Kommentar

"Bevor heiter drauf los digitalisiert wird, gilt es, das Ausmaß der Digitalisierung zu erfassen."

| Autor / Redakteur: Volker Altwasser / Redaktion IoT

Die Digitalisierung lässt sich weder aussitzen noch vereinnahmen und jedes Unternehmen muss für sich das passende Digitalisierungskonzept finden.
Die Digitalisierung lässt sich weder aussitzen noch vereinnahmen und jedes Unternehmen muss für sich das passende Digitalisierungskonzept finden. ()

Die Digitalisierung ist eine langfristige, logische Entwicklung und die nächste Stufe der industriellen Evolution. Die Ausgestaltung von Digitalisierungsvorhaben über diverse Branchen hinweg unterscheidet sich jedoch sehr stark. Digitalprojekte dürfen jedoch kein Selbstzweck sein, meint unser Autor Volker Altwasser.

Während die einen noch darüber nachsinnen, wie und wo sie digitalisieren können, haben die anderen längst Prozesse mit Hilfe digitaler Tools überarbeitet und effizienter gemacht – sie profitieren bereits von ihrem Tatendrang. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen drohen derzeit ins Hintertreffen zu geraten, weil häufig der Treiber fehlt. Da sieht es bei den großen Brüdern, den Konzernen, schon ganz anders aus. Digitalisierung ist dort Chefsache und wird von einem eigenen Digital Chief Officer vorangetrieben. Diese Entwicklung ist einerseits erfreulich und ist andererseits Grund zur Sorge. Immerhin könnte sich gerade der deutsche Mittelstand deutliche Wettbewerbsvorteile gegenüber der internationalen Konkurrenz sichern, wenn Prozesse effizienter gemacht und völlig neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. Die Wertschöpfung beginnt im digitalen Zeitalter schließlich nicht erst beim Produkt, sondern schon bei der Entwicklung vorgelagerter oder nachgelagerter Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Die uralte Skepsis gegenüber Veränderungen

Eines wird deutlich: Der Druck steigt, weil viele nicht schnell genug sind oder nicht wissen, wo sie beginnen sollen, sich allein gelassen fühlen oder immer noch skeptisch sind. Die Skepsis gegenüber Veränderungen ist freilich so alt wie die Menschheit selbst, dennoch hat die Menschheit gelernt diese und auch sich selbst immer wieder zu überwinden. Das ist auch jetzt gefragt. Bevor allerdings heiter drauf los digitalisiert werden kann, gilt es, das Ausmaß der Digitalisierung zu erfassen. Digitalisierung bedeutet mehr als vernetzte Komponenten. Digitalisierung bedeutet Kommunikation – von Maschinen, Geräten und anderen Produktionseinheiten miteinander. Dieser Informationsaustausch vernetzter Teilnehmer im Internet der Dinge führt zu einer völlig neuen Effizienz und einem gänzlich neuen Produktionsbegriff.

Es ist selbsterklärend, dass Digitalisierungsvorhaben vor diesem Hintergrund kein Selbstzweck sind, sondern mit einer klaren Zielsetzung verbunden sein müssen. Was will ein Unternehmen mit Hilfe digitalisierter Prozesse erreichen? Effizienz? Neue Geschäftsmodelle? Entlastungen für Mitarbeiter? Gleichzeitig gilt es auch mögliche Risikofaktoren zu identifizieren, damit böse Überraschungen auf der „Digital Journey“ ausbleiben. Ein Blick von außen ist an dieser Stelle sicherlich kein Muss, er kann aber dabei helfen, mögliche Potenziale zu identifizieren und Startszenarien zu definieren.

Es muss sich für ein produzierendes Unternehmen beispielsweise nicht lohnen im Rahmen eines solchen Ansatzes den gesamten Maschinenbestand zukunftsfähig zu machen – auch wenn das auf den ersten Blick einfach, trendbewusst und naheliegend erscheint. Eine völlig neue Produktion kann hinsichtlich des Wettbewerbs schnell Vorteile geltend machen. Auch wenn die notwendigen Investitionen auf den ersten Blick immens erscheinen, zahlen sie sich langfristig aus und setzen das Unternehmen von der Konkurrenz ab. Im Zuge derartiger Überlegungen sollten Unternehmen jedoch nicht vergessen, das interne Potenzial zu nutzen. Hier können interdisziplinäre und themenspezifische Think Tanks nach dem Design Thinking-Prinzip ein guter Ansatz sein – der ist mit wenig Aufwand und Kosten verbunden und lässt sich schnell realisieren. Vielfalt ist in diesem Kontext nicht nur aus Imagegründen positiv, sondern bringt auch neue Denkansätze und Innovationen ans Licht, die sonst vielleicht nie entdeckt worden wären.

Jetzt handeln ist überlebenswichtig

Fakt ist, die Digitalisierung lässt sich weder aussitzen noch vereinnahmen und jedes Unternehmen muss für sich das passende Digitalisierungskonzept finden, ob mit oder ohne externe Hilfe. Wichtig ist indes jetzt zu handeln, um zu verhindern, dass die Wertschöpfung in Zukunft dort stattfindet, wo die Digitalisierung weniger kritisch betrachtet, sondern schlichtweg umgesetzt – in den USA und in China.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.