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Expertenbeitrag

Oliver Schonschek

Oliver Schonschek

IT-Fachjournalist, News Analyst und freier Lead News Analyst

Blockchain

Blockchain in der Lebensmittelindustrie

| Autor/ Redakteur: Oliver Schonschek / Burkard Müller

Bei der Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln wird die Blockchain-Technologie eingesetzt. Einige Startups zeigen etwa beim Thema Kaffee, wie Transparenz nicht nur für Verbraucher, sondern in der Lieferkette auch für Produzenten hilfreich sein kann.

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Blockchain ist für die moderne Lebensmittelindustrie hilfreich, zum Beispiel beim Thema Fairtrade.
Blockchain ist für die moderne Lebensmittelindustrie hilfreich, zum Beispiel beim Thema Fairtrade.
( Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Wenn es um Transparenz und Rückverfolgbarkeit geht, denkt man schnell an Lebensmittelsicherheit, nicht nur als aufgeklärter Verbraucher. Deshalb sind Blockchain-Technologien schon länger ein Thema für Organisationen wie den Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, aber auch für Beratungshäuser wie Capgemini, PwC und Sopra Steria Consulting sowie Anbieter wie IBM, Oracle, SAP und Siemens. Neue Projekte wie NutriSafe widmen sich der Sicherheit in der Lebensmittelproduktion und Logistik durch die Distributed Ledger Technologie (DLT).

Beispiel-Anwendung: Track & Trace

CryptoTec zum Beispiel bietet die Überwachung von Produkten während der Lieferkette in Echtzeit: „Track & Trace“ verbindet die Standortdaten und Informationen zum Zustand der Ware innerhalb der Supply Chain. Die CryptoTec AG aus Köln hat dazu ihre Blockchain-Lösungen mit GSM-fähigen Sensoren kombiniert, um damit den Transport von Produkten in Echtzeit zu überwachen. So erhält der Kunde einen Statusbericht über

  • die Temperatur,
  • Luftfeuchtigkeit und
  • den Standort

seiner bestellten Ware. Durch die Einbindung der von den Sensoren gesendeten Daten in die Blockchain können sie nicht nachträglich manipuliert werden. Zudem ist eine automatische Verknüpfung mit Smart Contracts möglich, um die Einhaltung von Verträgen auf einfachem Wege zu verifizieren.

Ein Anwendungsfall sind Lebensmittel wie Fleischprodukte, bei denen eine lückenlose Kühlkette von enormer Wichtigkeit ist. Durch die Echtzeitfähigkeit gibt es die Möglichkeit, bereits einzugreifen, bevor ein Schaden entsteht, so der Anbieter. Die Echtheit der Daten kann später geprüft werden. Die Korrektheit und Unverfälschtheit kann nach außen kommuniziert und von Gutachtern bestätigt werden. Mittels Smart Contracts können weitere Vertragsvereinbarungen automatisch ausgelöst werden, sobald spezielle Ereignisse eingetreten sind, wie das Löschen der Lieferung in einem Hafen und ihre Verladung auf Kühltransporter.

Blockchain dient nicht nur der höheren Sicherheit der Lebensmittel

Eine Umfrage des Digitalverbandes Bitkom ergab kürzlich: Schon heute nutzen zwei von drei Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie digitale Anwendungen. Dabei prognostizieren zwei Drittel der Unternehmen (68 Prozent) eine hundertprozentige Rückverfolgbarkeit bis zum Warenursprung dank digitaler Technologien wie Big Data oder Blockchain.

Beinahe jedes Unternehmen (98 Prozent) erwartet durch die Digitalisierung verbesserte Prozesse und höhere Produktionseffizienz. Jeweils neun von zehn prognostizieren eine verbesserte Qualität von Produkten und mehr Nachhaltigkeit (93 Prozent) sowie mehr Transparenz in den Prozessen (90 Prozent).

Durch die Transparenz in der Lieferkette ermöglichen die Blockchain-Technologien weitere Vorteile. Eine Stärkung der regionalen Produzenten und eine Unterstützung des fairen Handels. Beide Ziele sind Verbrauchern wichtig sind. Deshalb sollten sie der Lebensmittelindustrie und dem Lebensmittelhandel auch wichtig sein.

Beispiel: Fairer Kaffee-Handel

Im November 2017 begann in Äthiopien ein Pilotprojekt für „Blockchain-Kaffee“ mit der Blockchain Pioneersbext360 und der FairChain Foundation. Das bext360 Blockchain-Projekt bedeutet, dass Moyee Kaffee von der Waschstation in Äthiopien bis zu den Einzelhandels- und Bürokunden in Europa vollständig nachverfolgbar wird, so die Gründer des Projektes.

Die Landwirte erhalten mobile Geldbörsen, eindeutige ID-Nummern und Barcodes, damit sie digital bezahlt werden können und ihre Farmen und Waschstationen genau gekennzeichnet sind, um den Standort zu belegen.

Inzwischen gibt es auch QR-Codes auf den Kaffeeverpackungen. So sehen die Verbraucher genau, wohin das Geld geht, das sie für den Kaffee bezahlen. Beispiele hierfür sind die Farmer, die Frauen an der Waschstation, das Team in der Rösterei, bis hin zum Laden oder Supermarkt. Transparenz besteht dann nicht nur in der Lieferkette, sondern auch in der Verteilung der Umsatzerlöse, ganz im Sinne des fairen Handels.

Blockchain kann also für mehr Transparenz in der Lieferkette in Richtung Handel und Verbraucher sorgen, aber auch für mehr Transparenz bei den Geldflüssen für die Lebensmittel in Richtung der Erzeuger.

Dieses Modell könnte auch bei anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen eingesetzt werden, zum Beispiel in Projekten, in denen regionale Erzeuger besonders gefördert werden sollen, wie dies zunehmend im deutschen Handel zu finden ist.

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