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System-von-Systemen-Modell Checkliste: die Zukunft von IoT-Organisationen

| Autor / Redakteur: Dominik Claßen* / Julia Moßner

2014 beschrieben Porter und Heppelmann die 5-stufige Evolution für das IoT, das in einem "System von Systemen"-Modell gipfelt. Heutige IoT-Projekte sind meistens zwischen Stufe 3 und 4 angesiedelt. Was Unternehmen tun müssen, um zu einer IoT-Organisation zu werden, beschreibt die Checkliste am Ende des Beitrags.

Was Unternehmen tun müssen, um zu einer IoT-Organisation zu werden beschreibt die Checkliste am Ende des Beitrags.
Was Unternehmen tun müssen, um zu einer IoT-Organisation zu werden beschreibt die Checkliste am Ende des Beitrags.
(Bild: CC0 / CC0 )

In dem Harvard Business Review Artikel “How Smart, Connected Products Are Transforming Competition” von 2014 beschreiben der US-Ökonom Michael E. Porter und James E. Heppelmann die fünfstufige Evolution für das Internet der Dinge (IoT), das in einem “Systeme von Systemen”-Modell gipfelt.

Dominik Claßen, Director of Sales Engineering EMEA & APAC bei Hitachi Vantara
Dominik Claßen, Director of Sales Engineering EMEA & APAC bei Hitachi Vantara
(Bild: Hitachi Vantara )

Diese Modell wird allgemein anerkannt und hat meinen Kollegen Wael Elrifai und die Experten Don DeLoach und Emil Berthelsen zu ihrem Buch “The Future of IoT: Leveraging the Shift to a Data Centric World” inspiriert. In dem Buch setzen sie ihre Erfahrungen mit IoT-Projekten in den Kontext dieses fünfstufigen Modells und geben Ratschläge, wie sich Unternehmen für die Zukunft von IoT rüsten können.

Ihrer Einschätzung nach sind die heutigen IoT-Projekte zwischen Stufe 3 (intelligente, vernetzte Produkte) und Stufe 4 (Produkt-System) angesiedelt. Besitzer der IoT-Daten sind in diesen Projekten meist die Hersteller der IoT-Geräte. Indem sie beschränkten Zugang zu den IoT-Daten gewährleisten oder - basierend auf den Daten nachgelagerter Unternehmen - Zusatzdienste anbieten, schaffen sie neue Umsätze. Ein Geschäftsmodell, dass sich sicherlich noch einige Zeit halten wird, bevor es zur Umsetzung des “System von Systemen”-Modells kommen kann.

Umsetzung des “System von Systemen”-Modells

Laut den Autoren riskieren wir aber auf eben jener vierten Stufe einen Stillstand, da der Schritt zu Stufe 5 riesig ist. Um das “System von Systemen”-Modell zu verwirklichen müssen Unternehmen ihre IT-Architekturen und ihr Verständnis des Datenbesitzes stark umkrempeln. Denn es geht um nicht weniger als um die Migration von einem geschlossenem System, in dem die Hersteller der IoT-Geräte die Daten besitzen und managen, zu einem offenen Datensystem, in dem die Unternehmen die näher am Kunden sind, dies übernehmen. Dementsprechend sahen auch die Autoren des Harvard Business Review Artikels, Michael Porter und James Heppelmann, die Beantwortung der Frage “wie managt das Unternehmen den Besitz von und die Zugangsrechte zu den Produktdaten?” als eine strategische Schlüsselentscheidung an. Denn hier geht es darum, sich von einem Unternehmen das IoT-aktivierte-Produkte nutzt zu einer IoT-aktivierten-Organisation zu wandeln.

First Receiver - eine Referenzarchitektur für das “System von Systemen”

In “The Future of IoT” führen Wael Elrifai, Don DeLoach und Emil Berthelsen zur Meisterung dieser Herausforderung das “First Receiver”-Konzept ein. Dabei handelt es sich um eine Referenzarchitektur, die das “System von Systemen”-Modell ermöglichen soll. Eine Schlüsselrolle spielt hier die Erstempfänger-Organisation. Das ist ein kundennahes Unternehmen (zum Beispiel eine Fabrik, ein Krankenhaus oder ein Einzelhandelsgeschäft), das als Host des “Systems von Systemen” fungiert und wie der Name suggeriert, die IoT-Daten als erstes empfängt.

Die Rolle der Erstempfänger Organisation beinhaltet das Speichern der eingehenden Daten, die Bereinigung und Anreicherung der Daten sowie die Weiterleitung von bestimmten Datensätzen an Abonnenten aus zugehörigen Einrichtungen. Dazu zählt auch die Weitergabe von Daten an interne Nutzer oder an Drittparteien wie Partner und Regulierungsbehörden. Die Daten werden ebenfalls an die verschiedenen Hersteller der IoT-Geräte zurückgeleitet, sodass diese die Systeme fachgerecht überwachen und warten können.

Dafür braucht das Erstempfänger-Unternehmen ein oder mehrere (physische oder virtuelle) Edge Devices, die die Daten aus den verschiedenen IoT Subsystemen einspeisen, die wichtigen Signale herausfiltern, gegebenenfalls einen Alert auslösen und die relevanten Daten persistent bereithalten. Wie die Architektur im Detail für die jeweiligen Umgebungen (zum Beispiel bei einem virtuellen Edge Device) aussehen kann, wird im Buch eingehend beschrieben.

Organisatorische Herausforderungen

Wie die Autoren anmerken, stellen IT-Architektur und Data Governance aber nur einen Teil des Puzzles dar. Um das “System von Systemen”-Modell umzusetzen, bedarf es darüber hinaus neuer Formen der Kooperation, neuer Fähigkeiten und Ressourcen, neuer vertraglicher Vereinbarungen und einen kulturellen Wandel entlang der gesamten Lieferkette. Die Autoren schließen ihr Buch unter anderen mit einer Checkliste, die Unternehmen dabei helfen soll, sich auf das “System von Systemen” vorzubereiten.

Bildergalerie

Checkliste: Auf dem Weg zur IoT-Organisation

  • Identifikation und Priorisierung der für das Unternehmen relevanten IoT-Anwendungen
  • Verständnis sowohl der technologischen Infrastrukturen und IT Architekturen als auch der Datenmodelle und der Datenflüsse
  • Sicherstellen, dass alle Firmendaten von einem einzigen Kontrollpunkt aus gemanagt werden können
  • Etablieren eines sicheren und funktionierenden Publisher-Subscriber-Ansatzes für das Datenmanagement
  • Entwicklung klarer Richtlinien, welche Daten wie zwischen den verschiedenen Interessensgruppen (Partner, Supplier, Kunden, Hersteller) gemanagt und weitergeben werden
  • Zusammenarbeit mit verschieden Technologiedienstleistern um offene Datensysteme gegenüber geschlossenen Systemen zu fördern
  • Kontinuierliche Entwicklung und Erkundung der potentiellen Chancen von IoT-Projekten und Erarbeitung von Datenaggregationsansätzen, Modellen und Analyse-Tools
  • Sicherstellen, dass das gesamte Unternehmen die IoT-Geschäftsziele kennt und versteht, wie IoT die Branche verändert

*Dominik Claßen arbeitet bei Hitachi Vantara als Director of Sales Engineering EMEA & APAC

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