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Expertenbeitrag

Werner Rieche

Werner Rieche

Geschäftsführer Software AG Deutschland

IT-Trends in der Chemiebranche

Bereit für die digitale Kettenreaktion

| Autor/ Redakteur: Werner Rieche / Redaktion IoT

Neue Technologien und Trends wie 3D-Druck, Digital Farming und Predictive Maintenance verändern die Chemiebranche und gehen in neuen Geschäftsmodellen auf. Das wird sich – zusammen mit der Digitalisierung der Wertschöpfungskette – deutlich positiv auf die Umsätze auswirken.

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Der Einfluss der Digitalisierung auf die Chemiebranche.
Der Einfluss der Digitalisierung auf die Chemiebranche.
(Quelle: Pixabay)

Die chemische Industrie mit ihren komplexen Fertigungsumgebungen und Prozessketten verfügt über ein großes Potenzial, das mithilfe der digitalen Transformation gehoben werden kann. Wie reagieren Unternehmen auf die digitalen Herausforderungen? Zum Beispiel baut BASF mit Hewlett-Packard einen Supercomputer, um seine Kapazitäten für virtuelle Experimente deutlich hochzufahren. Der Supercomputer soll die Zeit von der Entwicklung neuer Polymere bis zu ihrer Markteinführung deutlich verkürzen und Kosten senken. Das treibt auch die Fein- und Spezialindustrie um, die sich bereits seit Jahren zur modularen und kontinuierlichen Produktion wandelt. Trotz dieser Innovationsfreude fällt es Unternehmen der Branche zunehmend schwer, die immer individueller werdenden Ansprüche der Geschäftskunden schnell zu bedienen. Abhilfe können die folgenden Technologien und IT-Trends schaffen.

Die Basis für 3D-Druck

Chemieunternehmen sollten prüfen, welche Geschäftsmodelle durch Digital Printing in ihrem Marktumfeld entstehen. Denn sie liefern die Rohstoffe, aus denen 3D-Drucker in kürzester Zeit Bauelemente und Ersatzteile kreieren. Die modernen Drucker verarbeiten bereits rund 30 Materialien, etwa Polymere, Harze und Weichmacher. In diesem Jahr wird diese Palette deutlich größer werden, was die Bandbreite der gedruckten Komponenten erweitert – und damit auch das Geschäftspotenzial. Die Komponentenzulieferer werden als Kunden an Bedeutung gewinnen und Unternehmen müssen sowohl Geschäftsbeziehungen als auch neue Lieferketten zu ihnen aufzubauen. Kosten und Reifegrad lassen zwar nicht erwarten, dass der 3D-Druck 2017 den großen Durchbruch in der Industrie feiert – doch die Branche muss diesen nahenden Trend intensiv und frühzeitig vorbereiten.

Digitale Vorhersagen

Die Agrarchemie wird sich durch Digital Farming nachhaltig verändern. Landwirte nutzen zunehmend Wetterdaten, und GPS-Systeme an ihren Maschinen liefern ihnen zudem Angaben zu Bodenbeschaffenheit, Feuchtigkeit, Nährstoffgehalt und Schädlingsbefall ihrer Felder. Diese Daten bilden eine solide Grundlage, um den Saatgutaustrag an die äußeren Bedingungen anzupassen und zu optimieren. So sparen Landwirte Geld, fahren mehr Erträge ein und schonen die Umwelt. Denn sie brauchen weniger Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmittel. Damit Chemieunternehmen durch diese Entwicklung keine Umsatzeinbußen davontragen, sollten sie an serviceorientierten Geschäftsmodellen arbeiten. Eine Möglichkeit ist die direkte Kommunikation mit dem Landwirt. Die Hersteller würden so deren Bedürfnisse besser verstehen und Marktchancen antizipieren. Einige Chemiefirmen nutzen bereits Messwerte von Bodenproben, um Winzern Hinweise für den optimalen Düngemittel-Einsatz zu geben.

Das Pflanzenschutzmittel muss der Landwirt rechtzeitig auf dem Feld austragen, sonst wirkt es nicht wie gewünscht. Auch ist ein Polymer wertlos, wenn es zu spät im Produktionslagertank ankommt. Das sind Szenarien, die die Chemielogistik – mithilfe digitaler Technologien – verhindern muss. Die dafür notwendige Digitalsierung der Wertschöpfungskette erfordert einen digitalen Informationsfluss und digitale Prozesse aller Mitglieder der Supply Chain. Erst dann lassen sich Informationen von Partnern und Zuliefer-Unternehmen in eigene Prozesse einbinden. Es gilt daher, Reibungsverluste mit Zulieferunternehmen und Partnern zu reduzieren und die „digitale Zusammenarbeit“ so zu gestalten, dass alle Beteiligten davon profitieren.

Datenströme erhalten Anlagen

Das Konzept „Predictive Mainentance“ wird künftig großflächig in der chemischen Industrie zum Einsatz kommen. Ein zentrales Element einer vorausschauenden Instandhaltung ist Big Data. Vor allem Streaming-Analytics-Plattformen eignen sich, um riesige Datenströme aus unterschiedlichen Quellen in Echtzeit zu korrelieren und zu aggregieren sowie Muster zu identifizieren. Zudem geben Maschinen selbstständig Bescheid, dass sie in Kürze einen Wartungstechniker benötigen und welches Teil dieser austauschen muss. Das befähigt Anwenderfirmen, jederzeit proaktiv die richtigen Maßnahmen zu treffen. Diese Technologien führen zu präzisen Vorhersagen und reduzieren die Ausfallzeiten von chemischen Anlagen. Vor allem in der Chemiebranche mit ihren oft komplexen Produktionsprozessen bringt „Predictive Analytics“ einen echten Mehrwert. Den versprechen die anderen IT-Trends 3D-Druck, Digital Farming und digitalisierte Wertschöpfungsketten auch. Das größte Entwicklungspotenzial steckt sicher in servicegetriebenen digitalen Geschäftsmodellen.

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Werner Rieche

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Geschäftsführer Software AG Deutschland