Datenökonomie

Blockchain - und die Daten funkeln wie Gold

| Autor / Redakteur: Christian Reichenbach / Jürgen Schreier

Autofahrer könnten durch den Verkauf der Sensordaten ihrer Fahrzeuge Geld verdienen. Blockchain-Konzepte in Verbindung mit entsprechenden IoT-Plattformen würden das technologisch möglich machen.
Autofahrer könnten durch den Verkauf der Sensordaten ihrer Fahrzeuge Geld verdienen. Blockchain-Konzepte in Verbindung mit entsprechenden IoT-Plattformen würden das technologisch möglich machen. (Bild: Pixabay / CC0)

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Daten sind eine moderne Goldmine. Und Blockchain-Lösungen auf Unternehmensebene helfen dabei, aus Daten Geld zu machen. HPE hat den Prototyp einer Blockchain-Lösung entwickelt, mit der die im Auto gesammelten Daten während der Fahrt über einen speziellen Online-Marktplatz "monetarisiert" werden können.

Rund 150 Meilen nordöstlich des Executive Briefing Center (EBC) von Hewlett Packard Enterprise (HPE) in Palo Alto, in den Ausläufern der Sierra Nevada Mountains, liegt das kleine Städtchen Coloma -- im 19. Jahrhundert Epizentrum des Goldrauschs. Hunderttausende von Goldsuchern kamen zu Sutter's Mill und anderen Schauplätzen in Nordkalifornien, um dort den (Gold-)Schatz zu finden, der sie reich machen würde. Einige haben ihn tatsächlich entdeckt, die meisten dieser Glücksritter aber nicht. Doch hat der Goldrausch Kalifornien (und letztlich die ganzen Vereinigten Staaten) für immer geprägt.

Heute jedoch ist der beste Ort, um nach Gold zu suchen, nicht unter der Erdoberfläche. Der Schatz steckt in dem, was sich zur wertvollsten Währung der modernen (digitalen) Welt entwickelt hat.- in den Daten, die von Millionen IoT-Devices generiert werden.

Blockchain-Technologie hilft, Fahrzeugdaten zu monetarisieren

Im "Reich" von HPE liegt diese Goldmine innerhalb des Intelligent Edge, also jenem magischen Ort außerhalb herkömmlicher Rechenzentrum, an dem Daten entstehen und sofort analysiert werden können. Der Einsatz intelligenter Technologie hilft Unternehmen dabei, auf der Basis solcher Daten und Analysen nicht nur die Effizienz von Prozessen zu optimieren, sondern auch die "Kasse" zu füllen, in dem die Daten an Dritte verkauft werden, die sie für die Kundenansprache, für Fahrerassistenznachrichten und und andere Formen von Mobilitätsdiensten nutzen können.

Spätestens jetzt kommt die Blockchain-Technologie ins Spiel, die eine sichere Methode für die gemeinsame Nutzung und Bezahlung der Sensordaten eines Fahrzeugs darstellt. Dazu ein kleines Beispiel: Fahrzeugdaten von Regensensoren, Stoßdämpfern, Bremsen oder Kraftstofftanks können in Kombination mit Navigations- und GPS-Daten für Unternehmen, aber auch öffentliche Einrichtungen - darunter Einzelhändler, Versicherungen, Straßenmeistereien und natürlich auch die Automobilhersteller selbst - von großem Wert sein. Allerdings mangelt es derzeit an klaren Regelungen der "Datenhoheit", an Plattformen für das Anbieten von Daten sowie interoperablen Belohnungssystemen für jene, die ihre Daten teilen möchten. All das dämpft aktuell das Interesse an solchen Monetarisierungskonzepten.

Und ein wichtiger Aspekt dieses Ansatzes ist, dass die Autofahrer bzw. Fahrzeughalter selbst ein Glied in der Daten-Wertschöpfungskette bilden. Wenn die Akzeptanz von Blockchain und ähnlichen Krypto-Technologien weiter wächst, können Autofahrer oder Autobesitzer irgendwann die Kontrolle darüber ausüben können, wer Zugriff auf ihre Daten erhalten soll und zu welchem Preis.

Aus diesem Grund hat HPE eine Partnerschaft mit Streamr geschlossen, einer Open-Source-Plattform für den freien und fairen Austausch der Echtzeitdaten weltweit. . Die leistungsstarke Analyse-Engine von Streamr aggregiert und kombiniert Rohdaten mit zusätzlichen Daten, um deren Werthaltigkeit zu bestimmen. Diese Daten können dann an den Streamr-Marktplatz gesendet werden, der eine Schnittstelle für die Datenlieferung und Zahlung in Echtzeit bietet und Käufer und Verkäufer zusammenbringt. Mit smarten Verträgen und Krypto-Währungen wie der DATA-Münze von Streamr kann ein Verbraucher einfach durch Fahren Geld verdienen oder andere "Belohnungen einstreichen.

Prototyp auf Audi-Q2-Basis nutzt Ethereum-Blockkette

Derzeit hat HPE einen Prototyp der Blockkettenlösung implementiert, der die technische Machbarkeit durch die Umrüstung eines Audi Q2-Standardmodells belegt. Das Experiment war erfolgreich: Der Prototyp basiert auf einer privaten Ethereum-Blockkette, die auf der Azure Cloud von Microsoft und Edgeline Gateways von HPE gehostet wird. Sie erfasst Fahrzeugdaten - in diesem Fall von Regensensoren - direkt aus dem Fahrzeug. Die Daten können dann mit Unternehmen geteilt (oder an diese verkauft) werden, die solche Daten für Auswertungen benötigen.

Konkret funktioniert das Modell wie folgt: In Echtzeit werden Informationen vom Kommunikationsbus im Auto abgegriffen, in dem Hunderte von Datenpunkten aus Sensoren ankommen. Dann werden diese Daten - vom Kraftstoffverbrauch über den Standort bis hin zu Beschleunigung und Getriebe - direkt an den Streamr-Marktplatz gesendet, wo sie von Personen, Organisationen oder Maschinen erworben werden können.

Während Cyber-Bedrohungen immer ein Problem darstellen, wenn es um das Sammeln, Übertragen und Speichern von Daten geht, bietet die Blockchain dank ihrer dezentralisierten Struktur ein hohes Maß an Kontrolle, Offenheit und Sicherheit als zentrale Lösungen. Damit entfällt die Notwendigkeit einer zentralen, neutralen Plattform zur Erfassung und zum Hosting von Fahrzeug-Sensordaten für kommerzielle und öffentliche Einrichtungen.

Stoßdämpfer melden Schlaglöcher an die Straßenaufsicht

Die Möglichkeiten, die sich aus solchen Blockchain-as-a-Service-Anwendungen ergeben, sind atemberaubend. So könnte beispielsweise eine Ölgesellschaft über eine solche Plattform benachrichtigt werden, wenn der Füllgrad des Kraftstofftanks eine bestimmte Schwelle unterschreitet. Die Ölfirma könnte dann einen Rabattcoupon für Benzin an das mobile Gerät des Fahrers schicken, um diesen an einer ihrer Tankstellen zu locken. Die Kopplung von Stoßdämpferdaten mit der GPS-Positionierung könnte die staatliche Straßenaufsicht über Schlaglochprobleme informieren, die behoben werden müssen, bevor es zu einem Unfall kommt.

Andere Industrien, die für eine Monetarisierung von Daten auf Blockchain-Basis reif sind, sind die Finanzdienstleistungsbrache, die Fertigungsindustrie und das Gesundheitswesen - und noch viele andere mehr. Moderne Technologien wie Blockchain bieten die Möglichkeit, den Wert von Daten in "bare Münze" zu überführen. Da viele Organisationen - Firmen, Institute, öffentliche Einrichtungen - auf einer wahren Fundgrube von Informationen (resp. Daten) sitzen, ist es jetzt an der Zeit, danach zu graben.

Christian Reichenbach ist Transformation Consultant bei HPE. Sein Artikel ist als HPE-Blogbeitrag erschienen.

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