält das Land an seinen Subventionen und ambitionierten Zielen fest: Bis 2025 sollen 15 bis 20 Prozent der verkauften Neuwagen E-Fahrzeuge sein. Bis 2030 sollen es sogar 40 bis 50 Prozent sein.

Um diese Ziele zu erreichen fokussiert sich China nicht nur auf Fördermittel, sondern auch auf innovative Start-ups im Automotive-Bereich, die ausschließlich auf Elektroantrieb und autonomes Fahren setzen. „Wir sehen einen richtigen Boom chinesischer Start-ups“, beschreibt Wolfgang Bernhart die Situation.

„Mit kapitalstarken Investoren, erfahrenen Managern aus der Automobilbranche, globalen Entwicklungszentren und innovativen Geschäftsmodellen greifen die Start-ups das Premiumsegment an.“

Die immer stärkere Präsenz von dynamischen Start-ups auf dem chinesischen Markt setzt auch die etablierten Automobilhersteller zunehmend unter Druck: „Die großen europäischen OEMs müssen hier flexibler werden, um den Marktanschluss nicht zu verpassen“, warnt Stefan Riederle. „Die klassischen Produktzyklen von sieben Jahren sind heute nicht mehr gefragt. Unternehmen sollten insgesamt schneller, flexibler und innovativer in ihren Angeboten werden.“

Dieser Beitrag ist zunächst auf unserem Partnerportal Elektronikpraxis erschienen.

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