Suchen

Kommentar

Blockchain-Technologie und KMU – Ein ungleiches Paar?

| Autor/ Redakteur: Sören März* / Sebastian Human

Digitalisierung im Bereich von kleinen und mittelständischen Unternehmen geht nicht? Dieser Aussage schlägt die gerade erst aufgekommene Blockchain-Technologie bereits ein Schnippchen und revolutioniert unseren mittelständischen Wirtschaftsalltag!

Firmen zum Thema

Auch kleine und mittelständische Unternehmen können von der Blockchain-Technologie profitieren, doch sollte bereits im Vorfeld der erwartete Nutzen definiert werden.
Auch kleine und mittelständische Unternehmen können von der Blockchain-Technologie profitieren, doch sollte bereits im Vorfeld der erwartete Nutzen definiert werden.
(Bild: gemeinfrei / Unsplash)

Die Digitalisierung hält schon seit geraumer Zeit Einzug in unseren globalen Wirtschaftsalltag. Es scheint gerade so, als wäre ein Wettrennen entbrannt, wenn man die Berichterstattung zu Millioneninvestitionen in Unternehmen verfolgt, die vermeintlich noch revolutionärere, technologische Lösungsansätze bieten. Ganz vorne innerhalb dieses Diskurses rangiert dieser Tage die Blockchain-Technologie, mit ihrem wohl bekanntesten Anwendungsbeispiel, der Kryptowährung Bitcoin.

Der Ursprung der Blockchain

Was als kryptographische Programmierung zur Peer-to-Peer-Abwicklung von Geldgeschäften startete, avanciert schon längst in Richtung einer Mainstream-Technologie. Ein Zug auf den jedwedes Großunternehmen natürlich aufspringen will. Interessant daran ist, dass die Technologie scheinbar grenzenlose Möglichkeiten bietet und das, obwohl die Berichterstattung der vergangenen Tage nicht durchweg positiv gewesen ist.

Bereits in den ersten Stunden der Blockchain erregte sie negatives Aufsehen. Die meisten ordneten sie, als Grundlage eines fadenscheinigen Zahlungssystems in die Untiefen des Tor Browsers, was durch den Silk-Road-Skandal weiteren Aufwind erhielt. Kurz darauf folgte der erste Bitcoin-Boom, der zumindest jedem digitalen Goldsucher das Wort Blockchain in das alltagstaugliche Vokabular integrierte. Seitdem ist verhältnismäßig wenig Zeit vergangen und von einer Massenadaption sind wir nach wie vor weit entfernt. Trotzdem scheint es bei allen Podien zum Thema Innovation nicht mehr ohne eine Blockchain-Anwendung zu gehen. Ob solch eine Anwendbarkeit für jede Unternehmung Sinn macht, ist zu bezweifeln, denn nur weil eine Blockchain im Hintergrund arbeitet, muss eine gut programmierte Datenbank nicht obsolet werden.

Was jedoch unzweifelhaft gesagt werden kann, ist, dass sich die Zukunft unserer Finanzsysteme, beeinflusst durch diese Disruption, rasant entwickeln wird. „Wir gehen davon aus, dass in fünf Jahren über die Hälfte der Finanzprodukte digital angeboten werden“, schätzt Adrian Keller, Blockchain Audit Leader und Partner von PwC Switzerland. Das würde bedeuten, dass unsere Geldgeschäfte beschleunigt stattfinden, in direktem Kontakt beider zahlender Parteien, doch höchstwahrscheinlich nicht dezentral, so wie sich das Satoshi Nakamoto, der Erfinder von Bitcoin, ursprünglich gewünscht hat.

Innerhalb dieser Entwicklung treffen wir gern die großen Banken, Unternehmensberatungen, staatliche Institutionen und Venture Capitalists. Welchen Wirtschaftsbereich wir so gut wie immer vermissen, ist das Rückgrat der europäischen Wirtschaft: Kleine und mittelständische Unternehmen. Dabei beschäftigen sie die meisten Angestellten innerhalb unseres Wirtschaftssystems, sind mit rund 2,4 Millionen einzelnen Unternehmen eine unbestreitbare Wirtschaftsmacht und erzielen zum Beispiel im Bau- und Gastgewerbe den Großteil der Wertschöpfung. Warum also wird dieser Wirtschaftsmotor nach wie vor stiefmütterlich behandelt, wenn es um das Thema Blockchain geht?

Use-Cases im Bereich von KMU

Man kann zu konservative Managementstile verantwortlich machen, Überalterungen in der Chefetage, nicht genug Kapital, um eine eigene Lösung im entsprechenden Bereich anzustreben und weitere ähnlich anmutende Punkte. Was dabei oft vergessen wird, ist nicht nur die Seite der Nachfrage, sondern auch das entsprechende Angebot bestimmt die Progression einer solchen Entwicklung.

Wenn man nach konkreten Lösungen sucht, die einem KMU via Blockchain den Alltag erleichtern würden, sucht man unter den spezialisierten Anbietern und Beratungen die Nadel im Heuhaufen. Zu kleinteilig sind oft die Ansätze, zu teuer die Honorare und zu abstrakt die Lösungen. Das soll allerdings nicht bedeuten, dass es diese Dienstleister oder bereits bestehende Anwendungsbeispiele nicht gibt.

Ganz allgemein ist es wichtig, sich an diesem Punkt vom Denkansatz "Blockchain ist gleich Kryptowährung" zu entfernen. Als fälschungssichere Datenbank wird die Blockchain nämlich bereits in ganz anderen Bereichen benutzt. Ein gutes Beispiel ist das junge Unternehmen 4ARTechnologies die sich zur Mission gemacht haben, die Provenienz von Kunstgegenständen auf der Blockchain zu katalogisieren. Neben der erhöhten Transparenz soll hierdurch Fälschungssicherheit angestrebt werden, die jeden Kunstsammler aufatmen lassen würde und jedem Auktionshaus Ressourcen sparen könnte. Ein auf den ersten Blick sehr überzeugendes Anwendungsbeispiel. Um im Kunstbereich zu verweilen, sei das bereits medial gut bekannte Unternehmen Maecenas erwähnt, das Kunst als Anlageklasse sieht und Anteile an bestimmten Kunstwerken erwerben lässt. Auch hier sicher und nicht hackbar über die Blockchain abgewickelt. Auch in, sagen wir einmal handfesteren Branchen, kann die Blockchain-Technologie erfolgreich genutzt werden. So zum Beispiel in der Logistik, was das Start-Up Shipchain umzusetzen versucht. Um ein letztes, brandneues Anwendungsbeispiel für Blockchain-Technologie zu nennen, ist der neuste Vorstoß des deutschen Unternehmens Exporo zu erwähnen. Das Immobilien-Crowdfunding hat eine tokenbasierte Anleihe auf Immobilienvermögen emittiert und unternimmt damit einen nächsten großen Schritt in seinem bereits sehr erfolgreichen Geschäftskonzept.

Wege und Ansätze zur sinnvollen Umsetzung von Blockchain-Lösungen gibt es demnach bereits, aber für bereits bestehende Unternehmen ist das Finden von Hilfe nicht ganz einfach. Auf diesem noch jungen Markt tummelt sich unter anderen die Schweizer Cryptix AG. Das Unternehmen mit Sitz in Zug und Wien bietet Komplettlösungen an, um potentiellen Kunden einen sinnvollen Use-Case zu erarbeiten. Dazu zählt Rechtsberatung, selbstverständlich IT, eine In-House-Agentur und ein privat finanziertes Forschungszentrum. Spezialisiert auf Lösungen für KMU, versucht das Unternehmen jeden Arbeitsschritt selbst umzusetzen, um zu vermeiden, dass der Kunden eine aufwendige oder kostspielige Suche nach Projektpartnern betreiben muss.

Es lässt sich demnach zusammenfassend sagen, dass es große Potentiale für Blockchain-Technologie und Umsetzungen im Bereich von kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt. Wichtig ist nur, dass die entsprechenden Unternehmer beginnen diese Gelegenheit am Schopfe zu packen. Denn hier gilt auch, wie überall anders, wer zukunftsfähig aufgestellt ist, kann Marktanteile halten und ausbauen.

* Sören März ist Unternehmer und Finanzjournalist aus Hamburg. Als Journalist widmet er sich neben finanztechnologischen Themen insbesondere der Thematik von Investitionen in alternative Assets.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 46093058)