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Kognitive Systeme Brain Control - eine neue Form der künstlichen Intelligenz

| Redakteur: Jürgen Schreier

Informatiker der Uni Tübingen haben ein Computerprogramm entwickelt, das eine neue Form der künstlichen Intelligenz darstellt. Bei Brain Control kommuniziert man mit virtuellen Figuren in menschlicher Sprache, erklärt ihnen Dinge, gibt Anweisungen oder motiviert sie, Situationen selbst zu erkunden.

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Klassische künstliche Intelligenz beschäftigt sich damit, eine Aufgabe logisch zu analysieren und zu planen. Damit lassen sich Systeme bauen, die immer dann gut funktionieren, wenn das Problem präzise in eine abstrakt-mathematische Form übertragen werden kann.
Klassische künstliche Intelligenz beschäftigt sich damit, eine Aufgabe logisch zu analysieren und zu planen. Damit lassen sich Systeme bauen, die immer dann gut funktionieren, wenn das Problem präzise in eine abstrakt-mathematische Form übertragen werden kann.
(Bild: Pixabay / CC0 )

Informatiker der Universität Tübingen haben eine neue Form der künstlichen Intelligenz entwickelt. Das Programm heißt „Brain Control“ und simuliert sowohl eine 2D-Welt als auch darin eigenständig handelnde, kooperierende und lernende, virtuelle Figuren bzw. Agenten.

Dabei handelt es keineswegs nur um ein Forschungswerkzeug, sondern auch um eine neue Art von Computerspiel: Man kommuniziert mit den Figuren in menschlicher Sprache, indem man beispielsweise Dinge erklärt, Anweisungen erteilt oder die Agenten ermuntert, Situationen selbst zu erkunden.

Brain Control folgt nicht dem herkömmlichen KI-Paradigma

Die Simulation zielt darauf ab, moderne Theorien der Kognitionswissenschaft in ein Modell zu überführen und neue Varianten künstlicher Intelligenz zu erforschen. Prof. Martin Butz und sein Team vom Lehrstuhl für Kognitive Modellierung ließen das Programm über mehrere Semester in Programmierpraktika wachsen und haben es nun veröffentlicht.

Aber wodurch unterscheidet sich das Konzept der Tübinger Wissenschaftler vom bisher Bekannten? Klassische künstliche Intelligenz (KI) beschäftigt sich eher damit, eine Aufgabe logisch zu analysieren und zu planen. Damit lassen sich Systeme bauen, die immer dann gut funktionieren, wenn das Problem präzise in eine abstrakt-mathematische Form übertragen werden kann. Auf der anderen Seite stehen künstliche neuronale Netze, die in den letzten Jahren für allerlei Schlagzeilen gesorgt haben.

Brain Control verzichtet (bisher) auf den Einsatz solcher neuronaler Netze, folgt aber auch nicht dem klassischen KI-Paradigma. Vielmehr bettet das Programm die Figuren stärker in ihre Umwelt ein und grundiert den Handlungsrahmen dadurch: Innerhalb ihrer Welt haben die Spielfiguren unterschiedliche Motivationen, z.B. mehr Energie zu bekommen oder ihre Welt zu erkunden.

Virtuelle Figuren sollen selbstständig agieren

Ausgehend von diesen Motivationen lernen sie durch Interaktionen, wie ihre Umwelt funktioniert und wie sie diese beeinflussen können. Dabei legen die Forscher großen Wert darauf, die Figuren selbstständig agieren zu lassen. Folglich muss nach und nach auch immer weniger vorgegeben werden, da von den Agenten immer mehr selbst erlernt bzw. gelöst wird. Der Einsatz neuronaler Netze ist mittelfristig geplant, jedoh sollen diese nur als Teilsysteme genutzt werden.

Die theoretische Kernidee hinter dem Programm entstammt einer kognitionspsychologischen Theorie, nach der kognitive Prozesse im Wesentlichen prädiktiv agieren und auf sogenannten „Events“ basiert sind.

Solche „Events“ - zum Beispiel eine bestimmte Bewegung wie das Greifen nach einem Stift, und die Verkettung von Events, wie das Zusammenpacken, wenn man Feierabend hat - bilden den Grundstock der Kognition, mittels dem zielorientiert Interaktionen und Interaktionsketten mit der Welt ausgewählt und kontrolliert werden.

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