Kreativ bis ins letzte Bit

Chaos Computer Club trifft sich zum Oster-Hackathon

| Autor: Lisa Marie Waschbusch

Am Osterwochenende fand der jährliche Easterhegg des Chaos Computer Clubs statt - dieses Mal im VCC in Würzburg.
Am Osterwochenende fand der jährliche Easterhegg des Chaos Computer Clubs statt - dieses Mal im VCC in Würzburg. (Bild: Industry of Things/Sebastian Schug)

Ein Roboter, der Ostereier bemalt; ein Sandkasten, der virtuell mit Wasser gefüllt wird: Am Osterwochenende trafen sich rund 700 Mitglieder des Chaos Computer Clubs im Vogel Convention Center in Würzburg zum jährlichen „Easterhegg“-Hackathon. Die Veranstaltung ist ein Entwicklertreffen mit zahlreichen Vorträgen, Workshops und ganz vielen Spielereien.

„Das ist das erste C in CCC – Chaos“, versucht Thomas Waldmann die Situation in der Rotationshalle des Vogel Convention Centers in Würzburg am Freitagnachmittag auf den Punkt zu bringen. Die in dunklem Licht gehaltene Halle ist mit langen Tischreihen ausgestattet. Wohin man blickt sitzen Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC) umgeben von Technik – Kabel, Laptops, Computerchips. Wer nicht am Rechner sitzt, lötet, schraubt, testet oder Kabel verlegt, der sitzt in Sitzkreisen auf dem Boden, hört Musik oder unterhält sich. Zwischendrin blinken bunte Lichterketten. Es war sicherlich eine etwas andere Veranstaltung, die am Osterwochenende im VCC stattfand – denn rund 700 Hacker haben sich dort getroffen, um sich auszutauschen, gemeinsam zu programmieren oder an einem der 85 Vorträge oder Workshops teilzunehmen.

Was auf den ersten Blick tatsächlich nach Chaos aussieht, sehen viele Teilnehmer als Mischung aus Familienfeier und Klassentreffen. Der Easterhegg soll so sein, wie die berühmten Kongresse des CCC früher mal waren: entspannt und familiär. Hierbei steht das Zusammenkommen im Fokus – nicht etwa der Fortbildungsaspekt, man könne sich die Vorträge im Nachhinein ohnehin in der Mediathek ansehen, bekommt man wiederholt zu hören. Vielmehr geht es um den Austausch mit Gleichgesinnten. Was man auf einer Entwicklerkonferenz nicht erwartet, sind die vielen Kinder, für die eine eigene Spielecke eingerichtet wurde. „Mittlerweile haben viele Mitglieder der ersten Stunde schon Nachwuchs, den sie jetzt mitbringen“, erzählt Doris Aschenbrenner, die selbst seit vielen Jahren CCC-Mitglied ist und gerne an den großen Kongressen und Camps teilnimmt.

Traditioneller Easterhegg

Die beliebte Veranstaltung des CCC findet jährlich statt – zum ersten Mal bereits 2001. Der ursprünglich als einmaliger Event geplante Easterhegg ist seither zu einer Traditionsveranstaltung unter den Mitgliedern des CCC geworden. Die Location wechselt dabei jährlich: 2016 fand der Easterhegg in Salzburg, 2017 in Mühlheim am Main statt. Wie die Veranstalter am Montagnachmittag mitteilten, werde der kommende Easterhegg wohl in Wien stattfinden.

Thematische Schwerpunkte der zahlreichen Vorträge des Easterheggs 2018 waren unter anderem neue Anwendungsgebiete für die Blockchain und die Weiterentwicklung von Microcontrollern, wie sie auch in IoT-Geräten zum Einsatz kommen. Anwendungen, wie eine Hardware-seitige Integration einer AES-Verschlüsselung in einen ESP32-Microcontroller sind für die hier anwesenden IT-Experten fast schon keine Nachricht mehr wert. Dass Sicherheit jedoch in der Industrie-Diskussion noch keinen hohen Stellenwert hat, stößt auf Unverständnis. Auch die Vortragenden prognostizieren bei steigender Anzahl an intelligenten Geräten immer mehr Hackerangriffe.

Wer sich aktiver mit dem Thema IoT auseinander setzen wollte, der war im Workshop „EZ DIY IOT w/ ESP + Pi“ gut aufgehoben. Hier wurde erklärt, wie man mithilfe eines ESP8266 als Prozessor ein IoT-Gerät für das Smart Home bauen kann, das Raum-Temperatur und relative Feuchte messen kann – und zwar live. Neben tiefgreifenden technischen Diskussionen gab es jedoch auch leichter verdauliche Themen: Einer der Speaker veranschaulichte am Freitagabend seinem Publikum, wie er seine sechs Katzen mittels selbst gebauten Spielereien aus der Technikkiste „automatisiert“ hat.

Nützliche Spielereien

Viele der praktischen Projekte sind Spielereien, auch außerhalb der Vortragshallen: Ein Lötworkshop, in dem ein Roboter entwickelt werden sollte, der Ostereier bemalen kann oder eine Augmented Reality-Anwendung, bei der eine Software in einem Sandkasten gebaute Gräben virtuell mit Wasser befüllt. Auch der Versuch ein C64-Spiel auf einem Mikrocontroller zu installieren, hat im ersten Moment keinen Vorbild-Charakter für die Industrie. Wer jedoch einen zweiten Blick riskiert, der erkennt die Einstellung, die dem Ganzen zu Grunde liegt: Es geht um das Austesten von technischen Grenzen, von neuen Wegen, von dem was maximal möglich ist. Dazu gehört natürlich auch die Optimierung von Prozessen und das Finden von Sicherheitslücken. Viele der Teilnehmer sind selbst Sicherheitsexperten oder ITler in großen Unternehmen. Sie sehen sich oftmals dazu berufen eine passende Sicherheitslösung für Anwendungen zu finden, da die Industrie das Problem nicht lösen werde.

An diesem Osterwochenende in Würzburg haben das Organisationsteam rund um den lokalen Nerd2Nerd e.V. und Joachim Baumeister als Pressesprecher eine Veranstaltung auf die Beine gestellt, die erst einmal den Rahmen sprengte: Innerhalb von 36 Stunden war die ursprünglich auf 500 Teilnehmer begrenzte Veranstaltung ausverkauft – 200 Teilnehmer standen auf der Warteliste. Letztlich konnten aufgrund der hohen Kapazitäten der Location rund 700 Mitglieder an der Clubveranstaltung teilnehmen. „Wir sind stolz, dass der Easterhegg in diesem Jahr zu Gast auf unserem Vogel Campus war. Gratulation an die Organisatoren für diese interessante und vielfältige und einfach coole und nerdige Veranstaltung“, freut sich Dr. Gunther Schunk, Chief Communication Officer von Vogel Business Media: „Das Vogel Convention Center ist nicht nur ein gutes Beispiel für eine gelungene Konversion, aus einer ehemaligen Druckhalle ein Kongresszentrum und damit ein neues Geschäftsfeld zu machen. Sondern es hat mit einem gewissen historischen Augenzwinkern den Charme, dass genau hier ab 1978 mit der CHIP die erste große Computerzeitschrift gedruckt wurde, die damals in unserem Hause das Licht der Welt erblickte!“

Nach drei Tagen reisen die Hacker wieder ab. Die Rotationshalle leert sich am Montagnachmittag rasant, der Abbau hat längst begonnen. Es sieht fast aus wie ein Festivalwochenende, das zu Ende geht – Teilnehmer beziehen ihre Wohnwagen wieder, verlassen mit Rucksäcken das Gelände des VCC, viele tragen das neueste T-Shirt des Easterheggs. Ein Wochenende, an dem man nicht nur unter Gleichgesinnten ist, sondern an dem auch neue Projekte für die Zukunft entstehen. Wer als Gast hier war hatte sicherlich auch die Chance Vorurteile über Bord zu werfen: „Jeder denkt, Hacker sind die, die mit Skimaske vor dem Rechner sitzen und böse Dinge tun“, sagt Waldmann ironisch, der selbst als Speaker auf dem Easterhegg war und eine Einführung in den Microcontroller „ESP32“ gab. Ein weiterer Teilnehmer fügt dem hinzu: „Eigentlich bedeutet Hacken nur, ein besonders hohes technisches Interesse zu haben“. Und vielleicht braucht man diese Grundeinstellung auch um sich im Chaos der rasanten Entwicklung zurecht zu finden.

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