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Blockchain-Anwendungen

Blockchain wird das IoT revolutionieren

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Datenbank oder Register sind nicht zentral auf einem Server gespeichert, sondern dezentral auf einer Vielzahl von Computern. Alle Teilnehmer besitzen die gleichen Zugriffs- und Nutzerrechte. Sie prüfen die verfügbaren Daten auf ihren Wahrheitsgehalt.

"Blockchain gehört keinem zentralen Verwalter, das System ist kaum zu hacken oder zu manipulieren", so Reisberger. Darin liegt für den IT-Experten ein wesentlicher Vorteil von Blockchain, auch als Distributed-Ledger-Technologie bezeichnet (DLT). Der Schutz gerät lediglich dann in Gefahr, wenn Angreifer mehr als die Hälfte des Systems kontrollieren. Man spricht hier von der sogenannten 51-Prozent-Attacke. Die Folgen könnten sein:

  • Der Angreifer führt Double-Spending-Transaktionen durch, d.h. er kehrt Transaktionen um und transferiert diese woanders hin.
  • Er verhindert beliebig viele Transaktionen.
  • Er sperrt bestimmte Zahlungen und schaltet so einzelne Teilnehmer aus.
  • Er hält beliebig viele Miner davon ab, irgendwelche gültigen Blocks zu minen und streicht stattdessen die Belohnungen dafür selbst ein.

In der Praxis hat bereits einige solcher 51-Prozent-Attacken gegeben: Der Minenpool ghash.io überschritt im Juli 2014 kurzzeitig 50 Prozent der Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks, was den Pool dazu veranlasste, sich freiwillig dazu zu verpflichten, seinen Anteil am Netzwerk zu reduzieren. Kryptonbit und Shift, zwei Blockchains auf der Basis von Ethereum, erlitten im August 2016 51-Prozent-Angriffe.

Beim Tangle, einem Distributed Ledger, das sich grundlegend von einer Blockkette unterscheidet, und beispielsweise IOTA zugrunde liegt, würde es bereits ausreichen wenn ein Angreifer etwas mehr als ein Drittel der Hashrate des Netzwerks bereitstellt, was als 34-Prozent-Angriff bezeichnet wird.

Weiterbildung zu Blockchain und KI

„Blockchain und Künstliche Intelligenz sind nicht die Kür, sondern werden zum Pflichtprogramm für die deutsche Wirtschaft“, sagt Anja Olsok, Geschäftsführerin der Bitkom Servicegesellschaft mbH. „Allerdings fehlt es in vielen Unternehmen an ausgebildeten Experten, die in der Lage sind, die neuen Technologien erfolgreich in die Geschäftsprozesse zu integrieren.“

Die Bitkom Akademie reagiert auf den Bedarf der Unternehmen und bietet 2018 neue Weiterbildungen zu diesen Trend-Technologien an. Im Rahmen des Zertifikatslehrgangs „Blockchain implementieren – Technologie & Anwendung von Blockchain im Unternehmen“ können sich Fach- und Führungskräfte intensiv zur Anwendung von Blockchain weiterbilden. Für Interessenten, die sich einen ersten Überblick über das Thema verschaffen wollen, bietet die Bitkom Akademie außerdem sieben kostenfreie Online-Seminare an.

„Eine weitere Ausbildung zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz folgt im ersten Quartal 2018“, verspricht Olsok. „Darüber hinaus bilden wir auch wieder Data Scientists aus.“ Ergänzt wird das neue Seminarprogramm durch Spezialthemen wie User Experience und UX/UI Design sowie die Schwerpunkte IT-Sicherheit und Datenschutz.

Alle Seminare und Ausbildungen der Bitkom Akademie sind verfügbar unter https://www.bitkom-akademie.de/seminare

Blockchain schafft Rechtssicherheit

Inzwischen reduziert sich Blockchain keineswegs mehr auf Kryptowährungen und den Finanzsektor. Die Anwendungsfelder sind breit gestreut. Es geht um Marktplätze für Daten, Management von Identitäten, Verleihen von Geld, um Venture-Funding oder um Darlehen für Selbstständige. Dazu gibt es zahlreiche Player, die sich als Basis-Plattformen für Dritte positionieren.

Auch Verträge unterschiedlichster Art sind über Blockchain abwickelbar. Dabei handelt es sich um sogenannte Smart Contracts: Die Verträge liegen nicht mehr in Papierform vor, sondern sind in Computerprotokolle eingebettet. Diese überprüfen oder unterstützen die technische Verhandlung oder Abwicklung eines Vertrags. Behörden, Notare, Anwälte und Prüfungsgesellschaften werden nicht mehr benötigt, um solche Dokumente zu validieren.

Genau das verspricht der niederländische "Technologiedisruptor" LegalThings, der, 2014 von dem Softwareentwickler Arnold Daniels, dem Steueranwalt Rick Schmitz und dem Ökonomen Martijn Migchelsen gegründet, mit seinem Live-Contracts-Konzept Begrenzungen der herkömmlichen Blockchain-Technologie überwinden will. Erfolgt die Erstellung eines Vertrags auf einer Blockkette, werden die Vergangenheit und jede Transaktion im Entwurfsprozess eindeutig.

Dieser Aspekt der Blockchain-Technologie bietet eine konkurrenzlose Möglichkeit, Rechtssicherheit zu schaffen. Dabei wurde und wird von Verfechtern sogenannter Smart Contracts (codierte Verträge, die selbstausführend sind) die These vertreten, dass diese Codes den herkömmlichen Papiervertrag ersetzen können.

Nach Einschätzung von LegalThings trifft das bestimmte Kontrakte durchaus zu - nämlich solche, die auf festen, objektiv bestimmbaren Ausführungskriterien beruhen. Dazu gehören beispielsweise Aktienoptionen. Intelligente Verträge hingegen seien aber niemals in der Lage, jeden unvorhergesehenen Umstand zu erfassen. Denn auch ein Smart Contract lässt keine Abweichung zu, selbst wenn dies einvernehmlich vereinbart wird. Das ist ein gravierender Nachteil bei der Anwendung von Smart Contracts auf juristische Sachverhalte im wirklichen Leben.

Live Contracts sind für Menschen und Computer verständlich

LegalThings will nun eine Lösung für dieses Problem gefunden haben. Die sogenannten Live Contracts des holländischen Unternehmens reale und rechtsverbindliche Verträge auf einer Blockkette zu protokollieren. Ein Live Contract ist laut LegalThings eine formelle Vereinbarung, die so programmiert ist, dass sie sowohl für Menschen als auch für Computer verständlich ist. Dies ermöglicht es, einige Aufgaben zu automatisieren und andere der menschlichen Ausführung zu überlassen. Dadurch bleibt der Prozess in der Hand des Menschen und nicht der Maschine.

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LegalThings veröffentlicht den Proof of Work in einer Live-Contract-Demoumgebung, in der eine Wettbewerbsverbotsklausel in einem Arbeitsvertrag verletzt wird und die verschiedenen Szenarien, die mit diesem Verstoß einhergehen, durchgespielt werden können. Das von LegalThings verwendete Finite State Machine Protocol wird laut nach Unternehmensangaben bereits in der Praxis eingesetzt - unter anderem von verschiedenen Anwaltskanzleien, multinationalen Unternehmen und niederländischen Behörden. LegalThings hat inzwischen mit dem Pre-Sale seiner Tokens begonnen und bereits drei Millionen davon an den Investor gebracht.

Verwaltungsprozesse mit Smart Contracts vereinfachen

Smart Contracts könnten außerdem grundlegende Prozesse öffentlicher Verwaltungen fälschungssicher automatisieren, so die Einschätzung des des eco-Verbands. Gerade die Stärken der Blockchain – fälschungssichere Register zu führen und als vertrauenswürdige neutrale Instanz zu fungieren – sind zentrale Charakteristika öffentlicher Institutionen.

Öffentliche Verwaltungen pflegen Listen, beispielsweise der Einwohner einer Kommune oder der dort zugelassenen Fahrzeuge. Das Grundbuch ist ein Register, das die Rechte der Bürger an bestimmten Immobilien auflistet. „Dies alles ließe sich heute schon mithilfe der Blockchain-Technologie fälschungssicher, automatisch und effizient führen“, sagt eco-Blockchain-Experte Stephan Zimprich. Eine weitere Stärke dieser Technologie: Sie kann die Umsetzung von Prozessen und die Durchsetzung von Rechtsnormen automatisieren. „Rechtlich zwingende Verfahrensabläufe ließen sich als Smart Contracts in die Blockchain einprogrammieren und so deren Einhaltung quasi erzwingen, sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind“, so Zimprich.

Doch bevor sich Verwaltungsprozesse in die Blockchain überführen lassen, gelte es einige Herausforderungen zu lösen. So braucht Verwaltungen laut eco neue rechtliche Grundlagen und hohe Veränderungsbereitschaft bei Verantwortlichen. Auch technologische und personelle Herausforderungen seien nötig. Schließlich müsse die Akzeptanz der Menschen für den Blockchain-Einsatz gestärkt werden.

Blockchain - Wegbereiterin der digitalen Gesundheitsökonomie

Ein weiterer Bereich, in dem die Blockchain-Technologie ein Höchstmaß an Sicherheit bietet, ist die Transaktion von Gesundheitsdaten. Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Frost & Sullivan wird die Konvergenz von Blockchain mit innovativen Technologien wie mHealth und dem Internet der medizinischen Dinge neue Möglichkeiten zur Entwicklung einer digitalen Gesundheitsökonomie eröffnen. „Neue, vernetzte, medizinische Geräte und die Notwendigkeit, Daten vor Datenschutzverletzungen zu schützen, machen die Blockchain-Technologie mit ihrer umfassenden Sicherheitsinfrastruktur zur offensichtlichen Lösung für aufkommende digitale Abläufe und fortschrittliche Interoperabilität im Gesundheitswesen.", erläutert Kamaljit Behera, Transformational Health Industry Analyst von Frost & Sullivan. "Sie sorgt durch eine einzigartige Übereinstimmung der verteilten Netzwerke, die Verschlüsselungstechniken zur Minimierung von Cyberattacken einsetzt, für eine zusätzliche Sicherheitsschicht."

Auch wenn Blockchain nicht das Allheilmittel für die Herausforderungen der Gesundheitsbranche darstelle - durch die Optimierung der derzeitigen Arbeitsprozesse hat sie aber das Potenzial, in den nächsten fünf bis zehn Jahren Milliarden Dollar einzusparen und einige hochpreisige Gatekeeper durch Disintermediation zu ersetzen, ist F&S-Analyst Behera überzeugt.

Zu den wichtigsten Marktteilnehmern im Blockchain-Markt der Gesundheitsbranche zählen nach der F&S-Studie "Blockchain Technology in Global Healthcare, 2017–2025":

  • Guardtime: Die urheberrechtlich geschützte Plattform KSI (Keyless Signature Infrastructure) verspricht 100prozentige Genauigkeit bei abgerufenen Patientenakten. 2016 kooperierte Guardtime mit der eHealth-Stiftung, um die Gesundheitsdaten einer Million estnischer Bürgern zu sichern.
  • PokitDok Inc: Das Unternehmen offeriert eine Software-Entwicklungsplattform mit einer Reihe Endpunkten einer Anwendungsprogramm-Schnittstelle (API), die Eignungsprüfungen, Forderungen, direkte Terminvereinbarung, Zahlungsoptimierung, Patientenidentitätsmanagement, Arzneimittelumsätze und andere Geschäftsabläufe erleichtert. Das Unternehmen arbeitet mit Intel und anderen digitalen Gesundheitsfirmen zusammen.
  • Gem Health: Die Unternehmensplattform GemOS von Gem Health und Partnerschaften des Unternehmens mit Medizintechnikunternehmen wie Philips und Capital One beschleunigt Blockchain-Lösungen für das IoMT und RCM Use Cases.
  • Patientory: Das IT-Unternehmen hat eine Blockchain-basierte, verteilte Computing- und SaaS-Plattform für medizinische Datenspeicherung entwickwlt und arbeitet mit Kaiser Permanente (U.S.) an der Speicherung von Patientendaten.
  • iSolve LLC: Die Blockchain-Plattorm ADLT unterstützt Unternehmen in der Life-Science-Branche beim Drug Development Lifecycle durch die Schaffung eines intelligenten Marktplatzes für Ausschreibungen, das Tracking und die Kooperation/Kollaboration von Unternehmen, Technologietransfer-Einrichtungen, Investoren und Dienstleistungsanbieter.

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