Künstliche Intelligenz

BVDW veröffentlicht acht Leitlinien für Künstliche Intelligenz

| Autor: Yvonne Simon

Wie soll die digitale Wirtschaft mit dem Thema KI umgehen? Der Bundesverband digitale Wirtschaft (BVDW) hat Leitlinien formuliert.
Wie soll die digitale Wirtschaft mit dem Thema KI umgehen? Der Bundesverband digitale Wirtschaft (BVDW) hat Leitlinien formuliert. (Bild: gemeinfrei / CC0)

Künstliche Intelligenz birgt enorme Potentiale, sorgt aber gleichzeitig für Unsicherheit in der Gesellschaft. Die digitale Wirtschaft muss beides beachten und hat sich auf Leitlinien für den Umgang mit KI verständigt.

Vor dem Hintergrund der stetig steigenden Relevanz von KI hat der Bundesverband digitale Wirtschaft (BVDW) zum Jahresbeginn acht Leitlinien für Künstliche Intelligenz festgelegt. Wie der Verband am Mittwoch meldete, sollen sie eine Handlungsgrundlage für die Digitale Wirtschaft darstellen.

Die von der „Expertenrunde Künstliche Intelligenz“ im BVDW formulierten Leitlinien greifen Themen wie digitale Ethik, Herausforderungen für den Arbeitsmarkt oder den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf. „KI ist ein wirtschaftlicher Wettbewerbsfaktor. Im Vordergrund stehen aber längst nicht mehr nur die technischen Möglichkeiten durch KI“, erklärt BVDW-Vizepräsident Marco Zingler. „Wir haben den Anspruch, uns viel ganzheitlicher mit der Entwicklung auseinander zu setzen. Im Fokus steht nicht mehr nur, was KI kann, sondern vermehrt auch, was sie nicht können soll.“

So sei das Klären ethischer Grundsatzfragen gemäß der neuen Leitlinien zwingende Voraussetzung für den Durchbruch von KI. Das dafür benötigte Vertrauen könne die Branche nur durch Transparenz und kontinuierliche Aufklärung gewinnen.

Das sind die acht Leitlinien im Wortlaut:

  • 1. KI ist ein wirtschaftlicher Wettbewerbsfaktor – als Schlüsseltechnologie wird die Digitalbranche KI in der Entwicklung von neuen Geschäftsmodellen mit einbeziehen. Dazu müssen Unternehmen der Digitalen Wirtschaft konkrete Anwendungsfelder für KI identifizieren.
  • 2. KI liefert einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Probleme – die Digitale Wirtschaft wird diesen notwendigen Diskurs begleiten und moderieren. Dazu müssen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gleichgestellt in den Diskurs mit einbezogen werden
  • 3. Die Digitale Wirtschaft in Europa muss geschlossen agieren, um nicht abgehängt zu werden – die Implementierung von KI erfordert eine europaweite Denkweise. Damit die Europäische Union geschlossen agieren kann, muss Deutschland als starkes Mitglied der EU vorangehen.
  • 4. Die Autonomie und Entscheidungsfreiheit der Bürger muss gewährleistet werden, um Vertrauen zu schaffen – die Digitale Wirtschaft sieht sich in der Pflicht, ihre datengetriebenen Modelle darauf auszurichten. Daher muss deutlich werden, welche Daten bei einer KI mit welcher Intention verwendet werden.
  • 5. KI hat das Potenzial, die Wirtschaft zu disruptieren – für ihren Durchbruch ist das Klären ethischer Grundsatzfragen eine zwingende Voraussetzung. Dazu bedarf es der gesamt- gesellschaftlichen Erarbeitung klarer Leitlinien.
  • 6. Ein Durchbruch der KI wird den Arbeitsmarkt verändern – die Digitale Wirtschaft wird KI nutzen, um neue Berufe im Arbeitsmarkt zu etablieren. Dazu bedarf es einer stärkeren Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.
  • 7. Der Aufbau von qualifizierten KI-Fachkräften in Deutschland und Europa hat Priorität – die Digitale Wirtschaft trägt mit passenden Rahmenbedingungen ihren Teil dazu bei. Zusätzlich müssen dazu bestehende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten angepasst und flexibilisiert werden.
  • 8. Daten sind die Treiber der KI – die Digitale Wirtschaft setzt sich ein für angemessene regulatorische Rahmenbedingungen, um die Implementierung von KI auf breiter Basis zu ermöglichen. Datentöpfe müssen geöffnet werden, um Daten nutzbar zu machen und somit der KI zum Durchbruch zu verhelfen.
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Unterdessen meldete sich am Dienstag Dr. Volker Markl, Professor für Datenbanksysteme und Informationsmanagement an der Technischen Universität Berlin, zum Thema KI zu Wort. In einem auf der Website der TU veröffentlichten Interview spricht er von erheblichem Nachholbedarf in der Politik und Wirtschaft: „Viele deutsche Unternehmen haben die Chancen und Potentiale von Big Data und KI-Basistechnologien schlicht nicht rechtzeitig erkannt. Sie sehen sich noch nicht als IT-Unternehmen, sondern als IT-Anwender“, so Markl.

Damit Deutschland mit Ländern wie China und den USA mithalten könne, sei es nötig, die KI-Technologie zu demokratisieren. Markl schlägt zu diesem Zweck eine unabhängige Infrastruktur vor, auf der alle Daten, die in Deutschland oder Europa anfallen, sicher und zuverlässig verwaltet werden können. „Ich denke an eine Infrastruktur, die sowohl über öffentliche, private und streng geschützte Orte verfügt und die Produktionsfaktoren Daten, Algorithmen sowie Verarbeitungskapazitäten für Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und jeden einzelnen Bürger bereitstellt.“ Darauf basierend könne ein Marktplatz entstehen, der neuartige Anwendungen und Geschäftsmodelle hervorbringen könne.

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