Suchen

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Themenspecials "Industrie 4.0" erschienen.

sponsored by

Kommentar „Business as Usual” hat ausgedient

Autor / Redakteur: Eckard Eberle* / Sebastian Human

Welche Auswirkungen die weltweite Corona-Krise auf die Wirtschaft haben wird, ist noch immer nicht eindeutig einschätzbar. Klar ist aber, dass wir eine beispiellose Zäsur erleben. Es ist an der Zeit, mit Digitalisierung, KI und einer Portion Mut die neue Situation zu gestalten.

Firmen zum Thema

Neue Situationen fordern und fördern neue Technologien - beispielsweise zum Mitarbeiterschutz.
Neue Situationen fordern und fördern neue Technologien - beispielsweise zum Mitarbeiterschutz.
(Bild: Markus Weinlaender / Siemens AG)

Wie sieht die Produktion im „New Normal“ aus? Anders als Heute – denn die Krise sorgt dafür, dass die bisherige Effizienzmaximierung mit resilienten und adaptiven Produktionssystemen ergänzt werden muss. Die digitale Transformation leistet einen wesentlichen Beitrag.

Kein „weiter wie bisher“

Was aber nun, wenn der Lieferant wegen einer Krise nicht liefern kann? Oder die Transportwege lahmgelegt und Grenzen geschlossen sind? Hier wird dann schnell deutlich, dass das auf Effizienzmaximierung getrimmte System fragil und anfällig für äußere (Stör-)Einflüsse ist. Die Corona-Krise dient an dieser Stelle übrigens nur als Beispiel für jede Art von Krise. Auch andere globale Herausforderungen wie Klimaschutz, Verschmutzung der Meere und Erschöpfung natürlicher Ressourcen stellen das bisherige Prinzip von „möglichst kostengünstig“ in Frage.

Das Schöne ist, wir sind diesen Krisen nicht vollkommen wehrlos ausgeliefert. Vorausgesetzt, wir kehren im Anschluss nicht wieder zum „Business as Usual“ zurück. Denn um auf diese Herausforderungen in Zukunft besser reagieren zu können, benötigen wir ein „New Normal“. Damit meine ich unter anderem eine stärkere Balance zwischen Effizienz (= Kostenminimierung) und Effektivität (= Output).

Mehr Weitblick ist gefragt

Die neue Situation rund um die Auswirkungen von COVID-19 verlangt besonders nach Adaptivität (Anpassungsfähigkeit volatile Märkte). Adaptive Unternehmen passen sich schnell an veränderte Nachfragestrukturen an, wenn zum Beispiel durch Corona praktisch über Nacht die Nachfrage nach Headsets und Haarschneidemaschinen explodiert. Nur wer sich an diese VUCA-Welt (Volatility – Uncertainty – Complexity – Ambiguity) anpasst, kann auch resilient agieren, was für flexibles Handeln des Unternehmens erforderlich ist. Resilienz (Widerstandsfähigkeit gegen krisenhafte Ereignisse) ermöglicht es Unternehmen in diesem Zusammenhang, trotz beispielsweise Störungen der Lieferkette weiter zu produzieren, da mit der einhergehenden Transparenz (Informationen und Daten sind verfügbar, wo nötig) die nötige Flexibilität geschaffen wird.

Möglichkeiten voll ausschöpfen

Eckard Eberle studierte an der TU Kaiserslautern Elektrotechnik und Automatisierungstechnik, bevor er 1992 seine Karriere bei Siemens Energy als Projektmanager im Engineering begann. Von 2011 bis 2014 verantwortete er die Sparte Industrial Automation Systems. Seit 2014 ist er CEO Process Automation bei Siemens in Karlsruhe.
Eckard Eberle studierte an der TU Kaiserslautern Elektrotechnik und Automatisierungstechnik, bevor er 1992 seine Karriere bei Siemens Energy als Projektmanager im Engineering begann. Von 2011 bis 2014 verantwortete er die Sparte Industrial Automation Systems. Seit 2014 ist er CEO Process Automation bei Siemens in Karlsruhe.
(Bild: Siemens AG)

Adaptivität als Bedingung für Resilienz finden ihre technologische Heimat in der digitalen Transformation der Industrie .Schließlich ermöglicht Digitalisierung die Steuerung komplexer Systeme und Produktionsabläufe im Live-Betrieb auch in Situationen, die weder zuvor detailliert auscodiert wurden noch für die alle benötigten Informationen vorliegen.

Wichtig ist deshalb die Verknüpfung aller digitalen Systeme untereinander und die automatische Synchronisierung mit den realen Abläufen im Betrieb.

Beispiele aus dem Siemens-Portfolio sind etwa RFID-Lesegeräte, die entnommene Mengen in einem elektronischen Kanban-System automatisch erfassen und an das Bestellsystem des Lieferanten melden; oder Software-Systeme wie das webbasierte Prozessleitsystem Simatic PCS Neo, mit denen ohne persönliche Präsenz zahlreiche Betriebs-, Wartungs- und Anpassungsarbeiten aus dem sicheren Home Office durchgeführt werden können. Über diese Architektur, der Digital Connectivity, können die gewonnenen Informationen in Echtzeit an alle relevanten Beteiligten im Unternehmen und außerhalb verteilt werden. Das daraus entstehende Industrielle Internet der Dinge (Industrial Internet of Things, IIoT) sorgt für eine schnelle Reaktionsfähigkeit hinsichtlich Störungen und Nachfrageschwankungen.

Neben den genannten, bereits weitgehend etablierten Technologien gibt es natürlich auch noch weitere, neue Möglichkeiten.

Hier sehe ich vor allem großes Potenzial in künstlicher Intelligenz (KI) als Ergänzung zu Automatisierungssystemen. Schon auf der Hannover Messe 2019 haben wir gezeigt, was ein KI-gestützter Roboter ohne vorheriges Training leisten kann: Nur durch die Übermittlung des digitalen Fertigungsauftrags war er in der Lage, unterschiedlichste Geräte auf einer Hutschiene zu montieren.

Auf zu neuen Ufern

Abgesehen davon steht Industrial 5G als neuer Kommunikationsstandard in den Startlöchern und wird unter anderem dezentrale Steuerungsalgorithmen für eine große Zahl mobiler Roboter und autonomer Transportfahrzeuge ermöglichen.

Wir stehen also vor spannenden Zeiten. Die Krise zwingt uns, vorhandene und eingefahrene Strukturen auf den Prüfstand zu stellen und so völlig neue Wege und Potenziale zu erschließen. Wir müssen uns nur trauen, aufgeschlossen für neue Lösungen zu sein und diese dann auch anzuwenden. Wer weiß, vielleicht sorgt schon bald eine Business Blockchain für eine neue, ebenfalls dezentralisierte und resiliente Abwicklung von Transaktionen in der Supply Chain.

* Eckard Eberle ist CEO von Siemens Process Automation.

(ID:46808092)