Smarte Prozessindustrie

Beispiel Prozessindustrie: 5 Grundpfeiler für den Erfolg digitaler Projekte

| Autor / Redakteur: Norbert Meierhöfer / Redaktion IoT

Stolperstein oder Meilenstein: Wann zahlt sich digitale Transformation tatsächlich aus?
Stolperstein oder Meilenstein: Wann zahlt sich digitale Transformation tatsächlich aus? (Quelle: AspenTech)

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In der Umsetzung von digitalen Projekten fallen Unternehmen häufiger über Stolpersteine als Meilensteine. Eine Rückbesinnung auf fünf Kernelemente am Beispiel der Prozessindustrie kann helfen die Chancen und Risiken besser einzuschätzen.

Eine Bohrinsel vor der Küste verfügt heute über 1 Million Mal mehr Rechenleistung als Apollo 11 auf dem Flug zum Mond. Bei der Flugzeuggesellschaft Virgin Atlantic entsteht pro Flugstunde ein halbes Terabyte an Daten. Und die Software in modernen Fahrzeugen enthält zwischen 80 und 100 Millionen Codezeilen. Zu betonen, dass die Digitalisierung unsere Welt maßgeblich verändert scheint angesichts solcher Zahlen fast schon überflüssig. Allein in der Prozessindustrie sind laut einer Umfrage von AspenTech 38% der Anlagenbetreiber davon überzeugt, in den nächsten zwei Jahren eine deutliche Rendite ihrer digitalen Investitionen zu sehen.

Die Rechenleistung ist vorhanden, die Datenmenge wächst täglich und neue KI- und Machine Learning-Technologien erreichen einen Reifegrad, der ihren Einsatz in der Praxis nicht mehr in den Bereich Science Fiction einordnet. Was bedeutet das jedoch tatsächlich für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen? Für Hersteller und Anlagenbetreiber empfiehlt es sich hier, einen Schritt zurück zu gehen und Herausforderungen wie Chancen anhand einiger zentraler Faktoren zu betrachten. 

  1. Bestehende Technologien maximal ausschöpfen

Es ist wenig sinnvoll bestehende Prozesse und Systeme wahllos auszutauschen und zu verändern. Vielmehr sollten Unternehmen genau prüfen, welche Assets sich in die bestehende digitale Infrastruktur einfügen lassen und welche es zu ersetzen gilt. Planungs- und Dispositionssysteme, Data-Historians, APC-Lösungen (Advanced Process Control-Lösungen), präzise Anlagenmodellierung und Ertragskalkulationen verlieren mit der Digitalisierung nicht einfach ihre Berechtigung, sondern können als wertvolles und zentrales Fundament für innovative Erweiterungen dienen.

  1. Reifegrad des Unternehmens verstehen und berücksichtigen

Digitale Transformation findet nicht ohne einschneidende organisatorische Veränderungen statt, insbesondere wenn sie die Zusammenarbeit zwischen operativen Teams vereinfachen soll. Idealerweise unterstützen neue Technologien die Mitarbeiter dabei, schneller fundierte Entscheidungen zu treffen. In der Realität sind es jedoch viele Betriebsteams gewohnt isoliert innerhalb ihres eignen Arbeitsbereichs zu handeln. Bis eine Organisation reif genug ist, um in einem neuen, vernetzten und digitalen Umfeld erfolgreich zu sein, kann es dauern. Daher ist es von Vorteil schrittweise vorzugehen – sowohl technologisch als auch organisatorisch.

  1. Nüchterner Blick auf Vorteile und Risiken

Technologieinvestitionen verlangen einen klaren Fokus auf den tatsächlichen Nutzen, die Amortisierung und die Rendite. Für Führungskräfte bedeutet dies eine intensive Auseinandersetzung mit Anwendungsfällen und Fallstudien, die darlegen wie sich bestimmte Technologien sinnvoll für den jeweiligen Bereich einsetzen lassen und inwiefern sie tatsächlich operatives Wachstum ermöglichen.

  1. Zentrale Erfolgskriterien definieren

Die wichtigsten Leistungsparametern sind bekannt: Hohe Flexibilität und Agilität hinsichtlich Produktzuführung und -ausführung, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit, eine Optimierung des Energieverbrauchs und übergreifende Kostenführerschaft. Es braucht klare Zielpunkte sowie eine kontinuierliche Ausrichtung und Überprüfung von Projekten hinsichtlich festgelegter und aufeinander abgestimmter Erfolgsmetriken.

  1. Mitarbeiter fördern und weiterentwickeln

Der Einsatz von neuen Technologien setzt neues Know-how voraus, verlangt aber gleichzeitig langjährige Erfahrung und technische – oft betriebsspezifische – Kompetenz. Viele Hersteller entscheiden sich hier, technische Teams auszulagern, um dadurch die Betriebsfunktionen schlank zu halten. Auch hier gilt es abzuwägen, denn verlässt man sich zu sehr auf externe Experten, besteht die Gefahr, den zentralen Vorteil eigener Fachkräfte für technische Ressourcen im Unternehmen zu verlieren.

Beispiele für digitale Projekte in der Prozessindustrie

In der Prozessindustrie gibt es genügend Beispiele, wie Unternehmen im Downstream-Bereich durch gezielte digitale Projekte signifikante Ergebnisse umsetzen konnten. So integrierte der Betreiber einer Erdölraffinerie in Alaska (Nort Slope) eine digitale Anlagenmodellierung, die Echtzeitdaten nutzt und so auf die Minute genau optimierte Bedienanweisungen liefert. Innerhalb von nur einer Woche stieg der Umsatz des Unternehmens um über 1 Million US-Dollar. Ähnlich vielversprechend sind die ersten Anwendungsfälle von Predictive und Prescriptive Analytics. Eine LNG-Firma im Golf von Mexiko nutzt auf Machine Learning basierende Instandhaltung, um frühzeitig Störungen oder Ausfälle ihrer Kompressoren zu erkennen und zu verhindern. Das Ergebnis: Kosten für Ausfallzeiten und Wartung konnten um mehrere Millionen US-Dollar pro Jahr reduziert werden – bei gleichzeitig erhöhter Anlagenverfügbarkeit.

Das sind die Bereiche, in denen die digitale Transformation für Hersteller und Anlagenbetreiber unbestreitbar neue Chancen eröffnet, agilere Geschäftsmodelle ermöglicht und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit sichert.

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