Digitalisierung

Best fit: Blockchain und Generation Z

| Redakteur: Jürgen Schreier

Studien bestätigen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Mangel an Vertrauen der Generation Z in zentrale Institutionen und ihrer hohen Akzeptanz von Krypto-Assets und anderen Blockchain-Anwendungen.
Studien bestätigen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Mangel an Vertrauen der Generation Z in zentrale Institutionen und ihrer hohen Akzeptanz von Krypto-Assets und anderen Blockchain-Anwendungen. (Bild: Pixabay / CC0)

Der dezentrale Charakter der Blockchain kommt dem sehr "verhaltenen" Vertrauen der Generation Z in zentrale bzw. staatliche Institutionen entgegen. Sowohl im Finanzbereich als auch im Gesundheitswesen kann die Blockchain-Technologie zu Effizienzgewinnen und einem Mehr an Sicherheit führen.

Die Blockchain-Technologie und die mit ihr verbundenen Features und Vorteile haben in den letzten zwei Jahren weltweit zunehmende Verbreitung gefunden. Folglich konnte sich die Blockkette in diversen Branchen durchsetzen, wobei die prominentesten Use Cases in der Welt der Supply Chains sowie im Finanzsektor zu finden sind.

Generation Z hat wenig Vertrauen in zentrale Institutionen

Tatsächlich gilt die Blockchain-Technologie - zumindest für ihre Anhänger - als die sicherste, zuverlässigste und effizienteste Art, Werte zu übertragen und zu speichern, ohne dass Dritte (Intermediäre) daran beteiligt wären. Inzwischen beginnen sich Menschen aller Altersgruppen mit der Blockchain-Technologie auseinanderzusetzen. Vor allem bei der Generation Z (siehe Definition unten) stößt das Konzept der Blockkette auf große Akzeptanz. Denn die Generation Z besteht durchwegs aus sogenannten Digital Natives.

Generation Z - eine Definition

Die Vertreter der Generation Z sind als Nachfolger der Generation Y wegen des selbstverständlichen Gebrauchs von digitalen Technologien wie World Wide Web, MP3-Player, SMS und Mobiltelefonen seit dem Kindesalter Teil der Digital Natives. Die vorhergehende Generation, die Generation Y, wurde im frühen jugendlichen Alter digital sozialisiert, und war deren Pioniergeneration. Weil heute Kleinkinder schon im frühen Alter mit Smartphones und Tablets in Kontakt kommen, durchlaufen sie eine andere Entwicklung als Kinder der Generation Y.

Anders als eine in der Arbeit Sinn suchende Generation Y möchten Mitglieder der Generation Z etwas nach außen darstellen und haben die Absicht, im Berufsleben Karriere machen und Führungspositionen ausüben. Netzwerke sind ihnen wichtig. Die Generation Z wird primär vom Streben nach Anerkennung angetrieben Die Generation Z ist entspannter als die Generation Y, hat ein ziemlich ausgeprägtes Selbstbewusstsein, wobei aber die Gefahr besteht, in Überheblichkeit und Arroganz abzugleiten. Nach Untersuchungen des in Berlin lehrenden Soziologen Klaus Hurrelmann entsteht außerdem ein hoher Grad von Selbstbewusstsein und das Bestreben, Umwelt und Gesellschaft politisch zu verändern.

Die Gründe für den zunehmenden Einsatz von Technologien wie Blockchain sind vielfältig. Vertrauen ist hier ein wichtiger Faktor, da die Vertreter der Generation Z zentralisierten Institutionen und Systemen nicht voll und ganz vertrauen. Als Hauptgrund führen sie staatliche Eingriffe an. Studien bestätigen einen direkten Zusammenhang zwischen dem Mangel an Vertrauen der Generation Z in die genannten Institutionen und ihrer hohen Akzeptanz von Krypto-Assets und anderen Blockchain-Anwendungen.

Es gibt es aber auch noch andere sozioökonomische Gründe an, warum die Blockkette von der Generation Z angenommen wird. Die niederländische Dentacoin Foundation, die sich mit Einsatz von Blockchain-Konzepten im Bereich Healthcare (Schwerpunkt Zahnmedizin) befasst, nennt folgende:

  • Neue und effiziente Art, Werte aufzubewahren: Im Laufe der Jahre haben sich die Möglichkeiten, Werte und Investitionen zu speichern, weltweit drastisch verändert. Im Gegensatz zu früheren Generationen, die in Gold und Aktien rentable Anlagemöglichkeit sahen, suchen Menschen der Generation Z zunehmend nach dezentralen Optionen zur Wertaufbewahrung. Dies ist direkt auf das allgemeine Misstrauen vieler Digital Natives in klassische Wertaufbewahrungsmethoden zurückzuführen, wobei die Beteiligung Dritter als Hauptgrund genannt wird. Dies wird auch von vielen Analysten als die treibende Kraft hinter der Zukunft der Krypto-Assets und ihrer Akzeptanz im Mainstream angesehen.
  • Mangelndes Vertrauen in traditionelle Finanzinstitute: Es gibt einen allgemeinen Konsens unter den Mitgliedern der Generation Z, der sie dazu veranlasst, sich von den Akteuren im Finanzbereich abzuwenden. Viele Menschen haben Krisen und wirtschaftliche Zusammenbrüche in der ganzen Welt erlebt - zum Beispiel als Folge der Finanzkrise ab 2007 -, an der zentralisierte Institutionen beteiligt waren. Deshalb sind es viele leid, sich mit Banken und anderen staatlich kontrollierten Finanzinstituten zu befassen. In einer Welt, die immer digitaler wird und dadurch in der Lage ist, komplexe und dennoch effiziente Finanzsysteme zu entwickeln, ist digitales Vertrauen immer wichtiger geworden. Die Generation Z bevorzugt deshalb die Blockchain-Integration, die "digitale Knappheit" und "digitales Vertrauen" auf globaler Ebene schafft.
  • Eine neue Art der Crowdfinanzierung: Das Aufkommen von Start-ups auf der globalen Bühne hat die Bedeutung von Crowdfunding-Methoden deutlich werden lassen. Durch die Blockkettentechnik stellen Token-Verkäufe oder Initial Coin Offerings (ICO) für den Einzelnen nahezu "narrensichere" Methoden der Kapitalbeschaffung dar. Das liegt daran, dass es ein gewisses Maß an Sicherheit und Vertrauen gibt, bei dem die geleisteten Beiträge direkt an den Projektbeteiligten gehen.
  • Online-Anonymität: Online-Anonymität ist ein sehr umstrittenes Merkmal der Blockchain-Technologie und wurde von vielen Branchenexperten als "zweischneidiges Schwert" bezeichnet. Online-Anonymität wird im wachsendem Maße gegenüber offenen Social Media Interaktionen bevorzugt. Branchenanalysten gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Online-Anonymität und Sicherheit persönlicher Daten mit zunehmender "Reife" der Generation Z exponentiell steigen wird.
  • Meinungsfreiheit: Die Meinungsfreiheit ist ein weiterer wichtiger Grund, warum viele Menschen auf der ganzen Welt auf die Blockchain-Technologie setzen. Vor allem in Ländern mit öffentlicher Zensur sehen Einzelpersonen die Übertragung von Informationen über Blockketten-Systeme als wichtige Voraussetzung an, um Redefreiheit zu gewährleisten. Dank des dezentralen Charakters der Blockkette können Informationen ohne Furcht vor Zensur übertragen werden, egal woher sie stammen.
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Neue Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie

In den letzten Jahren konnte man die Einführung der Blockchain-Technologie in verschiedenen Branchen erleben, zum Beispiel im Gesundheitswesen, im Supply Chain Management, in der Schiedsgerichtsbarkeit und im Immobilienbereich. Die Anwendungsfälle für die Blockchain-Integration sind zahlreich, mit einigen Beispielen unten aufgeführt.

  • Globale Energie: Es gibt eine Handvoll Unternehmen auf der Welt, die mit Krypto-Währungen und Blockketten den globalen Energiemarkt verändern und Lösungen für die Entwicklungsländer schaffen wollen. Ein Beispiel dafür ist ImpactPPA, eine Blockchain-basierte Plattform, die Entwicklungsländern auf der ganzen Welt den Zugang zu "sauberer" und erneuerbarer Energie ermöglicht. Der Prozess reicht vom Energiemanagement über die Energieerzeugung und -bezahlung, wobei Finanzinstitutionen und Bürokratie bewusst umgangen werden. Projekte wie diese "bedienen" die das ausgeprägte soziale Bewusstsein der Generation Z und den Wunsch nach globaler Gerechtigkeit.
  • Wohltätigkeit: Charity ist ein weiterer Bereich, in dem Blockchain einen wichtigen Beitrag auf globaler Ebene leistet. Viele Start-ups haben damit begonnen, die Blockchain-Technologie zu nutzen, um Spenden- und Hilfsaktionen zu revolutionieren. Ein beliebtes Beispiel ist UTOPI, ein Blockketten-Projekt, das Einzelpersonen den Zugang zu exklusiven und spannenden Veranstaltungen ermöglicht, wobei der Erlös direkt und ohne Beteiligung Dritter einer Wohltätigkeitsorganisation zufließt.
  • Staatliche Institutionen: Einige nationale Regierungen haben aus verschiedenen Gründen mit der Implementierung der Blockchain-Technologie begonnen. Beispiele sind das Joint-Venture der südkoreanischen Regierung mit Samsung für öffentliche Sicherheit und öffentlichen Transport, GovCoin, die Blockchain-Lösung des britischen Arbeitsministeriums für Unterstützungsleistungen sowie das Projekt der estnischen Regierung in Zusammenarbeit mit dem ITK-Konzern Ericsson, dem Cloud-Infrastrukturanbieter Apcera und dem Blockchain-Spezialisten Guardtime, bei dem es darum geht, öffentliche Aufzeichnungen in der Blockchain zu speichern.
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"Patient Z" bringt die Blockkette ins Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen ist aufgrund der enormen Präsenz von Intermediären in fast allen Gesundheitssystemen der Welt einer der wichtigsten Sektoren geworden, in dem die Blockchain-Technologie zu erheblichen Effizienzgewinnen führen würde. Vieles spricht dafür, dass Implementierung von Blockchain-Lösungen den Patienten wieder in den Mittelpunkt des Systems stellen würde, indem sie mehr Sicherheit, Privacy und Interoperabilität der Gesundheitsdaten bietet. Dieses neue Modell der Gesundheitsfürsorge zielt auf die folgenden drei Aspekte ab:

  • Konsistente Darstellung der Berechtigung für den elektronischen Zugang zu Gesundheitsinformationen,
  • überall verfügbare Netzwerkinfrastruktur mit zusätzlichen Security-Features,
  • sichere Identitätsprüfung und Authentifizierung aller Beteiligten.

Momentan gibt es im Healthcare-Bereich aber noch keine Systeme, die alle genannten Kriterien vollständig abdecken. Das könnte sich in naher Zukunft aber ändern. Beispiele dafür sind die bereits weit fortgeschrittenen Projekte medRec und Dentacoin. MedRec, ein MIT-Blockchain-Projekt, zielt auf die Verwaltung elektronischer Krankenakten ab und soll eine effiziente Authentifizierung, Vertraulichkeit und einen schnellen Datenaustausch gewährleisten. Dentacoin ist ein Blockchain-Projekt, das sich ausschließlich auf die Dentalindustrie konzentriert und Zahnärzten, Patienten und Lieferanten Blockchain-basierte Softwarelösungen sowie eine branchenspezifische Kryptowährung (die an über 50 Standorten weltweit akzeptiert wird) bereitstellt.

Grundsätzlich werde der dezentrale Ansatz der Blockchain-Technologie für die Zukunft des Gesundheitswesens entscheidend sein, ist man bei der Dentacoin Foundation überzeugt. Blockchain schafft Transparenz, was wiederum dazu beitrage, die bestehenden Datensilos zu eliminieren, die Verarbeitung von Daten zu beschleunigen und Sicherheit und ein hohes Maß an Interoperabilität zu bieten.

Wie bereits angedeutet, zielen Blockkettenprojekte wie medRec und Dentacoin darauf ab, ganz klar den Patienten in den Mittelpunkt des Gesundheitswesens zu stellen, was auch den Wünschen und Vorstellungen der Generation Z entgegenkommt. Der dezentrale Charakter einer Blockketten-basierten Gesundheitsversorgung würde die jüngere Generation erheblich besser ansprechen als die etablierten "bürokratischen" Systeme. Unified-Healthcare-Plattformen dürften zu einer deutlichen Kostenreduzierung sowie zu schnelleren und sicheren Interaktionen/Transaktionen im Gesundheitsbereich führen.

Blockchain: Ein Leben ohne Staat?

Viele Blockchain-Nerds vertreten die Auffassung, dass sich alle Aspekte des Zusammenlebens mit Hilfe von Blockchain und Smart Contracts dezentral und ohne Institutionen lösen lassen. Eine (zentral-)staatliche "Ordnung" würde damit überflüssig. Diese These vertritt beispielsweise der (überaus schillernde) Blockchain-Propagandist, Publizist (Bitcoin - Geld ohne Staat), Rockmusiker und Filmproduzent Aaron Koenig in einem Interview anlässlich der Ludwig-von-Mises-Konferenz 2017.

Hingegen zeigt Franz von Weizsäcker, Leiter des GIZ Blockchain Lab, in einem Gastbeitrag für das Onlineportal netzpolitik.org die Grenzen solcher "libertären" Gedankenspiele auf. "Womöglich sind viele staatliche Funktionen dezentralisierbar, aber wenn ich an einige Kernfunktionen eines Staates, zum Beispiel das Gewaltmonopol denke, dann erzielt dieser institutionalisierte, zentralisierte Zwang einen wichtigen Mehrwert, denn dort auf der Welt, wo das Gewaltmonopol nicht funktioniert, füllen häufig rivalisierende Warlords oder Mafiagruppierungen dieses Machtvakuum."

Auch andere Funktionen des Gemeinwohls lassen sich laut von Weizsäcker nicht kryptoökonomisch lösen. Er führt beispielhaft die soziale Umverteilung an. "Es gibt weltweit eigentlich keine guten Beispiele von rein freiwilligen, also philanthropisch finanzierten Sozialwesen. Funktionierende Sozialsysteme basieren auf einem Zwang, in Steuern oder andere Solidarsysteme einzuzahlen. Das kann eine auf Freiwilligkeit beruhende Blockchain nicht."

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