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Expertenbeitrag

Mauro Adorno

Mauro Adorno

Geschäftsführer, ToolsGroup GmbH

Distributed-Ledger-Technologie

Blockchain in der Lieferkette: Authentifizierung von Planungsdaten

| Autor/ Redakteur: Mauro Adorno / Lisa Marie Waschbusch

Viele assoziieren das Thema Blockchain mit Bitcoin, dabei ist die verteilte Datenbanktechnologie nicht nur für Kryptowährungen und andere Finanzdienstleistungsanwendungen geeignet, sondern hat auch das Potenzial, die Planung der Lieferkette wesentlich zu beeinflussen.

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Die Blockchain-Technologie bietet auch für die Supply Chain Potenziale.
Die Blockchain-Technologie bietet auch für die Supply Chain Potenziale.
( Bild: Pixabayi / CC0 )

Bei der Blockchain geht es darum, einen Datenblock an jeden zu senden, der einen speziellen verschlüsselten Key für den Zugriff auf genau diese Daten besitzt. Verschlüsselungs-Keys gibt es schon seit langem. Bei der Blockchain aber können sie zur Unterstützung von Transaktionen zwischen einer beliebigen Anzahl von Personen eingesetzt werden, einschließlich der geschäftlichen Umfelder, die sichere, datengeschützte Transaktionen durchführen müssen.

Mithilfe der Blockchain werden kommerzielle Verträge und andere vertrauliche Informationen digital verschlüsselt und in Datenbanken gespeichert, die mit allen autorisierten „Key-Inhabern“ geteilt werden. Die Blockchain ist insofern völlig transparent, als dass alle Schlüsselbesitzer genau die gleiche Sicht auf die Daten haben, die jedoch vor Löschung, Manipulation, Revision und Verbreitung geschützt sind.

In einer Welt, in der Internetdaten eine billige Ressource sind, da sie jeder erzeugen, kopieren und verteilen kann, bietet die Blockchain eine Möglichkeit, den intrinsischen Wert der Daten zu erhalten. Dies geschieht durch die Authentifizierung der Daten und die strenge Kontrolle ihrer Verbreitung. Genau das macht die Blockchain für Kryptowährungen so wertvoll.

Blockchain in der Supply-Chain-Planung

Die Fähigkeit der Blockchain, Transparenz zu schaffen und gleichzeitig die intrinsische Sicherheit, die Zuverlässigkeit und vor allem den Wert der Daten zu schützen, macht die Technologie auch für Lieferketten wertvoll. In modernen, mehrstufigen, globalen Vertriebsnetzen ist es allzu leicht, die Herkunft der Daten und damit letztlich auch ihre Genauigkeit aus dem Blick zu verlieren. Die Blockchain kann hier weiterhelfen, indem sie zum Beispiel die Herkunft von Rohstoffen in der Lieferkette von Lebensmitteln, Medikamenten oder Konsumgütern validiert – eine Track-and-Trace-Aufgabe, die bisher sehr schwierig und teuer war. Kein Wunder also, dass Unternehmen wie Maersk und IBM bereits ein Blockchain-basiertes Joint Venture gegründet haben, um Waren über die gesamte Länge der Lieferkette digital zu verfolgen.

Speziell für die Planung der Lieferkette ist einer der Hauptvorteile der Blockchain, dass es einer geschlossenen Gruppe von Personen eine gemeinsame Sicht auf sichere Transaktionsinformationen bietet. Beispielsweise implementieren viele Unternehmen funktionsübergreifende Geschäftsprozesse wie Sales and Operations Planning (S&OP), zögern aber aufgrund von Sicherheitsbedenken, diese auf ihre Lieferanten auszuweiten. Die Blockchain-Technologie könnte aber tatsächlich beides gewährleisten.

Die Blockchain könnte sich auch als wichtiger Faktor erweisen, wenn es um die Validität von kommerziellen Handelsökosystemen oder E-Marktplätzen geht. Diese entstanden ursprünglich im Zeitalter von dot.com, wurden aber wegen Bedenken hinsichtlich Datenwahrheit, Vertrauen und Sicherheit bisher nur eingeschränkt genutzt.

Smart Contracts als Chance

Brad Householder, CEO von b2i und Vorsitzender des Board of Directors von APICS, sagte auf der ToolsGroup Nutzerkonferenz TG 2018, dass „die zugrunde liegende Technologie von Blockchain transformativ sein wird – vielleicht nicht in zwei bis fünf Jahren, aber sicherlich in 10 bis 15 Jahren“. Neben den Track-and-Trace-Funktionen sieht er die Fähigkeit der Blockchain, „Smart Contracts“ zu erstellen, als den bahnbrechenden Wegbereiter für die Zusammenarbeit in der Lieferkette und für Transaktions-Hubs in Many-to-Many-Netzwerken. Er fügte aber unter Vorbehalt hinzu, dass „Blockchains im Moment für hochvolumige Industrieanwendungen zu langsam sind“, was sich jedoch seiner Meinung nach künftig ändern würde.

Joe Shamir, CEO von ToolsGroup, ergänzte auf der gleichen Konferenz, dass die Fähigkeit der Blockchain, ein öffentliches Kassenbuch mit hoher Sicherheit zu kombinieren, es ermöglicht, eine einzigartige Quelle für zertifizierte Daten zu schaffen. Er führte die Analogie an, dass einer der Gründe, warum die Stadt Florenz in der Renaissancezeit einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte, darin bestand, dass die Erfindung der doppelten Buchhaltung eine damals beispiellose Finanzinfrastruktur schaffte. Blockchains könnten einen ähnlichen Durchbruch in der Lieferketteninfrastruktur auslösen.

Denn eine der größten Herausforderungen bei der Planung einer Lieferkette besteht heutzutage im Management der wachsenden Datenmengen. Hier bietet die Blockchain spannende Zukunftsmöglichkeiten. Das Potenzial ist durchaus da, doch verarbeiten im Moment viele Planungssysteme die verfügbaren Daten noch nicht richtig, um das „Rauschen“ von den wertvollen Signalen zu trennen. Daher sollten Unternehmen, obwohl das Thema Blockchain auf ihrer Agenda nicht fehlen darf, erst einmal ihre Daten in Ordnung bringen und ihre Planung modernisieren, bevor sie den nächsten Schritt machen.

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