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Bertelsmann-Studie Beim Glasfaser-Ausbau agiert Deutschland kopflos

| Redakteur: Franz Graser

Fast alle OECD-Staaten investieren in ihre Glasfasernetze. Deutschland hingegen liegt auf Platz 28 von 32 OECD-Ländern. Laut einer Vergleichsstudie der Bertelsmann-Stiftung und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung fehlt unter anderem eine koordinierte Strategie für die Glasfasertechnik.

Glasfaserleitungen sind die Datenautobahnen der Zukunft. Deutschland investiert allerdings im OECD-Vergleich zuwenig in den Ausbau seiner Glasfasernetze.
Glasfaserleitungen sind die Datenautobahnen der Zukunft. Deutschland investiert allerdings im OECD-Vergleich zuwenig in den Ausbau seiner Glasfasernetze.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Unambitionierte Ziele, eine fehlende gesamtstaatliche Strategie, unkoordinierte Förderprogramme und fehlender Mut, konsequent auf Glasfasertechnologien zu setzen, sind die Hauptursachen für das Hinterherhinken Deutschlands beim Ausbau des Glasfasernetzes.

Zu diesem Urteil kommt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Dabei macht das Ausland vor, wie es besser gehen könnte. „Der aktuelle Stand der Glasfaser-Versorgung ist nicht gut. Aber das eigentliche Drama ist, dass der Aufholprozess durch politische Weichenstellungen unzureichend unterstützt wird“, sagt Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Die meisten Länder investieren seit langem und systematisch in den Ausbau ihrer Glasfasernetze, denn eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur ist nicht nur unabdingbare Voraussetzung für wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt. Schnelles Internet ist auch Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und heute längst ein Grundbedürfnis.

In Estland profitieren bereits 73 Prozent, in Schweden 56, in Spanien 53 und in der Schweiz immerhin 27 Prozent der Haushalte von direkt verfügbaren Glasfaserverbindungen. In Deutschland hingegen gilt das für lediglich 6,6 Prozent der Haushalte. Im ländlichen Bereich beträgt die Abdeckung mit Glasfaser-Leitungen gerade einmal 1,4 Prozent.

Zwar hat sich die Versorgung im mittleren Bandbreitenbereich in den letzten Jahren deutlich verbessert, allerdings hapert es bei den zukunftssicheren direkten Glasfaseranschlüssen. Die Studie konzentriert sich auf direkte Glasfaseranschlüsse, weil nur diese langfristig alle Anforderungen an Bandbreite, Stabilität und Qualität der Verbindungen erfüllen können.

Ruckelnde Internet-Videos, stockende Uploads, ganze Gemeinden in ländlichen Regionen ohne Breitbandanschluss – all das ist immer noch digitale Realität in Deutschland. Bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen belegt Deutschland im OECD-Vergleich Platz 28 von 32.

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