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Industrie 4.0 in der Praxis (Folge 4)

Big Data: Visualisierung und Dokumenten-Management

| Redakteur: Jürgen Schreier

Industrie 4.0 benötigt Technologie 4.0. Klingt simpel. Doch was genau zeichnet eine moderne Shop-Floor-Lösung aus? In der Serie „Industrie 4.0 in der Praxis“ stellt Smart-Factory-Spezialist FORCAM die wichtigsten Module vor. Diese Folge befasst sich mit dem Fertigungsdaten-Management und der Datenvisualisierung.

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Die Smart Factory benötigt smarte Daten, die automatisiert und bedienerfreundlich zur Verfügung stehen.
Die Smart Factory benötigt smarte Daten, die automatisiert und bedienerfreundlich zur Verfügung stehen.
(Bild: Pixabay / CC0)

Mancher Fabrikchef kann die einschlägigen Buzzwords nicht mehr hören: Algorithmus, Big-Data, Cloud, Cyber-Physical-Systems, Internet of Things, Smart Devices. Tatsächlich ist der Weg zur intelligenten Fabrik mit Anglizismen und akademischen Inputs gepflastert.

Dabei ist eigentlich alles ganz einfach: Die intelligente Fabrik 4.0 erhöht die Produktivität und erleichtert das Arbeiten. Sie erhöht die Produktivität zwischen 20 bis 30 Prozent, da alle Vorgänge auf einer IT-Plattform in Echtzeit erfasst und Fehler sofort erkannt und abgestellt werden können. Und die Fabrik 4.0 erleichtert das Arbeiten, weil sie für jeden Beteiligten die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf dessen browserfähigen Endgeräten nutzerfreundlich anzeigt.

Von der Datenflut zur nützlichen Information

Franz Gruber, CEO von FORCAM: „Es geht darum, Big Data in Smart Data zu verwandeln und alle Ergebnisse via Cloud automatisch und nutzerfreundlich für alle Rollen in der Fabrik in Echtzeit zu visualisieren.“ Datenmasse in Datenklasse verwandeln – das ist ein entscheidender Punkt. Denn: „Wenn nicht ordentlich geplant wird, steht nach dem Vernetzen der Maschinen ein verwirrender Daten-Tsunami zur Verfügung. Dieser muss im Vorhinein in Kennzahlen kanalisiert und später in nutzerfreundlich visualisierte Analysen umgewandelt werden.“ Von der Datenflut zur nützlichen Information.

Je nutzerfreundlicher die Technologie, desto größer ist ihre Akzeptanz. Die Bedeutung einer nutzerfreundlichen Bedienbarkeit von Technologie 4.0 kann nicht hoch genug eingeschätzt werden – gerade in Zeiten von eSports und Computerspielen mit Topauflösung am Bildschirm.

Die Smart Factory benötigt smarte Daten, die automatisiert und bedienerfreundlich zur Verfügung stehen. Schließlich wachsen die Anforderungen an eine moderne Fabriksteuerung durch immer neue Produktvarianten und immer kürzere Lebenszyklen. Je flexibler und nutzerfreundlicher aber die Technologie, desto größer die Akzeptanz, sie anzuwenden.

Es geht um einfaches Konfigurieren, klares Visualisieren, schnelles Analysieren und Reagieren – bis hin zu Alarmierungs-Funktionen. Wer jeden Morgen in Arbeitsplatzbesprechungen schnell sehen will, ob 300 Maschinen einwandfrei laufen, benötigt eindeutige Charts und Grafiken.

Gleiches gilt für TPM-Audits (Total Productivity Management) einzelner Maschinen oder für „TPM-Inseln“, also besondere Bereiche, in denen sich Mitarbeiter informieren und Computer-Tools zur Verfügung haben.

Die richtige Information zur richtigen Zeit an die richtige Person in der richtigen Form:

  • Management: Gesamtanlageneffektivität OEE
  • Bereichsleiter: Aktueller Status der Produktion; Pareto-Analyse
  • Produktion: Gezielte Fehleranalyse nach Störgründen
  • Instandhaltung: Gezielte Fehleranalyse unter technischem Blickwinkel
  • Planung: Aktueller Produktionsfortschritt je Auftrag
  • Qualität: Ableitung wirkungsvoller Analysen

Beitrag zu einer modernen Führungskultur

Industrie 4.0 „fliegt“ nur mit zwei Flügeln: einer Technologie 4.0 in Kombination mit einer Unternehmenskultur 4.0. Diese neue Unternehmenskultur muss durch einen modernen Führungsstil vorgelebt werden. Führungskräfte agieren dabei im Stil von motivierenden Trainern statt als Kommandogeber und die neue Leistungskultur drückt sich aus in objektivierbaren, transparenten Kennzahlen.

Hauptinstrument des Führens nach Kennzahlen sind digital erfasste, transparente Soll-/Ist-Vergleiche für alle Beteiligten in ihrem Aufgabenbereich. Dabei sind nutzerfreundliche Visualisierungen, die eine ordentliche Aufgabenlösung wie zum Beispiel das Management von Feindaten ermöglichen, ein richtiger und wichtiger Motivationsmotor. Alle werden in die Lage versetzt, in ihrem Aufgabenbereich eigenverantwortlich zu steuern und gegenzusteuern und so letztlich zur Steigerung der wichtigsten unternehmensweiten Kennzahl beizutragen, der Gesamtanlageneffektivität OEE (Overall Equipment Effectiveness).

Parallel zur Einführung einer IIoT-/Industrie-4.0-Technologie wie FORCAM FORCE ist deshalb ein begleitender Change Management Prozess notwendig, damit die neu gewonnenen Echtzeitdaten sinnvoll in der KVP-Organisation genutzt werden.

Checkliste Fertigungsdaten-Management

- Alle notwendigen Informationen stehen automatisiert und sofort zur Verfügung.

- Alle Informationen sind klar visualisiert und einfach zu verwalten.

- Aufträge werden automatisch vom ERP-System übernommen und mit weiteren Systemen verknüpft (CAD-, NC- oder PLM-Systeme).

- Alle gewünschten Hilfsmittel (primäre NC-Programme) für die Maschine können als Datei verwaltet werden.

- Schlüsselbegriffe sind frei definierbar und werden am Werkerclient dargestellt („elektronische Fertigungsmappe“).

- Der Datenimport und -export zu Dokument-Systemen läuft voll automatisiert.

- Parallel zur Ablage in einer Datenbank können alle Dokumente in einem separaten Verzeichnis z.B. als Notfallkonzept abgelegt werden.

- Eine vollautomatische Überwachung und Sicherung der NC-Programme ist möglich (AutoCompare).

Bisher in dieser Serie erschienen:

Folge 1: Eine offene Brücke für Big Data

Folge 2: Schedule & Dispatch: Kapazitäten richtig planen

Folge 3: Track & Trace - Rückverfolgbarkeit in Echtzeit

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